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Wie der Filter der Netiquette bei der Süddeutschen funktioniert…

23. November 2012 von Wolpertinger

…ersehen Sie an folgendem Beispiel, das zeigt, wie es im Hetzblatt SZ bestellt ist, wenn die Hetze nur ja den „Richtigen“ trifft. Unser Beispiel ist dem Titel „Eskalation im Gazastreifen. Palästinenser sprechen Westerwelle Vermittlerrolle ab“ entnommen (1).



westerwelle-eine-deutsche-schwuppe



Wie publikumswirksam inszeniert sich die SZ nicht immer als Verteidigerin aller unrechtmäßig Verfolgten! So zum Beispiel, wenn sie ihr unliebsame Personen der Homophobie bezichtigt und damit Rufmord betreibt, auch wenn der Vorwurf der Homophobie begründet gar nicht erhoben werden kann. Wir denken speziell an Tina Baier und die verleumderischen Berichterstattungen über die evangelikale Lukas-Schule in München und deren Rektor Jörg Birnbacher (2)(3). Äußerst wohlklingend ist zwar die Absichtserklärung des Leiters der Online-Redaktion, Stefan Plöchinger,  unter dem Titel „Wir freuen uns auf Ihren Kommentar“(4):

Um den guten Ton zu wahren, werden wir persönliche Angriffe oder radikale Äußerungen nicht veröffentlichen. Details dazu finden Sie in unserer neuen, vereinfachten Netiquette (zu den Diskussionregeln …)

Unter „Wie wir moderieren“ freut man sich, zu lesen(5):

# Greifen Sie niemanden an. Wir verbitten uns jede Art rassistischer, sexistischer, homophober oder anderer Beleidigungen. (Hervorh. Wolpertinger)

Aber schön wärs, wenn die Moderation sich an ihre eigenen Regeln hielte. Schützend stellt sie sich nur vor die hauseigenen Schreiber und läßt auch nicht die leiseste Kritik an ihnen zu in der lauteren Welt der reiner als reinen Redaktionsstuben. Für das Forum gilt nach wie vor: Die seit einiger Zeit äußerlich veredelte Kommentarfunktion der SZ kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die SZ durch ihre Foristen je nach Fall Herabsetzendes für sich schmieren läßt, ohne sich selber die Hände schmutzig zu machen… Wie im oben gezeigten, von der Moderation geduldeten Kommentar:

Hier wird Westerwelle – pardon „Westerwave“ - als „deutsche Schwuppe“ bezeichnet – „Schwuppe“ in der Bedeutung von: „Homosexueller mit weiblichen Zügen“ (6), der „seinen Mann“ mitbringen und dem er eine „Bruka“ (sic!) überziehen soll. Schon ein in sich mehr als wirrer Kommentar, denn es ist nicht recht nachzuvollziehen, weshalb ein mit einer Burka als Frau verkleideter Mann einen anderen (homosexuellen) Mann in den Augen von Palästinensern als Verhandlungspartner legitimieren könnte! Man fragt sich, wie’s im Oberstübchen dieses Kommentators aussieht.

Der screenshot des Wolpertinger stammt vom Tag des Erscheinens des Artikels am Dienstag, 20.11.2012 um 9:04 Uhr. Heute, am 23.11.2012, inzwischen also mehr als drei Tage nach Erscheinen des Artikels, ist der Kommentar von „Bernjul“ immer noch zu lesen. Die ursprünglich vier zustimmenden Foristen (Urteil: „lesenswert“) haben sich bis heute auf 13 erhöht. Keiner der „anspruchsvollen“ Leser (inzwischen 55 Einstellungen zu diesem Artikel) fand diesen Beitrag so abstoßend, um sich bei der Moderation zu beschweren. Und die Moderation wiegt sich in Unschuld, auf beiden Augen blind. Noch unverzeihlicher ist das Verhalten der Redaktion, die ja im Zuge der Neugestaltung des Kommentarbereichs die Beiträge der Foristen liest und die nach Sicht der Redaktion besten Beiträge mit einem Stern auszeichnet und voranstellt.(Siehe oben, 4)

Die Herabsetzung von Westerwelle wegen seiner Homosexualität ist im Forum der SZ geradezu Standard. Aus dem Archiv des Wolpertingers: Westerwelle wird  regelmäßig in Kommentaren als „Schwesterwelle“ tituliert, zum Beispiel vom Foristen

GSM900 am 30.3.2011 um 16:02 Uhr (7)

Odeth am 1.4.2011 um 12:02 Uhr (8)

Montagsgast am 1.4.2011 um 12:28 Uhr (9)

Und besonders witzig, wenn auch nicht gerade schmeichelhaft: „Westerwave“ (sic) als „Bundesvorsteherdrüse“ (sic) charakterisiert von:

eulenspiegel am 1.4.2011 um 16:26 Uhr (10)

Alle genannten Kommentare sind immer noch so nachzulesen (zum Zeitpunkt meines Schreibens heute, am 23.11.2012).

In der maßlos übertriebenen SZ-Hetzkampagne um den - nach SZ-Dafürhalten wegen seines Plagiats total verabscheuungswürdigenden -  Verteidigungsminister Herrn von Guttenberg durfte ein Forist (Nikolausjr) am 18.2.2011 um 12:56 Uhr einen wegen seiner sexuellen Ausrichtung wohl noch verabscheuungswürdigeren Politiker (Herrn Westerwelle) ins Spiel bringen und in die Runde des Forums hinein fragen: „Jetzt mal ehrlich: Ist Euch der Schwule lieber?“ (sic, 11)

Im Falle dieses nicht mehr auffindbaren Kommentars muß wohl irgendjemand den Petzen-Knopf gedrückt haben. Die SZ störte sich selber ursprünglich nicht an einer derlei diskriminierenden Frage. (Sicht-Beleg im Archiv des Wolpertingers vorhanden).

SZ – Netiquette? Nicht mal das (Klo-)Papier wert, auf dem sie geschrieben ist.



Der Wolpertinger



(1) http://www.sueddeutsche.de/politik/eskalation-im-gazastreifen-palaestinenser-misstrauen-westerwelle-1.1527820.

(2) http://www.suedwatch.de/blog/?p=9262

(3) http://www.suedwatch.de/blog/?p=9382

(4) http://www.sueddeutsche.de/kolumne/debattesz-wir-freuen-uns-auf-ihren-beitrag-1.1406776

(5) http://www.sueddeutsche.de/service/debattesz-welche-regeln-gelten-hier-1.1359960

(6) http://www.gutefrage.net/frage/was-bedeutet-schwuppe

(7) http://www.sueddeutsche.de/leben/der-fall-kalinka-jahre-durch-die-hoelle-1.1079171-2?commentCount=16&commentspage=2#kommentar

(8) http://www.sueddeutsche.de/politik/fdp-westerwelle-in-der-krise-suding-ein-parteichef-steht-immer-zur-debatte-1.1080104?commentCount=41&commentspage=3#kommentare

(9) http://www.sueddeutsche.de/politik/fdp-westerwelle-in-der-krise-suding-ein-parteichef-steht-immer-zur-debatte-1.1080104?commentCount=41&commentspage=3#kommentare

(10) http://www.sueddeutsche.de/politik/fdp-spitze-nach-westerwelle-wir-arbeiten-an-einer-teamloesung-1.1080228

(11) http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsvorwurf-guttenberg-verzichtet-voruebergehend-auf-doktortitel-1.1061925?commentCount=142&commentspage=2#kommentare



Update:

Liebe Leser, beachten Sie zu diesem dankenswerten Beitrag unseres Autors “Wolpertinger” fairerweise die Stellungnahme von Daniel Wüllner, u.a. Moderator bei süddeutsche.de, im Kommentarbereich zu diesem Artikel.



Geschrieben in QualitätZSjournalismus, SZ-Kritik Allgemein, SZcheinheilig | 5 Kommentare

5 Reaktionen zu “Wie der Filter der Netiquette bei der Süddeutschen funktioniert…”

  1. am 23 Nov 2012 um 17:011Cinderella01

    Ja, ich habe auch mal eine Mail bekommen, weil ich im Zusammenhang mit der “Strepp-Kampagne” (die btw. dem Herrn Ude noch mal ein Prozent weniger gebracht hat) ein paar Beiträge verfasst hatte, die dann nicht veröffentlicht wurden. Als ich mich darüber in einem weiteren Post beklagt hatte, kam folgende Antwort per e-mail:

    “wir haben Ihren Beitrag gelöscht. An dieser Stelle möchten wir Sie bitten, in Ihren Diskussionsbeiträgen auf eine sachliche Ebene zurückzukehren.
    Uns liegt viel daran, Süddeutsche.de gemeinsam mit unseren Nutzern zu einer Plattform zu machen, auf der eine sinnvolle und respektvolle Debatte möglich ist. Hierzu gehört die Einhaltung unserer Netiquette, die Sie hier nachlesen http://www.sueddeutsche.de/service/debattesz-welche-regeln-gelten-hier-1.1359960 können. Bei Nichtbeachtung müssen wir Beiträge leider löschen, da wir als Hausherr juristisch und inhaltlich verantwortlich sind. Im Folgenden können Sie Ihren Kommentar noch einmal nachlesen:

    “Die Headline möchte ich jetzt aber mal gerne an die Redaktion zurückgeben. Denn Meinungen oder Fragen, die nicht ins Bild passen, werden nicht nur unterdrückt, sondern auch noch nachträglich gelöscht …
    Das ist ja ein ganz neuer Stil bei der SZ und wirklich erbärmlich!”

    Das war schwer gegen die Netiquette, denke ich und habe mich dann auch sofort dort abgemeldet - man muss sich ja nicht mit Werbe-emails von der SZ behelligen lassen, wenn man dann dort doch nur zensiert wird.

  2. am 23 Nov 2012 um 17:202Daniel Wüllner

    Lieber Wolpertinger,

    vielen Dank für die Hinweise. Wir haben die Beiträge entfernt und die Leser entsprechend verwarnt.

    Selbstverständlich wollen wir solche Leserbeiträge nicht auf Süddeutsche.de sehen. Deshalb haben wir unseren neuen Regeln so explizit ausgeführt.

    Wir werden auch in Zukunft bemüht sein, unsere Regeln durchzusetzen, um eine sachliche Diskussionsplattform auf Süddeutsche.de zu ermöglichen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Daniel Wüllner

  3. am 29 Nov 2012 um 11:113KF Lankl

    Naja,
    wer sich als Schwuler outet, kann doch durch die Bezeichnung “schwul” oder “Schwuppe” nicht beleidigt oder herabgewürdigt werden.
    Eine “Ehrverletzung” trifft m.E. nur zu, wenn es sich um eine nicht belegbare Unterstellung handelt.
    Deshalb: Habt Euch nicht so!

  4. am 29 Nov 2012 um 12:014moritatensaenger

    Ziemlich nah dran, lieber KF Lankl. “Schwul” ist “schwul” und wird auch in der Szene vorbehaltlos verwendet und selbst den Ausdruck “Schwuppe” verwendet man dort unverkrampft….

    “Schwuppe ist eine Bezeichnung für Schwule. Sie wird meist untereinander wertfrei, amikal freundlich benutzt. Die Konnotation bezieht sich nicht oder nicht so stark auf effiminiertes Verhalten wie etwa Tunte oder Tucke. Die Konnotation ist auch nicht so negativ wie bei Schwuchtel. Es ist in etwa mit Schwester oder dem älteren Tante zu vergleichen.” (homowiki)

    Es ist aber wohl weniger der Ausdruck selbst, der beleidigt, als die Konnotation, mit der er vom Absender auf den Weg geschickt wird. Und die Situation, aus der heraus er geäußert wird. Weshalb schon sprachliche wie soziale Kompetenz erforderlich ist, um sich in dieser Szene-Terminologie sozialverträglich zu bewegen. Ihr Kommentar z.B. kratzt für mein Empfinden schon an den Grenzen, aber ich gehe einfach davon aus, dass Sie ein Mitmensch sind, der das Anderssein der anderen durchaus zu tolerieren bereit ist. Gruß und Küsschen, Peter Zangerl

    PS: Wer mehr über die Etymologie von “Schwuppe” erfahren will, der kann hier schmökern: http://www.homowiki.de/Schwuppe

  5. am 29 Nov 2012 um 20:195Wolpertinger

    @KF Lankl
    Es kommt auf Absicht und Kontext an, wie Bezeichnungen geäußert werden.
    Parallelbeispiel: In den USA bezeichnen sich Schwarze in der Gruppe gegenseitig schon mal ( auch humorvoll) als “nigger” (z.B. rapper). Das Wort “nigger” bedeutet nichts anderes als “Schwarzer” . Nach Ihrem Kommentar handelt es sich mit dem Wort weder um eine “nicht belegbare Unterstellung” - ist also Ihnen zufolge keine Ehrverletzung - (Hautfarbe kann durch Augenschein festgestellt werden) noch ist das Wort unter Schwarzen selber unbedingt eine Beleidigung.(Sie “outen sich” - um Ihrem Wortlaut zu folgen - ja in gewissen Situationen selber mit dem Wort als Schwarze oder als das, was man heutzutage gesellschaftlich mit dem Wort verbinden mag).
    Das heißt aber noch lange nicht, daß jeder einen Schwarzen als “nigger” bezeichnen darf - und das gilt strikt für Gruppen-Außenseiter.
    Im Kontext der zitierten Artikel waren die plumpen Erwähnungen der Homosexualität von Herrn Westerwelle in der ABSICHT herabsetzend, auch erkenntlich daran, daß sie inhaltlich mit den Texten der Artikel nicht das Geringste zu tun hatten und nur beleidigend wirken sollten.

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Übersetzung von Fabian Künzel