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“Ende Dezember 2012 berichteten wir an dieser Stelle [auf "Die kalte Sonne"; Anm. Moritatensaenger] über eine Studie von Bromwich et al. in Nature Geoscience zur Erwärmung der Westantarktis, die angeblich dreimal schneller als der globale Durchschnitt abläuft. In der Kurzfassung lesen wir:

‘Here, we present a complete temperature record for Byrd Station, in which observations have been corrected, and gaps have been filled using global reanalysis data and spatial interpolation. The record reveals a linear increase in annual temperature between 1958 and 2010 by 2.4±1.2 °C, establishing central West Antarctica as one of the fastest-warming regions globally.’


Die Süddeutsche Zeitung war entzückt und berichtete prompt. Schaut man sich jedoch die Temperaturgraphen der Arbeit genauer an, fällt einem vor allem eines ins Auge, nämlich dass es in den vergangenen 25 Jahren überhaupt nicht wärmer geworden ist [siehe eingangs verlinkten Blogartikel "Westantarktis erwärmt sich schneller als gedacht - allerdings kein bisschen in den letzten 25 Jahren"; Anm. Moritatensaenger]. Es stellte sich sogleich die Frage, wie eine solche Studie überhaupt die Begutachtung überstehen konnte.

Und in der Tat, schnell waren die ersten Fehler gefunden. In einem hastig nachgeschobenen, vorweihnachtlichen Corrigendum [PDF; Anm. Moritatensaenger] räumten die Autoren einen peinlichen Rechenfehler ein, der die Dezember-Januar-Temperaturen betraf:

‘For 1980-2010, the trend should have been 0.29 ± 0.53 °C per decade, instead of 0.76 ± 0.66 °C per decade, and thus was not statistically significant. As a result, the last sentence of the section entitled “Temperature trends at Byrd Station”, referring to the significance of the trends during 1980-2010, should not include “except for December-January”.’


Statt 0,76°C pro Jahrzehnt waren es dann doch nur knapp 0,3°C. Da lagen Bromwich et al. um knapp ein halbes Grad, also 150% zu hoch. Mathe sechs, setzen.

Ende März 2014 passierte dann etwas wirklich Überraschendes. Nature Geoscience veröffentlichte eine Entgegnung zur Bromwich et al.-Arbeit, in der weitere statistische Mängel bei der Trendbetrachtung in der Ausgangsarbeit festgestellt wurden. Die Unsicherheit wäre viel zu hoch, um einen signifikanten Trend zu proklamieren:

How significant is West Antarctic warming?
Armin Bunde, Josef Ludescher, Christian L. E. Franzke, Ulf Büntgen

To the Editor
Bromwich et al. present a monthly temperature record for central West Antarctica that spans 1958 to 2010, using observations from Byrd station that have been corrected and gap-filled. A regression analysis reveals a warming of 2.44 °C over this period. To evaluate the significance of this warming trend, Bromwich [...]‘


Die Autoren der Entgegnung stammen vom Institut für Theoretische Physik der Universität Giessen, vom Meteorologischen Institut der Universität Hamburg sowie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im schweizerischen Birmensdorf.

Wie üblich in solchen Fällen, bekamen die Verfasser der Originalarbeit die Möglichkeit, auf die Kritik zu antworten. Zwei der ursprünglich sieben Autoren (Bromwich & Nicolas) versuchten sich an einer ‘Reply’. Allerdings misslingt der Versuch einer Rechtfertigung. Anstatt den Vorhalt statistischer Fehler zu entkräften, weichen die beiden Forscher dem Hauptproblem aus und texten ins Leere.

Da die Süddeutsche Zeitung damals ausführlich über den Originalartikel berichtete, wäre es jetzt recht und billig, auch die Leser über die Kritik an der Arbeit zu informieren. Warten wir es ab. Süddeutsche Zeitung, bitte übernehmen Sie.”




Die Artikel in “Nature Geoscience” sind leider nur für Abonnenten vollständig lesbar. Der hier veröffentlichte Blogbeitrag erschien zuerst auf “Die kalte Sonne” und wurde mit freundlicher Genehmigung der Autoren auf suedwatch.de eingestellt. Wer mehr von den Autoren der kalten Sonne, Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning lesen möchte, der kann das hier tun:

book





Morgen will sich das Süddeutsche Zeitung Magazin mal wieder mit einer Karikatur ins Gespräch bringen. Es geht wieder mal um die historisch eindeutig konnotierte Personalisierung abstrakter Verhältnisse. Zeichnete man im vergangenen Jahr noch Israel als gefräßigen Moloch, um vermeintlich die israelische Politik zu kritisieren, nimmt sich das SZ-Magazin diesmal „den Kapitalismus“ respektive „die Reichen“ vor, die ebenfalls als Monster erscheinen. Die entsprechende Karikatur wirkt wie ein Zitat der Moloch-Karikatur vom vergangenen Jahr. Wir wollen helfen und veröffentlichen die Rechtfertigung, die für die kommende Woche zu erwarten ist, schon einmal vorab.

„In eigener Sache

Die Kritik an und die Empörung über die Illustration auf dem Titelblatt des SZ-Magazins vom 22. März sind beträchtlich. Wir bedauern die Verwendung dieser Illustration. Sie war der missglückte Versuch, mit den Mitteln der Karikatur darzustellen, wie der Kapitalismus von seinen Feinden gezeichnet wird.

Diese Intention aber wurde nicht deutlich, auch weil auf der Zeichnung zwar ein Monster mit Klauen und Reißzähnen zu sehen ist, nicht aber der Zusammenhang hergestellt wird, dass es dabei um die Symbolisierung der Anti-Reichen-Klischees geht. Im Gegenteil: Die Illustration lässt auch den Schluss zu, dass hier ‘die Reichen’ als Monster gezeigt werden sollen. Es wurde also ein Klischee verwendet, um Klischees anzuprangern, und das hat nicht funktioniert, auch wenn im nebenstehenden Text die Erklärung versucht wurde.

Wir bedauern sehr, dass wir diesen Fehler gemacht haben. Und wir bitten jene, die wir dadurch verärgert oder verletzt haben, um Entschuldigung. Wir werden sehr darauf achten, dass sich ein solcher Fehler nicht wiederholt.“



Bis zur nächsten Ausgabe, versteht sich.





Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis des Autors; Quelle und Erstveröffentlichung:

http://www.ruhrbarone.de/sz-karikatur-es-tut-uns-leid-mal-wieder/75900

rummel



Heute hat Heribert Prantl, der promovierte Jurist, einmal wieder ein Glanzstück seines demokratischen Nicht-Verständnisses und Unvermögens abgeliefert: Zum heutigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Drei-Prozent-Hürde im Europarecht für verfassungswidrig erklärt hat [1] fabuliert Prantl selbstverliebt [2]

Karlsruhe mauert sich ein im schwarz-rot-goldenen Turm: Das Bundesverfassungsgericht kippt nach der Fünf-Prozent-Klausel nun auch eine Drei-Prozent-Hürde für die Europawahl. Es missachtet das Europaparlament und verhindert die gute Entwicklung der parlamentarischen Demokratie in Europa.

Hach, wie wär das schön - meint Prantl - wenn doch das Europaparlament eine Macht wäre, die noch viel mehr zu sagen hätte als sie es jetzt hat. Eine, so könnte man meinen, die die Länderparlamente am besten vollkommen außer Kraft setzt, so dass ganz Europa von diesem Europaparlament regiert wird. Doch das ist nicht die Realität, wie auch immer man zu dieser Realität stehen mag. Noch bestehen in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht keine Verhältnisse, die denen auf nationaler Ebene vergleichbar wären. Sie mögen angestrebt werden, steckten aber jedenfalls noch in den Anfängen, so das Bundesverfassungsgericht:

Es ist nämlich bereits in tatsächlicher Hinsicht nicht konkret absehbar, dass die angestoßene politische Entwicklung ohne eine Sperrklausel im deutschen Europawahlrecht zu einer Funktionsbeeinträchtigung des Europäischen Parlaments führen könnte.

Entgegen Prantls Vorstellungen liegt die Aufgabe des Bundesverfassungsgerichts nicht darin, diese politische Entwicklung zu fördern, nein, offenbar vollkommen neu für Prantl: Das Bundesverfassungsgericht ist Hüter der Verfassung - und damit der Demokratie. Doch solche Gedanken scheinen Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung vollkommen abwegig zu sein.

Karlsruhe könnte dem Parlament in Straßburg und Brüssel die Anerkennung zukommen lassen, die es dem Bundestag in Berlin zuteilwerden lässt. Aber Karlsruhe weigert sich. Karlsruhe wartet, bis dieses Europaparlament so ist, wie es sich ein gutes Parlament vorstellt. Doch Karlsruhe trägt nichts dazu bei, dass es einmal dazu kommt.

Für Prantl vollkommen abwegig befasst sich das Bundesverfassungsgericht mit der Demokratie - und nicht mit der Förderung von Prantls politischer Vorstellungen. Es führt aus:

Der Grundsatz der Wahlrechtsgleichheit, der sich für die Wahl der deutschen Abgeordneten des Europäischen Parlaments aus Art. 3 Abs. 1 GG ergibt, sichert die vom Demokratieprinzip vorausgesetzte Egalität der Bürger und ist eine der wesentlichen Grundlagen der Staatsordnung. Aus diesem Grundsatz folgt, dass die Stimme eines jeden Wahlberechtigten grundsätzlich den gleichen Zählwert und die gleiche rechtliche Erfolgschance haben muss.

Der aus Art. 21 Abs. 1 GG abzuleitende Grundsatz der Chancengleichheit der Parteien verlangt, dass jeder Partei grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten im gesamten Wahlverfahren und damit gleiche Chancen bei der Verteilung der Sitze eingeräumt werden.

Differenzierungen im Wahlrecht können nur durch Gründe gerechtfertigt werden, die durch die Verfassung legitimiert und von einem Gewicht sind, das der Wahlrechtsgleichheit die Waage halten kann. Hierzu zählt insbesondere die Sicherung der Funktionsfähigkeit der zu wählenden Volksvertretung.

Maßgeblich sind die aktuellen Verhältnisse. Der Gesetzgeber ist zwar nicht daran gehindert, auch konkret absehbare künftige Entwicklungen zu berücksichtigen. Maßgebliches Gewicht kann diesen jedoch nur dann zukommen, wenn die weitere Entwicklung aufgrund hinreichend belastbarer tatsächlicher Anhaltspunkte schon gegenwärtig verlässlich zu prognostizieren ist.

Zusammengefasst:

1. Der Grundsatz der Wahlrechtsgleichheit ist Teil des Demokratieprinzips.

2. Alle Parteien müssen bei einer Wahl die gleichen Chancen haben.

3. Eine Ausnahme davon gibt es nur, wenn die Verfassung das ermöglicht und die Gründe dafür genauso schwer wiegen wie die Wahlrechtsgleichheit. Zum Beispiel die Funktionsfähigkeit des Parlaments.

4. Maßgeblich sind die aktuellen Verhältnisse.



Weder ist die reine Zukunftmusik ein ausreichender Grund für eine Sperrklausel, noch sind die privaten Wünsche des Herrn Heribert P. aus M. für das Bundesverfassungsgericht so erheblich, dass sie die Wahlrechtsgleichheit aufwiegen würden, noch sind seine Wünsche überhaupt Bestandteil unserer Verfassung.

Karlsruher Urteile sind häufig ein Segen für Demokratie und Rechtsstaat. Dieses Urteil nicht. Es ist eine Katastrophe, eine Katastrophe für die parlamentarische Demokratie in Europa.

Sagt Prantl. Manchmal möchte man meinen, Prantl biegt sich Recht und Gesetz - und insbesondere die Verfassung so hin, wie es ihm gerade passt in seinen ideologisch geprägten Vorstellungen. Doch mehr und mehr kommt man zu dem Schluss, dass er die Demokratie schlicht nicht verstanden hat.





Jaspis






[1] http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg14-014.html

[2] http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-zur-drei-prozent-huerde-das-europaparlament-ein-rummelplatz-1.1898773

Licht und Schatten

Spätestens seit der unsäglichen Illustrierung einer Buchbesprechung[1]


monster



befindet sich die Süddeutsche Zeitung auf einem Kurs, der mit der euphemistischen Vokabel “unsensibel” beim besten Willen nicht mehr beschönigt werden kann

Nun ist es nicht so, dass sich die Redaktion gerade darin überschlagen würde, diesen Makel (so sie ihn als solchen empfinden sollte) wieder loszuwerden. Um so erfreulicher ist der Gastbeitrag von Einat Wilf vom 18. Februar 2014 [2]

Klare Worte findet Einat Wilf zur Rede von Martin Schulz in der Knesset am 12. Februar 2014, in der er einen palästinensischen Jugendlichen, der gesagt habe,

ein Israeli könne am Tag 70 Liter Wasser verbrauchen, ein Palästinenser lediglich 17 Liter.
Schulz gab zu, dass er nicht die Fakten geprüft habe, und fragte die Abgeordneten: “Ist das wahr?” Daraufhin stürmten die Mitglieder der Rechtsaußen-Partei HaBail Hayehudi aus dem Plenarsaal. Dieses Verhalten stieß in Israel weitgehend auf Kritik. Doch viele Israelis haben sich auch über die Wortwahl von Martin Schulz gewundert.
Man kann davon ausgehen, dass der Präsident des Parlaments der Europäischen Union seine Rede liest - und dann vielleicht noch einmal liest - , bevor er sie hält. Sollte sich Martin Schulz also tatsächlich für die Fakten des Wasserverbrauchs in der Region interessiert haben und nicht nur eine provokante Bemerkung machen wollen, warum musste er bis zu diesem sensiblen Augenblick in der Knesset warten, um nach den Fakten zu fragen?

War Google außer Betrieb? Gab es in der ganzen Bürokratie der EU nicht wenigstens einen Assistenten, der hätte einen Faktencheck vornehmen können, bevor der Präsident zu reden beginnt?

Die Geschichte vom palästinensischen Jungen hat Schulz schon am Abend zuvor zitiert - und als ich ihn im Jahr 2011 traf, stellte er eine ähnliche Behauptung auf. Die Wasserfrage beschäftigt ihn also ganz offensichtlich schon länger. Wenn er also wirklich an den Fakten interessiert wäre, hätte er genug Zeit gehabt, sie zu prüfen. Eine Rede in der Knesset jedenfalls ist ein merkwürdiger Zeitpunkt, eine Recherche zu starten.

Wilf erklärt weiter, warum das Thema Wasser ein derart sensibles ist.

Der implizite Vorwurf der Behauptung, die Schulz zitiert, lautet: Die Israelis verschwenden Wasser, während die Palästinenser dürsten, und all das organisiert der israelische Staat. Es ist kein Zufall, dass vieles, was jetzt über Schulz’ Rede in den social media zu lesen ist, dieser rhetorischen Figur ähnelt: “Ein Christ, ein Freund, hat mir erzählt, dass die Juden zum Pessach-Fest das Blut kleiner Kinder in den Mazzen verbacken. Ich habe das nicht überprüft - aber stimmt das?”

Und Wilf weist darauf hin, woher der hohe Grad an Empörung rührt, wenn so leichtfertig mit Lügen provoziert wird.

Die jüdische Bevölkerung nimmt aufmerksam zur Kenntnis, dass, bevor es kollektive Gewalt gegen andere Menschen gibt, in der Regel eine ideologische Grundlage für diese Gewalt geschaffen wird. Sie fürchtet zunehmend, dass dies im Augenblick gegenüber Israel und der Idee des Zionismus geschieht. Die Waffen in diesem Kampf sind Lügen, falsche Behauptungen, falsche oder missverständliche Interpretationen.

Das Ziel dieses Kampfes ist, wie auch bei den früheren Kämpfen, die große Errungenschaft des Zionismus ungeschehen zu machen: die Existenz eines souveränen States für das jüdische Volk in ihrer angestammten Heimat. Die Strategie dieses Krieges besteht darin, Israel und den Zionismus mit allem Übel dieser Welt zu verbinden, damit eines Tages die Zerstörung des Staates Israel nicht mehr als Verlust, sondern als Segen für die Menschheit erscheint. [Hervorhebung: Jaspis]

Nach all den eher beschwichtigenden Artikeln, die die SZ zu Schulz’ Rede gebracht hat, [3][4] ist Einat Wilfs Gastbeitrag ein wichtiger Beitrag zur Meinungsbildung, die eine umfassende Information über die Faktenlage voraussetzt.

Doch es dauerte nur drei Tage, bis die SZ dieses positive Werk wieder zunichte machte, bis Facebook WhatsApp kaufte. Und bei der Süddeutschen Zeitung wurde der Jude Mark Zuckerberg zum hakennasigen Datenkraken.



fb-krake



Stefan Gärtner griff diese unsägliche Karikatur für die Titanic auf [5]

Süddeutsche illustriert auf Stürmer-Niveau“ lautete, einer Beschwerde des jüdischen Zentralrats folgend, die Klage der politisch korrekten Welt, nachdem die Redaktion im vergangenen Juli ein vom lieben Ernst Kahl stammendes, messerbewehrtes Monster zur Illustration israelischer Militärpolitik verwendet hatte, und die Kollegen haben den Fehler eingesehen. Deshalb wird Zuckerberg ja auch nicht als Monster dargestellt, sondern als Krake, und Kraken – was immer man gegen sie haben kann mit ihren schleimigen, tödlichen Fangarmen, mit denen sie z.B. kleine blonde Kinder und arische Jungfrauen zu sich in ihre Unterwelt herabziehen – folgen bloß ihrer Natur, sie können gar nicht anders. Es hätte also auch gar keinen Sinn, Kraken zivilisieren zu wollen, sie etwa zu taufen, sie blieben doch immer Kraken.

Der Blog allophilia hat zudem eine weitere Besonderheit festgestellt: [6]

Eine Sache ist aber noch zu be­rich­ten. Die Ka­ri­ka­tur er­scheint nicht in allen Aus­ga­ben gleich. Be­müht man das SZ Ar­chiv, so fin­det man zur Ka­ri­ka­tur gleich drei ver­schie­de­ne Print Ver­sio­nen (wie wohl auch für an­de­re Ar­ti­kel üb­lich), näm­lich eine Mün­chen, Bay­ern und Deutsch­land Ver­si­on. Dabei ist die Bay­ern/Mün­chen Va­ri­an­te ein biss­chen ent­schärft. (…) Der jü­di­sche Face­book Grün­der Mark Zu­cker­berg sel­ber ist es also, den die Ka­ri­ka­tur hier dar­stel­len soll und nicht etwa nur das Abs­trak­te Face­book.



versionen



Noch einmal Stefan Gärtner:

Wenn der Gedanke allerdings erst einmal da ist, muß sich auch der unverdächtige Kolumnist und WhatsApp-Nutzer, der, weil er Facebook nicht ausstehen kann, seinen Kurznachrichtendienst wechseln will, gut überlegen, ob er mit dem Nebeneffekt leben mag: daß er künftig nicht mehr beim Juden chattet. Ein Gedanke, der ihm ohne die famose Zeichnung gar nicht gekommen wäre.

Wollte die SZ-Redaktion den Gastbeitrag von Einat Wilf doch nur auch beherzigen, er wäre mehr als nur ein löchriges Feigenblatt. So wichtig er auch war.





Jaspis





[1] http://www.suedwatch.de/blog/?p=10854
[2] http://www.sueddeutsche.de/politik/umstrittene-rede-in-der-knesset-faktencheck-fuer-martin-schulz-1.1891553

[3] http://www.sueddeutsche.de/politik/eine-sehr-gute-rede-israels-ex-botschafter-primor-verteidigt-schulz-1.1887639

[4] http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-eklat-in-israel-schulz-verteidigt-sich-gegen-kritik-an-knesset-rede-1.1887366
[5] http://www.titanic-magazin.de/news/gaertners-kritisches-sonntagsfruehstueck-krake-juda-6305/
[6] http://allophilia.blogsport.de/2014/02/23/sztuermer-und-krake-zuckerberg/

Die Kleine Zeitung aus Österreich meldete am 29. Januar 2014:

Harte Zeiten für Gämsen
Die Gämsen werden weniger. Der Klimawandel und strengere Winter sind Ursachen, aber auch die Jagdfreude auf das Gamswild ist groß. [...] “Es gibt rund 60 Prozent dieser Wildart weniger als noch vor zehn Jahren”, weiß [der Bezirksjägermeister von Bruck, Max] Hörmann. Natürlich waren in diesem Zeitraum auch strenge Winter der Grund für die Reduktion. Aber die letzten Jahre waren die Winter eher mild und trotzdem hat sich das Wild nicht erholt. Hörmann versteht nicht, dass Revierinhaber immer noch hohe Anträge für Abschussfreigaben stellen. Aber das Begehren sei hoch, die Gämsenjagd wurde auch in den Oststaaten entdeckt. Denn diese Wildart ist leicht zu erlegen, noch dazu im Rudel vorhanden und dürfte außerdem ein gutes Geschäft sein.

Weiterlesen auf kleinezeitung.at.

Der Klimwandel tötet die Gämsen! Massenmörder CO2 schlägt wieder zu. Kurz nachgefragt: Wie funktionierts? Durch das CO2 erhitzt sich der Planet und die Winter in Österreich werden dadurch kälter. Dadurch sterben die Gämsen. Meldet sich der kleine Thomas aus der hintersten Reihe: “Herr Lehrer, das kapier ich nicht. Wenn die Erde wärmer wird, dann sollte es den Gämsen doch eigentlich immer besser gehen?” Der Lehrer ist ratlos. Trotzdem schreibt er dem Schüler vorsorglich lieber eine sechs ins Notenheft. Da könnte ja sonst jeder kommen. So ganz geht dem Lehrer die Sache aber nicht aus dem Kopf. Zuhause beim Abendbrot kommt er ins Grübeln. Hatte er vor vier Jahren nicht einen Artikel zum Gämsenproblem auf nachrichten.at gelesen? Darin war der Klimawandel selstsamerweise gar nicht vorgekommen:

Künftig werden sich die Jäger bei den Abschüssen von Gämsen zurücknehmen müssen, weil sie überjagt sind. Beim Rotwild wurden hingegen die Abschussziele nicht erfüllt.

Langsam dämmerte es dem Pädagogen: Es ist so einfach,  alles auf den Sündenbock Klimawandel zu schieben. Pech beim Lotto? Der Klimawandelhat Schuld. Auto springt nicht an? Der Klimawandel wars. Bier ist alle? Da steckt doch sicher der böse Klimawandel dahinter. Gut, dass es den Klimawandel gibt, sonst müssten wir uns einen neuen Buhmann suchen.

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Leipziger Volkszeitung
am 30. Januar 2014:


Wetterextreme in Sachsen häufen sich – dunkelster Winter seit Beginn der Messungen

Mit starken Wetterextremen hat sich der Klimawandel 2013 in Sachsen deutlich bemerkbar gemacht. Ein extrem dunkler Winter, die starke Märzkälte und das Hochwasser im Sommer hätten Mensch und Umwelt zu schaffen gemacht, teilte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie am Donnerstag in Dresden mit. „Die Zunahme der Wetterextreme ist auf den Klimawandel zurückzuführen“, sagte Klimaexperte Walter Schmidt.

Der extrem dunkle Winter als Folge des Klimawandels. Scherz lass nach. Wie soll das CO2 das eigentlich hinbekommen? Selbst im IPCC-Bericht findet sich über diese gewagte These keine Zeile. Über das Hochwasser haben wir an dieser Stelle bereits ausführlich berichtet (siehe “Was waren die wahren Hintergründe der mitteleuropäischen Flut 2013?“). Fazit: Es handelte sich um eine sogenannte Vb-Wetterlage, die im Zuge des Klimawandels in Zukunft laut Berechnungen eher abnehmen soll. Die wahren Probleme scheinen eher Abnahme der Überschwemmungsflächen, versiegelte Landschaften, Flussbegradigungen und übermütige Häuslebauer in Flussnähe zu sein. “Klimaexperte” Walter Schmidt hängt sich hier ziemlich weit aus dem Fenster. Welche anderen Klimaextreme könnte Schmidt hier meinen? Lesen wir hierzu noch einmal in der LVZ weiter:

Vor allem die Landwirtschaft litt unter den Folgen der langen Frostperiode und des nassen Frühsommers. Die Wintergerste sei vielerorts durch Schneeschimmel und Fäulnis geschädigt, teilten das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der Deutsche Wetterdienst mit. Die Nässe förderte dann später den Pilzbefall der Körner. Nur 65 Prozent des benötigten Wintergerstensaatguts konnte produziert werden. Kartoffeln konnten durch die lange Kältephase oft erst im Mai, vereinzelt erst im Juni ausgepflanzt werden. Die Flut im Juni förderte bakterielle Erkrankungen der Pflanzen. Im Juli war es dann warm und trocken – auch das wirkte sich negativ auf die Ernte aus. Die Bauern fuhren vielerorts niedrige Erträge und kleine Kartoffeln ein.

Lange Frostperiode als Folge der Klimaerwärmung? Scherz lass nach. Offenbar ist das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie fest in Narrenhand und argumentiert weit außerhalb der seriösen wissenschaftlichen Bandbreite. Schade.

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Süddeutsche Zeitung am 30. Januar 2014:

Klimawandel bedroht Pinguinküken
Pinguinküken sind Hitze und Stürmen schutzlos ausgeliefert. Mit dem Klimawandel könnten extreme Wetterphänomene zunehmen – das bedroht die größte Pinguinkolonie in Argentinien. Magellan-Pinguinküken leben gefährlich. Rund zwei von drei Vögeln verhungern oder werden von Räubern gefressen, bevor sie überhaupt das Nest verlassen. Der Klimawandel könnte die Risiken für die Pinguine verschärfen, wie Forscher in der Fachzeitschrift Plos One (online) berichten. Zahl der Pinguine geht zurück. In den meisten Jahren war Nahrungsmangel die häufigste Todesursache der Küken. Doch in 13 Jahren trugen auch Stürme erheblich zum Tod des Nachwuchses bei. Die Küken sind in den ersten Wochen ihres Lebens Nässe fast schutzlos ausgeliefert, da ihr junges Federkleid noch kein Wasser abhält. In zwei Extremjahren töteten Stürme auf diese Weise rund die Hälfte der Küken. “Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit für Stürme und deren Stärke”, schreiben die Autoren. Auch der Niederschlag nehme in der Region zu.

Mehr Stürme und Niederschläge in Argentinien durch den Klimawandel? Unwahrscheinlich. Außerhalb der Tropen wehten die schlimmsten Stürme offenbar während der Kleinen Eiszeit und haben im Übergang zur Modernen Wärmeperiode abgenommen (Artikelübersicht hier). Und die Niederschläge Südamerikas unterliegen vor allem einer ausgeprägten natürlichen Zyklik, die von Sonnenaktivitätsschwankungen und 60-Jahres-Ozeanzyklen gesteuert wird (siehe z.B. “Phasenverschiebung im Zusammenwirken von Klima und Sonne entdeckt: Ostbrasilianischer Regen im Takte der Sonnenaktivität“, “Sonnenaktivität steuerte den südamerikanischen Monsunregen während der letzten 1500 Jahre” und “Starker Einfluss von Sonnenaktivitätsschwankungen und El Nino auf Temperaturen und Regenmengen in Süd-Brasilien während der letzten 100 Jahre“) .

Was könnte der wahre Gund für den Rückgang der argentinischen Pinguin-Population sein? Wiederum gehen wir 4 Jahre zurück und finden eine heiße Spur in einem NBC News-Artikel vom 13. Februar 2009:


Overfishing of Anchovies tied to sharp drop in Magellanic penguins

Penguin numbers at Argentina’s Punta Tombo colony have declined by more than 20 percent in the last 22 years, from 300,000 to just 200,000 breeding pairs, Boersma said. Boersma, a University of Washington professor, recently published two papers documenting challenges faced by Magellanic penguins. Penguins at Punta Tombo are traveling farther to find food than they did a decade ago, she found, due to changing ocean conditions and overfishing, especially of anchovies, a penguin staple. That has forced some penguins to attempt to nest outside of protected areas where they often fall prey to predators. “Penguins are having trouble with food on their wintering grounds and if that happens they’re not going to come back to their breeding grounds,” Boersma said in a statement issued by the Wildlife Conservation Society, which helps fund her work. “If we continue to fish down the food chain and take smaller and smaller fish like anchovies, there won’t be anything left for penguins and other wildlife that depend on these small fish for food.”

Vollständigen Artikel auf NBC News lesen.

Wohl nicht der Klimawandel, sondern vielmehr Überfischung bedroht die argentinische Pinguin-Population. SZ-Redakteur Christoph Behrens lässt dieses kleine, feine Detail aus unerfindlichen Gründen in seiner Berichterstattung aus. Schlimme Recherchepanne.





Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Den Beitrag finden Sie auch im Blog Die Kalte Sonne unter http://www.kaltesonne.de/?p=16819

Diesen Beitrag schickt uns unser Leser J. Härtel, herzlichen Dank!


eishockeybericht-nach-art-der-sz



Aus der heutigen Webseite. Eishockey ist in M praktisch resonanzlos, aber den Namen des Spielgeräts sollte man schon wissen.

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