“Es gibt kein Gleichgewicht des Schreckens”
20. November 2012 von Jaspis

Ganz ehrlich: Ich finde es gut, dass die SZ einen Reporter in den Gazastreifen geschickt hat, um über die Situation der Menschen dort zu berichten. Besser hätte ich es allerdings schon gefunden, wenn es der SZ gelungen wäre, einen neutralen Bericht zu publizieren anstelle von Schuldzuweisungen in die falsche Richtung, die als “Bericht”[1] getarnt daherkommen.
Von 1300 bis 1500 Angriffen, die die israelische Armee in den letzten sechs Tagen geflogen habe, schreibt Peter Münch, und von der großen Furcht, in der die Menschen leben. Von geschlossenen Schulen und Läden, von menschenleeren Straßen. Von ausgehenden Medikamenten und weniger werdenden Lebensmitteln.
Alle paar Minuten schlägt also irgendwo im Gazastreifen eine Rakete ein. Die israelische Armee sucht sich ihre Ziele sehr präzise aus, es handelt sich nicht um zivile Ziele. Trotzdem verbreiten die Einschläge Angst und Schrecken. Das hängt auch damit zusammen, dass sie ohne Vorwarnung kommen - es gibt keine Sirenen. Und keine Bunker für die Zivilbevölkerung. Auch nachts herrscht oft fast Dauerbeschuss, es sind immer wieder Detonationen zu hören.
Hinzu kommt, dass ständig ein Surren in der Luft liegt. Man sieht nichts, doch hört 24 Stunden lang dieses Surren, das durch israelische Drohnen verursacht wird. Israel überwacht damit das gesamte Gebiet. Wenn die Hamas oder der Islamische Dschihad aus irgendeiner Stellung eine Rakete abfeuern, schießen die Israelis sofort gezielt zurück.
Das alles selbstredend, ohne auf die Ausgangslage der permanenten Terrorangriffe aus dem Gazastreifen gegen Israel auch nur mit einem Nebensatz einzugehen. Doch Peter Münch wäre nicht Peter Münch und die SZ nicht die SZ, wenn daraus nicht dennoch eine klare Schuldzuweisung gefolgert würde. Aber nicht etwa in Richtung der Hamas. Nein, weit gefehlt: In Richtung Israel:
Auf beiden Seiten der Front lebt die Zivilbevölkerung zurzeit in einer Kriegszone. Auch auf israelischer Seite reagieren die Menschen mit Angst. Die Hamas hat in den vergangenen sechs Tagen mehr als 1000 Raketen auf Israel gefeuert. Trotzdem gibt es kein Gleichgewicht des Schreckens. Die Menschen in Israel werden durch Sirenen vor Angriffen gewarnt. Sie können sich in Bunkern in Schutz bringen - im Gazastreifen gibt es die allenfalls für hohe Hamas-Funktionäre. Zudem ist die israelische Armee den militanten Palästinensern haushoch überlegen: Von 1300 Angriffen sind 1300 Treffer. Die Raketen aus dem Gazastreifen landen hingegen häufig irgendwo in der Wüste - oder sie werden vom israelischen Abwehrsystem Iron Dome abgefangen. Raketen, die ihr Ziel treffen, sind natürlich jedes Mal schlimm - egal auf welcher Seite. Doch auf palästinensischer Seite starben schon mehr als 100 Menschen, in Israel bislang drei.

Mit anderen Worten: Israel dürfte sich allenfalls dann moralisch integer zur Wehr setzen, wenn es verabsäumt hätte, Millionen in Frühwarnsysteme, Schutzbunker und Abwehrschirme zu investieren und allein deshalb (nicht etwa wegen der “Humanität” der palästinensischen Terroristen) ungleich mehr tote Zivilisten zu beklagen hätte. Außerdem gäbe es nur dann ein “Gleichgewicht”, wenn Israel - wie die Hamas - wild auf Zivilisten feuern würde, statt gezielt auf Terroristen?
Der gelehrige Schüler hat die Botschaft verstanden:

Doch, ich finde es gut, dass die SZ einen Reporter in den Gazastreifen geschickt hat, um über die dortige Situation zu berichten. Wirklich. Aber musste es denn ausgerechnet Peter Münch sein? Peter Münch, der mit seinem ganzen “Bericht” nichts anderes auszusagen vermag als seinerzeit Hans Herbert Schweitzer alias “Mjölnir” mit

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg
(Siehe auch: “Der ist schuld am Kriege” http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/11/15/der-ist-schuld-am-kriege/ )
Jaspis
[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/angst-im-gazastreifen-die-einschlaege-kommen-ohne-vorwarnung-1.1528059

