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	<title>suedwatch.de</title>
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	<description>Der unabhängige Watchblog zur Süddeutschen</description>
	<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 14:43:30 +0000</pubDate>
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		<title>Update zu: &#8220;Da hat der Sarrazin wohl zu viel Süddeutsche gelesen.&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 14:29:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritatensaenger</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Halbwahrheiten]]></category>

		<category><![CDATA[Meinungsvorgabe]]></category>

		<category><![CDATA[Sonstige]]></category>

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		<description><![CDATA[In dem am gestrigen Abend vom Moritatensaenger verfassten Artikel mit dem Titel&#8230;
&#8220;Da hat der Sarrazin wohl zu viel Süddeutsche gelesen.&#8221;
&#8230;schrieb ich gegen Ende:
&#8220;Der zum Abschuss freigegebene Bundesbankökonom scheint wohl doch eher den Tagesspiegel als die Süddeutsche gelesen und verinnerlicht zu haben.&#8221;
Und tatsächlich: heute kann man sich auf YouTube den ARD-Schauprozess gegen Sarrazin in der Sendung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></br><br /></br>In dem am gestrigen Abend vom Moritatensaenger verfassten Artikel mit dem Titel&#8230;<br /></br><br /></br></p>
<p><a href="http://www.suedwatch.de/blog/?p=4097"><strong>&#8220;Da hat der Sarrazin wohl zu viel Süddeutsche gelesen.&#8221;</strong></a><br /></br><br /></br></p>
<p>&#8230;schrieb ich gegen Ende:<br /></br><br /></br></p>
<p>&#8220;Der zum Abschuss freigegebene Bundesbankökonom scheint wohl doch eher den <em>Tagesspiegel</em> als die <em>Süddeutsche</em> gelesen und verinnerlicht zu haben.&#8221;<br /></br><br /></br></p>
<p>Und tatsächlich: heute kann man sich auf YouTube den ARD-<em>Schauprozess</em> gegen <em>Sarrazin</em> in der Sendung &#8220;Beckmann am Montag&#8221; ansehen, und ab Minute 6, Sekunde 50 &#8230;<br /></br><br /></br></p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/f9TOUJmbwBE?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/f9TOUJmbwBE?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object></p>
<p></br><br /></br>&#8230;bestätigt der Verurteilte des Moritatensaengers Ahnung, dass es der <em>Tagesspiegel</em> war, dem er die Kenntnis der New Yorker Forschungsergebnisse entnahm, und nicht die <em>Süddeutsche</em>. <img src='http://www.suedwatch.de/blog/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Aber bitte, sehen Sie sich ruhig die komplette Sendung von Anfang bis zum Ende über alle Teile an, die ich Ihnen nachfolgend gerne einstelle. Sie werden erstaunt sein, wie ernst der öffentlich rechtliche Rundfunk seinen Auftrag (<em>&#8220;Die Bürger/innen dürfen vom gebührenfinanzierten Rundfunk einen professionellen Journalismus erwarten, der sorgfältige Recherche, Seriosität, unabhängige Stand- punkte und Fairness beinhaltet.&#8221;</em> [1]) und den <a href="http://www.presserat.info/inhalt/der-pressekodex/pressekodex.html">Pressekodex</a> nimmt:<br /></br><br /></br></p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/ChZfHIGFOzw?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/ChZfHIGFOzw?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object><br /></br><br /></br></p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/uY6CzrvtqUI?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/uY6CzrvtqUI?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object><br /></br><br /></br></p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/QuUIpdXBEIg?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/QuUIpdXBEIg?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object><br /></br><br /></br></p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/H0rwXdc7JGc?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/H0rwXdc7JGc?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object><br /></br><br /></br></p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/0lSvrZsxz5A?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/0lSvrZsxz5A?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object><br /></br><br /></br></p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/0Mkjf3ylZL4?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/0Mkjf3ylZL4?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object></p>
<p></br><br /></br>Resümee? Hm, vielleicht: Stalin ist tot, die <em>Moskauer Prozesse</em> aber scheinen wieder auferstanden.<br /></br><br /></br></p>
<p>Mit tönendem Gruß<br /></br><br /></br></p>
<p>Ihr Moritatensaenger<br /></br><br /></br></p>
<p>[1] <a href="http://www.wdr.de/unternehmen/senderprofil/pdf/gremien/rundfunkrat/resolution/Funktionsauftrag_Papier_2001.pdf">http://www.wdr.de/unternehmen/senderprofil/pdf/gremien/rundfunkrat/resolution/Funktionsauftrag_Papier_2001.pdf</a><br />
&#8230;dort Seite 4, Punkt 6: &#8220;Programmauftrag ist Qualitätsauftrag&#8221;<br /></br><br /></br></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Da hat der Sarrazin wohl zu viel Süddeutsche gelesen.</title>
		<link>http://www.suedwatch.de/blog/?p=4097</link>
		<comments>http://www.suedwatch.de/blog/?p=4097#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 12:14:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritatensaenger</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>

		<category><![CDATA[Halbwahrheiten]]></category>

		<category><![CDATA[Israel/Nahost]]></category>

		<category><![CDATA[Meinungsvorgabe]]></category>

		<category><![CDATA[SZ-Kritik Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Macher der Süddeutschen, als eherne Verteidiger der Juden und des Judentums weltbekannt, verschärfen die Empörung über Thilo Sarrazin und seinen Satz von den Juden und deren gemeinsamem Gen. Das klingt dann so:
&#8220;Nach seinen Äußerungen zu muslimischen Zuwanderern und dem Erbgut von Juden werden die Rufe nach einer Ablösung von Thilo Sarrazin als Bundesbankvorstand lauter. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Macher der <em>Süddeutschen</em>, als eherne Verteidiger der Juden und des Judentums weltbekannt, verschärfen die Empörung über <em>Thilo Sarrazin</em> und seinen Satz von den Juden und deren gemeinsamem Gen. Das klingt dann so:<br /></br><br /></br></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Nach seinen Äußerungen zu muslimischen Zuwanderern und dem Erbgut von Juden werden die Rufe nach einer Ablösung von Thilo Sarrazin als Bundesbankvorstand lauter. [...] Ungeachtet der heftigen Kritik an seinen Äußerungen hat Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin am Samstag nachgelegt. Der Welt am Sonntag  sagte er, muslimische Migranten integrierten sich überall in Europa schlechter als andere Einwanderer- gruppen. Zudem sprach er davon, dass alle Juden ein bestimmtes Gen teilten. [...] Nach seinen jüngsten Aussagen über Muslime und Juden greift die Bundesregierung Sarrazin scharf an. Der Zentralrat der Juden ist entsetzt: Der Bundesbanker stütze sich mit seinen Behauptungen auf Rassentheorien der Nationalsozialisten. [...] In der Welt am Sonntag hatte er nicht nur erneut muslimische Einwanderer kritisiert. Für Empörung sorgte vor allem seine Äußerung: &#8216;Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen.&#8217; [...] Andrea Nahles kündigte an, dass sich das Präsidium mit dem Thema auseinandersetzen werde. &#8216;Seine Auffassungen sind weit abgedriftet von den Werten der Sozialdemokratie und dem Konsens unserer Demokratie&#8217;, sagte die SPD-Politikerin und stellte klar: &#8216;Sarrazins genetische Definition der Juden ist absolut inakzeptabel, unabhängig davon, welche Attribute er ihnen zuschreibt.&#8217; [...] Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, hielt Sarrazin in &#8230; Rassenwahn vor. [...] Besonders seine Behauptung, alle Juden teilten ein bestimmtes Gen, stieß auf breite Ablehnung und Kritik - die Sarrazin eigenen Angaben zufolge jedoch nicht nachvollziehen kann.&#8221; [1]</span></p>
<p></br><br /></br></p>
<p>Dabei kommt es den eigentlich der Wahrhaftigkeit verpflichteten Journalisten in München natürlich nicht in den Sinn, jenen Teil des <em>Die Welt</em>- Interviews umfangreicher zu zitieren, aus dem <em>Sarrazins</em> fatale Äußerung herausseziert wurde. Das holt <strong>suedwatch.de</strong> deshalb gerne nach:<br /></br><br /></br></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em><strong>&#8220;Sarrazin: </strong>Die Identität eines Volkes oder einer Gesellschaft ist  ja nichts Statisches, dennoch gibt es sie. Es gibt eine französische,  deutsche, holländische Identität. Wenn es richtig läuft, wachsen  Zuwanderer in solche Identitäten hinein, sie lösen sich aber irgendwann  in dieser Identität auf, das Bild vom Melting Pot ist ja nicht falsch.  Völker ändern im Laufe der Zeit ihr Gesicht, aber sie tun dies aus der  kontinuierlichen Fortentwicklung ihrer Identität heraus. Es gibt über  mehr als 1000 Jahre ein kulturelles Kontinuum der Entwicklung aus dem  westfränkischen Reich in das heutige Frankreich und aus dem  ostfränkischen Reich in das heutige Deutschland. Die kulturelle Eigenart  der Völker ist keine Legende, sondern bestimmt die Wirklichkeit  Europas.</em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em><strong>WELT ONLINE: </strong>Gibt es auch eine genetische Identität?</em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em><strong>Sarrazin: </strong><span style="text-decoration: underline;">Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen</span>, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.</em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em><strong>WELT ONLINE: </strong>Wir haben also andere Gene als die Menschen hier im türkischen Café?</em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em><strong>Sarrazin: </strong>Sie bringen mich nicht aus der Ruhe. Ich sage meine  Dinge. Bis vor wenigen Jahrzehnten spielte Einwanderung für den Genpool  der europäischen Bevölkerung nur eine geringe Rolle und vollzog sich  überdies sehr langsam. Drei Viertel der Ahnen der heutigen Iren und  Briten waren bereits vor 7500 Jahren auf den Britischen Inseln. Es ist  nämlich falsch, dass es Einwanderungsbewegungen des Ausmaßes, wie wir  sie heute haben, schon immer in Europa gegeben hätte. Seit der  Völkerwanderung gab es solche Verschiebungen nicht mehr. In meinem Buch  rede ich zudem nicht von Türken oder Arabern, sondern von muslimischen  Migranten. Diese integrieren sich überall in Europa deutlich schlechter  als andere Gruppen von Migranten. Die Ursachen dafür sind nicht  ethnisch, sondern liegen offenbar in der Kultur des Islam. Dies wird  besonders deutlich, wenn man die Integrationserfolge von Pakistani und  Indern in Großbritannien vergleicht.&#8221; </em>[2] (Unterstreichung: Moritatensaenger)</p>
<p></br><br /></br></p>
<p>Aber die Jungs und Mädels bei der <em>SZ</em> &#8220;vergaßen&#8221; nicht nur den Zusammenhang darzustellen, in dem der Satz fiel, es scheint ihnen auch entfallen zu sein, dass sie selbst vor nicht einmal drei Monaten einen Artikel mit folgender Headline veröffentlichten:<br /></br><br /></br></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4099" title="abstammung-juden1" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/abstammung-juden1.jpg" alt="abstammung-juden1" width="500" height="301" />[3]<br /></br><br /></br></p>
<p>Hintergrund des Artikels: Unter Federführung des Direktors <em>Human Genetics Program</em> des zur <em>New York University</em> gehörenden <em>Langone Medical Center</em> [4], Professor Dr. <em>Harry Ostrer</em> [5], hat ein Forscherteam [6] die genetische Verwandtschaft der Juden bestätigt. Zitat <em>Süddeutsche.de</em>:<br /></br><br /></br></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Die Genanalyse ergab, dass <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Ashkenazi_Jews">Aschkenasen</a>, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sephardi_Jews">Sepharden</a> und <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mizrahi_Jews">Mizrachim</a> tatsächlich so viele gemeinsame genetische Merkmale aufweisen, dass man sie als eigenständige Gruppe von der übrigen Weltbevölkerung unterscheiden kann.&#8221; <em>(Verlinkungen: Moritatensaenger)</em></span></p>
<p></br><br /></br></p>
<p>Und dazu jetzt nochmal der &#8220;eine Grenze überschreitende&#8221; Satz von <em>Sarrazin</em>:<br /></br><br /></br></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen&#8221;</em></p>
<p></br><br /></br></p>
<p>Grauenvoll, diese Grenzüberschreitung, finden Sie nicht? Im Ernst: Richtig grauenvoll ist, dass im Unterschied zu den meisten Medien, die wertfrei und neutral über das im angesehenen <em>American Journal of Human Genetics</em> [7] und im Wissenschaftsjournal <em>Nature</em> [8] veröffentlichte Forschungsergebnis berichteten (z.B. der <em>Tagesspiegel</em> [9] oder die <em>New York Times</em> [10]) , der Artikel in der <em>Süddeutschen</em> dem Forschungsergebnis mehr unterstellt, denn bloßen Erkenntnisgewinn über Geschichte, Abstammung und genetische Zusammen- hänge:<br /></br><br /></br></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Nirgendwo kann Wissenschaft so politisch und patriotisch sein wie in Israel. Jeder Spatenstich der Archäologen wird dort auch danach beäugt, ob er den Gründungsmythos des Landes bestätigt. [...] Die neuen Erkenntnisse sind nicht nur von historischem Interesse, sondern dienen auch als handfestes politisches Argument. Denn unter anderem aus der Idee der gemeinsamen Abstammung leiten die Nachfahren der vertriebenen Juden das Recht ab, den Staat Israel auf dem Gebiet des ehemaligen Heiligen Landes zu gründen.&#8221;</span></p>
<p></br><br /></br></p>
<p>Da haben wir es: Die Forschung als Vehikel zur Durchsetzung kalter politischer Machtinteressen.  Aber so ist er halt, der Jud, &#8230;<br /></br><br /></br></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4102" title="derewigejud" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/derewigejud.jpg" alt="derewigejud" width="396" height="550" /><br /></br><br /></br></p>
<p>&#8230;. verschlagen, falsch und immer auf den eigenen Vorteil bedacht. Selbst in der Wissenschaft. Naja, zumindest in dem Bild, das die <em>Süddeutsche</em> von den Juden entwirft, weshalb -damit verglichen- die zwar etwas naiv [11] aber belegbar ohne negative Konnotation hingeworfene Bemerkung von <em>Thilo Sarrazin</em> direkt eine Wohltat ist. Der zum Abschuss freigegebene Bundesbankökonom scheint wohl doch eher den <em>Tagesspiegel</em> als die <em>Süddeutsche</em> gelesen und verinnerlicht zu haben.<br /></br><br /></br></p>
<p><span style="color: #ff0000;">Ergänzung: Selbstverständlich versucht der Moritatensaenger -und wird es weiter versuchen- Thilo Sarrazins umstrittenes Buch zu erlangen, um sich selbst ein Bild über die angeblich kruden Thesen des Sozialdemokraten zu machen. Bedauerlicherweise nur muss auch ich mich im Buchladen momentan noch mit der Auskunft begnügen: &#8220;Leider vergriffen, wir rufen Sie aber an wenn wir die nächste Auflage im Haus haben.&#8221;</span><br /></br><br /></br></p>
<p>Mit tönendem Gruß<br /></br><br /></br></p>
<p>Ihr Moritatensaenger<br /></br><br /></br></p>
<p>[1] <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/thilo-sarrazin-alle-sind-empoert-ausser-roland-koch-1.993352">http://www.sueddeutsche.de/politik/thilo-sarrazin-alle-sind-empoert-ausser-roland-koch-1.993352</a></p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bundesregierung-verurteilt-sarrazins-thesen-jede-provokation-hat-ihre-grenzen-1.993476">http://www.sueddeutsche.de/politik/bundesregierung-verurteilt-sarrazins-thesen-jede-provokation-hat-ihre-grenzen-1.993476</a></p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/wegen-umstrittener-thesen-spd-will-sarrazin-loswerden-1.993796">http://www.sueddeutsche.de/politik/wegen-umstrittener-thesen-spd-will-sarrazin-loswerden-1.993796</a></p>
<p>[2] <a href="http://www.welt.de/regionales/berlin/article9258118/Thilo-Sarrazin-Ich-bin-kein-Rassist.html">http://www.welt.de/regionales/berlin/article9258118/Thilo-Sarrazin-Ich-bin-kein-Rassist.html</a></p>
<p>[3] <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/genforschung-ahnen-aus-judaea-1.953790">http://www.sueddeutsche.de/wissen/genforschung-ahnen-aus-judaea-1.953790</a></p>
<p>[4] <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/NYU_Langone_Medical_Center">http://en.wikipedia.org/wiki/NYU_Langone_Medical_Center</a></p>
<p>[5] <a href="http://www.med.nyu.edu/contacts/ostreh01.html">http://www.med.nyu.edu/contacts/ostreh01.html</a></p>
<p>[6] -Gil Atzmon, Albert Einstein College of Medicine, Bronx, NY;</p>
<p><a href="http://www.einstein.yu.edu/home/faculty/profile.asp?id=8649">http://www.einstein.yu.edu/home/faculty/profile.asp?id=8649</a></p>
<p>-Li Hao, New York University School of Medicine, New York, NY;</p>
<p>-Itsik Pe&#8217;er, Columbia University, New York, NY;</p>
<p>-Christopher Velez, New York University School of Medicine, New York, NY;</p>
<p>-Alexander Pearlman, New York University School of Medicine, New York, NY;</p>
<p>-Pier Francesco Palamara, Columbia University, New York, NY;</p>
<p>-Bernice Morrow, Albert Einstein College of Medicine, Bronx, NY;</p>
<p>-Eitan Friedman, Tel-Aviv University, Tel-Aviv, Israel;</p>
<p>-Carole Oddoux, New York University School of Medicine, New York, NY;</p>
<p>-Edward Burns, Albert Einstein College of Medicine, Bronx, NY;</p>
<p>[7] <a href="http://www.cell.com/AJHG/archive/issue?pii=S0002-9297%2810%29X0006-4">http://www.cell.com/AJHG/archive/issue?pii=S0002-9297%2810%29X0006-4</a></p>
<p>[8] <a href="http://www.nature.com/nature/journal/v466/n7303/full/nature09103.html">http://www.nature.com/nature/journal/v466/n7303/full/nature09103.html</a></p>
<p>[9] <a href="http://www.tagesspiegel.de/wissen/abrahams-kinder/1860976.html">http://www.tagesspiegel.de/wissen/abrahams-kinder/1860976.html</a></p>
<p>[10] <a href="http://www.nytimes.com/2010/06/10/science/10jews.html?_r=1&amp;scp=2&amp;sq=Dr.%20Harry%20Ostrer&amp;st=cse">http://www.nytimes.com/2010/06/10/science/10jews.html?_r=1&amp;scp=2&amp;sq=Dr.%20Harry%20Ostrer&amp;st=cse</a></p>
<p>[11] Natürlich trägt nicht &#8220;jeder&#8221; Jude ein identifizierbar jüdisches Genmaterial, weshalb sich wohl auch Stephan Kramer, Generalsekretär des <em>Zentralrates der Juden in Deutschland</em>, so über Sarrazin aufgeregt hat: Der Funktionär, ein Konvertit, ist erst vor wenigen Jahren zum jüdischen Glauben übergetreten -weshalb ihm wohl entsprechende Gene fehlen- und dürfte sich also durch die von Sarrazin wiedergegebene wissenschaftliche Erkenntnis etwas ausgeschlossen gefühlt haben.<br /></br><br /></br></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein Lamborghini als Lockerungsübung</title>
		<link>http://www.suedwatch.de/blog/?p=4033</link>
		<comments>http://www.suedwatch.de/blog/?p=4033#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 11:53:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritatensaenger</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Automobil]]></category>

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		<description><![CDATA[Lockerungsübung, weil wir uns nach den vielen ernsten Artikeln wieder einmal dem schönen Thema (klassische) Automobile zuwenden:
[1]
Das Fahren in einem Lamborghini Miura selbst ist allerdings wahrlich keine Lockerungsübung, wie der Moritatensaenger vor Jahren einmal selbst erleben durfte. Es gibt wohl kaum einen Sportwagen aus dieser Zeit, also den End- sechzigern, der - scharf bewegt - [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lockerungsübung, weil wir uns nach den vielen ernsten Artikeln <a href="http://www.suedwatch.de/blog/?cat=12">wieder einmal</a> dem schönen Thema (klassische) Automobile zuwenden:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4034" title="artikel-miura" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/artikel-miura.jpg" alt="artikel-miura" width="500" height="478" />[1]</p>
<p>Das Fahren in einem <em>Lamborghini Miura</em> selbst ist allerdings wahrlich keine Lockerungsübung, wie der Moritatensaenger vor Jahren einmal selbst erleben durfte. Es gibt wohl kaum einen Sportwagen aus dieser Zeit, also den End- sechzigern, der - scharf bewegt - derartige Schweißausbrüche verursacht. Das liegt vor allem am Layout des Wagens, das mit einem - quer (!!) eingebauten - V12 Mittelmotor eine Revolution im Bau von Straßensportwagen einläutete (auf der Rennstrecke hetzten schon die Mittelmotor-Rennwagen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Ford_GT40"><em>Ford GT 40</em></a> und die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Ferrari_P">Ferrari <em>P-Typen</em></a> von Sieg zu Sieg). Die wesentlichen italienischen Konkurrenten aus der Zeit, also der <em>Ferrari 365 GTB/4 (Daytona)</em>&#8230;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4036" title="daytona" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/daytona.jpg" alt="daytona" width="500" height="388" /></p>
<p>&#8230;die <em>Maserati Ghibli</em> und <em>Indy</em> (von oben nach unten)&#8230;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4037" title="ghibli" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/ghibli.jpg" alt="ghibli" width="500" height="260" /></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4038" title="indy" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/indy.jpg" alt="indy" width="500" height="335" /></p>
<p>&#8230;und die mächtigen <em>Iso Grifo</em> mit 7 und 7,4 Liter GM 8-Zylindern&#8230;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4039" title="grifo" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/grifo.jpg" alt="grifo" width="500" height="247" /></p>
<p>&#8230;waren alle noch als Frontmotor-Sportwagen konzipiert. Während die sich auf kurvenreichen Straßen sozusagen &#8220;analog&#8221; in die Windungen der Fahrbahn werfen ließen, je nach Geschwindigkeit mehr oder weniger stark dem Grenz- bereich zuwandernd, kam man im Miura in den - zweifelhaften - Genuß nahezu &#8220;digitalen&#8221; Kurvenverhaltens: wahnwitziges Tempo und extreme Kurvenge- schwindigkeit&#8230;oder ansatzloser Abflug. Grenzbereich: Keiner. Und einem wortgerechten Abflug mehr als nahe kam auch, wer die Höchstgeschwindigkeit von irgendwo zwischen 290 und 300 km/h (<em>Miura SV</em>) versuchte auszuloten. Ab spätestens 230/240 km/h begann die Front des Wagens unangenehm leicht zu werden und ab 260 km/h hob er bei manchen Bodenwellen in der Fahrbahn (oder bei ungünstigen Windverhältnissen) bereits leicht ab.</p>
<p>Wie auch immer, der<strong><em> </em></strong><em>Lamborghini Miura</em> war des Moritatensaengers Tag- und Nachttraum, seit er ihn als Steppke in dem Krimi <em>&#8220;The Italian Job&#8221; </em>(deutscher Kopfschüttel-Titel: <em>&#8220;Charlie staubt Millionen ab&#8221;</em>!!) zu ersten Mal außerhalb seines Autoquartetts sah: Ein oranger <em>Miura</em> mit <em>Rossano Brazzi</em> [2] am Steuer röhrt in den italienischen Alpen eine Passstraße hinauf<em>. Brazzi</em>, die Kippe lässig zwischen den Lippen hängend, mimt den Gangster; über dem Ganzen wispelt der unvergessene <em>Matt Monro</em> [3] sein <em>&#8220;On Days Like These&#8221;</em> (ebenso wie der Rest der genialen Filmmusik vom damals noch wenig bekannten [4] <em>Quincy Jones</em> komponiert und geschrieben)&#8230;</p>
<p><object width="480" height="385" data="http://www.youtube.com/v/2lqtNThufkk?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/2lqtNThufkk?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></p>
<p>Solche Filme konditionieren für&#8217;s Leben. Um so schmerzhafter, wenn sich Dilettanten an dem automobilen Kunstwerk vergreifen. Und wenn die Tages- zeitung des Vertrauens (resp. deren Web-Portal) einen Second-Hand-Artikel auf dem Grabbeltisch zu Sonderkonditionen ersteht. Besagter Artikel auf <em>SZ</em>-Online erschien nämlich mehr oder weniger abgewandelt aber ebenso fehlerstrotzend bereits im Juli auf der Seite von <em>Auto Motor und Sport</em> (für diese Adresse: noch peinlicher; soll aber nicht unsere Baustelle sein) [5]. Autor jedenfalls dort: <em>Stefan Grundhoff</em>, Autorenangabe bei <em>Sueddeutsche.de</em>: Pressebüro <em>Pressinform</em>. Dessen Inhaber: <em>Stefan Grundhoff</em> [6]. Ach ja, und er erschien außerdem noch bei <a href="http://www.stern.de/auto/fahrberichte/lamborghini-miura-heimspiel-1594610.html">Stern</a>, bei <a href="http://www.focus.de/auto/fahrberichte/tid-19170/lamborghini-miura-einer-wie-keiner_aid_531004.html">Focus</a>, bei <a href="http://www.news.de/auto/855069830/wie-ein-wilder-stier/1/">news.de</a>, bei <a href="http://www.motorvision.de/artikel/heimspiel-fuer-den-miura,3836.html">Motorvision</a> und und und!</p>
<p>Aber lassen sie uns die journalistische Qualitätsware der <em>Süddeutschen</em> etwas genauer betrachten. <em>Valentino Balboni</em>, tatsächlich ehemaliger Testfahrer bei <em>Lamborghini</em>, soll sich laut dem Text angeblich erinnern, dass das Auto im Winter 1967 nach St.Moritz an den Schah von Persien, ausgeliefert wurde:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;&#8216;Es war im Winter 1967. Der Schah war hier in Sankt Moritz im Urlaub. Ein Anruf - er wollte seinen neuen Miura unbedingt hier fahren&#8217;, erinnert sich Valentino Balboni, ehemaliger Cheftestfahrer von Lamborghini.&#8221;</span></p>
<p>Nun steht dem aber einiges entgegen: Beispielsweise sollte sich <em>Balboni</em>, der 2008 seine 40jährige Betriebszugehörigkeit feierte, kaum an eine Fahrzeug- auslieferung erinnern, die 5 Monate vor dem Termin stattfand, an dem er überhaupt bei <em>Lamborghini</em> anfing zu arbeiten. Erst am 21.April 1968 nämlich trat er dort seine Lehre an.</p>
<p>Trotzdem ist es möglich, dass sich <em>Balboni</em> an die Auslieferung des Miura erinnert, denn die fand nicht wie von <em>Grundhoff</em> kolportiert 1967, sondern vier Jahre später, im Winter 1971 statt. Der spätere Auslieferungstermin wird bei näherer Betrachtung des Fahrzeugs klar. Es handelt sich hier nämlich mitnichten um einen &#8220;serienmäßigen&#8221; Miura, wie <em>Balboni</em> (unwahrscheinlicherweise) laut <em>Stefan Grundhoff</em> behauptet haben soll:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Schah Mohammad Reza Pahlavi hatte bei Firmenchef Ferruccio Lamborghini persönlich eine Einzelanfertigung des neuen Miura bestellt. Außen tief dunkelrot und innen mit weißem Leder ausgeschlagen. &#8216;Sonst</span> <span style="color: #888888;">ist der Wagen serienmäßig&#8217;, erklärt Balboni mit einem Lächeln, &#8216;es gab sonst keine Extras bei dem Wagen - nur die Klimaanlage.&#8217;&#8221;</span></p>
<p>Richtig ist vielmehr, dass der im Artikel beschriebene burgunderrote<em> Miura </em>mit Chassis #<em>4934</em> das Werk als erster Wagen der Handvoll bekannter Werks- sonderanfertigungen vom Typ <em>Miura <span style="text-decoration: underline;">SVJ</span></em> verließ (Ferruccio Lamborghini persönlich ließ dazu eine bereits für einen anderen Kunden bei Bertone in der Fertigung befindliche - blaue - Karosserie vom Band holen und für den König aufbauen). Wie das? Nun, sein Hoheit <em>Mohammad Reza Schah Pahlavi</em> besaß bereits einen <em>Miura SV</em>, und zwar diesen nachtblauen Wagen mit Chassis #<em>4870</em>&#8230;.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4041" title="miura-4870" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/miura-4870.jpg" alt="miura-4870" width="500" height="333" /></p>
<p>&#8230;, der ihm erst kurz zuvor, im Juli 1971, ausgeliefert worden war. Bereits dieser Wagen war für seinen adeligen Käufer mit zahlreichen, von der &#8220;Serien&#8221;produk- tion abweichenden, leistungssteigernden Details versehen worden, so dass sich z.B. das Drehmoment des Motors von den normalen 40,7 mkg bei 5750 Rpm (399 Nm) auf 47,6 mkg bei 5750 Rpm (entspricht 467 Nm) erhöhte. Erreicht wurde dies mit Teilen, die der (Ersatz-)Teilekiste des <em>Lamborghini Jota</em> entnommen wurden. Womit wir bei dem nächsten Stichwort angelangt wären, das uns zu der Erkenntnis führt, dass der Miura aus dem SZ-(undundund)- Artikel entgegen der dortigen Behauptungen weder 1967 ausgeliefert worden sein konnte, noch dass er bei Auslieferung &#8220;serienmäßig&#8221; war.</p>
<p>Im Laufe des Jahres 1970 nämlich war in <em>Sant&#8217;Agata Bolognese</em>, der Heimat der Lamborghini, unter den Händen von Testfahrer und Ingenieur <em>Bob Wallace</em> ein Über-<em>Miura</em> entstanden, der Lamborghini <em>P400 Jota:</em></p>
<p><em><img class="aligncenter size-full wp-image-4046" title="jota" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/jota.jpg" alt="jota" width="500" height="286" /><img class="aligncenter size-full wp-image-4048" title="jota-chassis" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/jota-chassis.jpg" alt="jota-chassis" width="500" height="385" /></em></p>
<p style="padding-left: 30px;">
<p>Ferruccio Lamborghini hatte zwar nie vor, sich mit seinen Wagen im Rennsport zu engagieren, aber er ließ Bob Wallace trotzdem freie Hand in der Entwicklung und Fertigung eines rennsporttauglichen Prototypen, eben des <em>Jota</em>. Mit den &#8220;normalen&#8221; <em>Miura</em> hatte der <em>Jota</em> nicht mehr viel gemein, seine Technik war kompromisslos auf die Rennstrecke ausgerichtet (so wanderte der Tank z.B. von der Fahrzeugfront in die Seitenschweller) und beim Gewicht wurde der Wagen durch extremen Leichtbau und die Verwendung von Duraluminium um gut 300 Kilogramm auf 880 Kilo abgespeckt.  <em>&#8220;Only the Good Die Young&#8221;</em> sang <em>Billy Joel</em> in den 70ern und 20 Jahre vorher hatte schon<em> James Dean</em> seinen Ruhm mit einem frühen Abgang zementiert, mittendrin aber begründete der<em> P400 Jota</em> seinen eigenen Mythos, indem er nach einer verhältnismäßig kurzen -wenngleich intensiven - Karriere als Erprobungsträger einen fatalen Tod starb. Lamborghini hatte den Wagen mit 20.000 Testkilometern auf der Uhr zunächst an den Rennfahrer und Lamborghini-Händler (<em>Lambocar</em>) Marchese <em> Gerino Gerini</em> verkauft, der ihn für den Mailänder Playboy und Schuhfabrikanten <em>Walter Ronchi</em> erwarb und an diesen weiter veräußerte. Es ist nicht gesichert bekannt, ob <em>Ronchi</em> den Wagen überhaupt jemals bewegt hat,  jedenfalls bemühte sich nicht lange nach diesem Deal der Industrielle und Inhaber des nahmhaften Rennstalls <em>Scuderia Brescia Corse</em>, <em>Dr. Alfredo Belponer,</em> um das faszinierende Fahrzeug und beauftragte den Maserati, Ferrari, Rolls-Royce und eben Lamborghini Concessionario <em>Italauto</em> in Brescia mit dem Ankauf des Wagens. Der Inhaber des Unternehmens schließlich, der mäßig erfolgreiche Hobbyrennfahrer <em>Enrico Pasolini</em>, verschrottete das gute Stück auf einer &#8220;Probefahrt&#8221; (noch vor der Auslieferung an <em>Belponer</em>) so gründlich&#8230;</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;We hit a manhole cover, decelerating at 220/230km/h. The car flew up and rolled several times. The car following us saw the Jota in the air. Wallace had warned me about lack of adhesion!&#8221;</em> (siehe Moritatensaengers anfängliche Beschreibung zum Fahrverhalten des serienmäßigen <em>Miura</em>)</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;We spent a few weeks in hospital and the wreck went back to Lamborghini who took the engine out and gave us a credit. [...] After that we sold Dr Belponer a new Miura SV, orange from memory.&#8221; </em>(Zitate Miura-Register)<em><br />
</em></p>
<p>&#8230;, dass von dem Wagen zwar der Motor bei Lamborghini ausgebaut aber dann wegen irreparabler Schäden doch komplett eingestampft wurde. Nichts blieb von #<em>5084 </em>über, außer der Begehrlichkeiten weckende Mythos eines einzig- artigen Raubtiers auf Rädern.</p>
<p>Und das führt uns zurück (der Moritatensaenger könnte stundenlang abschweifen, bei diesem Thema ;-)) zu des Shahs burgunderrotem Schmuck- stück. Und zu <em>Stefan Grundhoff</em> und der <em>Süddeutschen</em>: Ganz ehrlich, man muss nicht jedes hier beschriebene Detail parat haben, als Laie sowieso nicht und wohl auch nicht als &#8220;Fach&#8221;journalist. Aber wenn man so viel über Autos schreibt wie <em>Grundhoff</em> (seit 2002 ist er allein in der Suchfunktion von Süddeutsche.de mit 59 Trefferseiten zum Thema Auto zu finden [7]), dann sollte man zumindest rudimentäre Kenntnisse mitbringen. Wer die nämlich als Autojournalist hätte, dem wäre schon beim ersten Blick auf die &#8220;Nase&#8221; des Schah-<em>Miura</em> aufgefallen, dass es sich hier um keinen serienmäßigen Lamborghini <em>Miura</em> (und auch keinen serienmäßigen <em>Miura SV</em>) handeln kann, dessen Gesicht u.a. von einklappbaren Scheinwerfen geprägt wird&#8230;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4052" title="normal-lights" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/normal-lights.jpg" alt="normal-lights" width="500" height="333" /></p>
<p>&#8230;, im Gegensatz zu den fix montierten und mit Plexiglas abgedeckten Leuchteinheiten über die der Schah <em>Miura</em>&#8230;und jetzt kommt die korrekte Bezeichnung&#8230;<em>P400 <strong>SVJ</strong></em> verfügt:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4051" title="svj-lights" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/svj-lights.jpg" alt="svj-lights" width="500" height="395" /></p>
<p>Und das &#8220;J&#8221; in der Typenbezeichnung steht für das Vorbild, an das dieses Modell angelehnt wurden: den <strong>&#8220;J&#8221;ota, </strong>den Sie, lieber Leser hier gerade kennen gelernt haben. Weil das Vorbild aber immer - wie der Name schon sagt - <span style="text-decoration: underline;">vor</span> dem Abbild existiert haben muss, der <em>Jota</em> aber erst 1970 entstand, kann die burgunderrote #<em>4934</em> (mit Motor-Nr. <em>30685</em>), also der von <em>Grundhoff</em> vorgestellte <em>Miura</em>, garnicht 1967 ausgeliefert worden sein. Über solche, für einen Journalisten bösen Patzer helfen auch so erfundene wie dümmliche Promi-Legendchen nicht hinweg&#8230;</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Den zweiten [Scheiben]Wischer ließ der Schah abmontieren. Schließlich brauchte er am Steuer des norditalienischen Stieres nur selbst den Durchblick zu behalten.&#8221;</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><span style="color: #000000;"></p>
<p>&#8230; Denn selbstverständlich besaß <em>#4934</em> als Sonderanfertigung nach <em>Jota</em>-Spezi- fikationen nie einen zweiten Scheibenwischer, noch war jemals solch einer vorgesehen. Dafür war der Wagen, wie der <em>Jota</em>, mit einem im Rennsport häufig verwendeten <em>Single Wiper</em> mit Parallelogrammführung ausgestattet. Und das hätte der Schreiberling mit einem Blick auf seine eigenen Bilder selbst feststellen können:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4054" title="wischer1" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/wischer1.jpg" alt="wischer1" width="500" height="410" /></p>
<p>Vom Scheibenwischer über den Renntankverschluß (oben im Bild in der Fronthaube erkennbar), die vollkommen offene Rennauspuffanlage, einem speziellen Sportfahrwerk bis hin zur aufwändigen Trockensumpf-Schmierung des Motors waren in den <em>Lamborghini Miura SVJ</em>, den sich der persische König also im Dezember 1971 nach St.Moritz liefern ließ, so viele Änderungen zur Serie verbaut, dass für den Wagen schließlich über 50%  des ohnehin nicht eben billigen Normalpreises als Aufschlag berechnet wurden. Was damals schlicht mehr als 105.000 DM gegenüber 70.000 DM bedeutete (Grundpreis des Miura SV, der sich damals auf etwa dem Niveau der Anschaffungskosten eines <em>Mercedes 600 Pullman</em> befand!!), oder in zeitgenössische automobile Hardware umgerechnet, den Gegenwert eines nagelneuen, satt ausgestatteten <em>Mercedes 280 SE 3,5 Cabriolet</em>&#8230;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4056" title="280-se-35-cabriolet" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/280-se-35-cabriolet.jpg" alt="280-se-35-cabriolet" width="500" height="229" /></p>
<p>Als Aufpreis, damit wir uns verstanden haben. Angesichts dessen wirkt es ein wenig peinlich, wenn Stefan Grundhoff den ehemaligen Testfahrer behaupten lässt&#8230;</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Außen tief dunkelrot und innen mit weißem Leder ausgeschlagen. &#8216;Sonst ist der Wagen serienmäßig&#8217;, erklärt Balboni mit einem Lächeln, &#8216;es gab sonst keine Extras bei dem Wagen - nur die Klimaanlage.&#8217;&#8221;</span></p>
<p>&#8230;zumal ausgerechnet die Klimaanlage das Zubehör war, auf das der Schah bei seinem <em>Jota</em>-Derivat aus Gewichtsgründen (siehe Vorbild) verzichtete. Erkennen kann man eine werksseitig verbaute Klimaanlage in einem <em>Miura</em> übrigens an den drei Ausströmungsdüsen&#8230;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4057" title="innenraum-4870" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/innenraum-4870.jpg" alt="innenraum-4870" width="500" height="333" /></p>
<p>&#8230;, wie sie in einer Aufnahme des ganz oben bereits gezeigten Schah <em>Miura SV</em> <em>#4870</em> zu erkennen sind. Es gibt glaubhafte Berichte, denen zu Folge bei heißem Motor nach scharfen Fahrten und bei hohen Außentemperaturen schon durchgeröstete Miura Beifahrer mit allerdings tiefgefrorenen Köpfen aus dem Wagen gezogen wurden. Nun, die Effizienz der Kaltluftverteilung in italienischen Straßensportwagen soll hier nicht Thema sein, dafür aber zum Abschluß die Motorleistung der <em>Miura</em>: <em>Grundhoff </em>schreibt in seinem Artikel&#8230;</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Die normalen Vier-Liter-Triebwerke der Miura-Modelle leisteten rund 350 PS. Valentino Balboni: &#8216;Dieser Miura sollte so rund 380 PS haben. Allemal genug.&#8217;&#8221;</span></p>
<p><span style="color: #888888;"><span style="color: #000000;">Auch das ist nur bedingt richtig. Zwar unterlagen die Leistungsdaten jedes einzelnen gefertigten <em>Miura</em> in der Realität leichten produktionsbedingten Schwankungen gegenüber den Sollwerten, aber hier entsteht trotzdem ein falscher Eindruck. Erstens waren die <em>Modelle Miura, Miura S</em> und <em>Miura SV</em> keine zu selben Zeit lieferbaren unterschiedlichen Leistungsausführungen, sondern nacheinander produzierte, weiterentwickelte Modelle. Wenn <em>Grundhoff</em> also von einem &#8220;normalen&#8221; Miura schreibt, dann dürfte er nicht den Wagen der ersten Baureihe ins Feld führen, ausschließlich <em>Miura</em> genannt, der hatte nämlich tatsächlich 350 PS, sondern er müsste den zum Zeitpunkt der Auslieferung von <em>#4934 </em>als<em> </em>&#8220;normaler&#8221; <em>Miura</em> geltenden Typ aufführen, den<em> Miura SV</em> nämlich. Und der war von Hause aus mit 385 PS angegeben&#8230;</span></span></p>
<p><span style="color: #888888;"><span style="color: #000000;"><img class="aligncenter size-full wp-image-4059" title="technische-daten" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/technische-daten.jpg" alt="technische-daten" width="500" height="243" /></span></span></p>
<p>Der rubinrote <em>Miura SVJ</em> aus der SZ aber dürfte allein schon durch die offene Abgasanlage auf deutlich mehr PS gekommen sein, von der Leistungssteigerung durch die Verwendung besonderer Motorbauteile noch garnicht zu reden. Es dürfte sich der Schah bei seinem neuesten Spielzeug, einem &#8220;Straßenrennwagen&#8221;, nicht mit wesentlich weniger Leistung zufrieden gegeben haben, als sie ihm der ein halbes Jahr vorher ausgelieferte &#8220;komfortorientiertere&#8221; nachtblaue <em>#4870</em> zur Verfügung stellte. Und der ist verlässlich überliefert mit 450 PS. Der <em>Miura P400 SVJ</em> dürfte demnach über mindestens 420 PS und nicht über derer nur dreihundertachtzig verfügen.</p>
<p>Ob <em>Valentino Balboni</em> das nun alles falsch erzählte und <em>Stefan Grundhoff</em> nur zu bequem war, die Angaben pflichtbewusst zu verifizieren, oder ob der Artikel in weiten Teilen ein aus den Fingern gesogenes Phantasieprodukt ist, das kann hier nicht abschließend geklärt werden. Tatsache aber ist, dass <em>Süddeutsche.de</em> und <em>Süddeutsche</em> in nahezu jedem Bereich, ob bei brisanter Nahostberichter- stattung oder bei unterhaltsamen Sachthemen, immer mehr auf niveaulosen Boulevard statt auf Qualität setzen. Und ob sich das für den Verlag wirtschaftlich bezahlt macht, das darf bezweifelt werden. Der Leser, der nach verlässlicher, seriöser Information sucht, das steht unzweifelhaft fest, zieht schon heute den Kürzeren.</p>
<p>Am Ende nun für die Autoinfizierten, die sich bis hierher durch die vielen Details gekämpft haben, eine kleine Belohnung in Form eines Clips der genialen Jungs von <em>TopGear</em>. 6 Minuten 44 Sekunden <em>Lamborghini Miura</em>:</p>
<p><object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/ubfUwhK8vdQ?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/ubfUwhK8vdQ?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object><br /></br><br /></br><br /></br><br /></br></p>
<p>Mit tönendem Gruß<br /></br><br /></br></p>
<p>Ihr Moritatensaenger<br /></br><br /></br></p>
<p>[1] <a href="http://www.sueddeutsche.de/auto/autoklassiker-lamborghini-miura-den-stier-beim-lenkrad-packen-1.991417">http://www.sueddeutsche.de/auto/autoklassiker-lamborghini-miura-den-stier-beim-lenkrad-packen-1.991417</a></p>
<p>[2] <a href="http://www.imdb.com/name/nm0106387/bio">http://www.imdb.com/name/nm0106387/bio</a></p>
<p>[3] <a href="http://www.mattmonro.com/biog.html">http://www.mattmonro.com/biog.html</a></p>
<p>[4] <a href="http://www.theitalianjob.com/the_film_soundtrack.htm">http://www.theitalianjob.com/the_film_soundtrack.htm</a></p>
<p>[5] <a href="http://www.auto-motor-und-sport.de/service/lamborghini-miura-des-schahs-von-persien-unterwegs-im-lamborghini-des-schahs-1913778.html">http://www.auto-motor-und-sport.de/service/lamborghini-miura-des-schahs-von-persien-unterwegs-im-lamborghini-des-schahs-1913778.html</a></p>
<p>[6] <a href="http://www.press-inform.de/index2.html">http://www.press-inform.de/index2.html</a></p>
<p>[7] <a href="http://suche.sueddeutsche.de/query/%22Stefan%20Grundhoff%22/sort/-news/page/1">http://suche.sueddeutsche.de/query/%22Stefan%20Grundhoff%22/sort/-news/page/1</a><br /></br><br /></br></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Der wahre Grund&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Aug 2010 00:50:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jaspis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Meinungsvorgabe]]></category>

		<category><![CDATA[SZ-Kritik Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Vielleicht wundert sich der eine oder andere zusammen mit dem Moritatensaenger, warum die Informationen, die er in “Die Spendenbereitschaft der Deutschen bleibt jedoch gering” [1] zusammengetragen hat, nicht auch in der Süddeutschen gefunden hat. Interessant wären sie jedenfalls gewesen. Allerdings hätten sie wirklich ganz und gar nicht zu den Gründen gepasst, die von dort für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielleicht wundert sich der eine oder andere zusammen mit dem Moritatensaenger, warum die Informationen, die er in “Die Spendenbereitschaft der Deutschen bleibt jedoch gering” <a href="http://www.suedwatch.de/blog/?p=4017">[1]</a> zusammengetragen hat, nicht auch in der Süddeutschen gefunden hat. Interessant wären sie jedenfalls gewesen. Allerdings hätten sie wirklich ganz und gar nicht zu den Gründen gepasst, die von dort für die Spendenunlust der Deutschen präsentiert werden. Schließlich hat sich dort ein &#8220;Experte&#8221; schon zu diesem Thema geäußert: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/flut-in-pakistan-das-land-ertrinkt-der-praesident-verreist-1.989441">[2]</a></p>
<blockquote><p>Der wahre Grund dafür, dass die Hilfe für Pakistan so zögernd anläuft, ist vielmehr der: Seit dem 11. September 2001 sind Europa und Teile Nordamerikas von flagranter Islamophobie erfasst. In einer neuen Umfrage wurde die Frage gestellt, was der erste Gedanke sei, der den Leuten in den Sinn komme, wenn sie das Wort &#8220;Islam&#8221; hören: Mehr als die Hälfte der Angesprochenen antwortete &#8220;Terrorismus&#8221;. Die Umfrage ist zwar in Großbritannien angestellt worden, doch ist bekannt, dass Briten, Franzosen, Deutsche, Holländer und Dänen ähnlich denken. Der Blick auf den Islam als das absolut &#8220;Andere&#8221; hat natürlich mit den Kriegen in Afghanistan und dem Irak zu tun. Die Haltung ist aber so falsch, wie der Antisemitismus es war, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts weithin florierte.</p></blockquote>
<p>Die Islamophobie ist es also. Naja, gut, auch ein bisschen Kritik am pakistanischen Präsidenten, der nach Europa gereist und &#8220;in Birmingham eine unmögliche Ansprache&#8221; gehalten habe und, ja, wohl auch ein bisschen die Befürchtung, das Geld könnte eventuell gar nicht da ankommen, wo es hin soll, sondern über verschlungene Wege in ganz falsche Hände geraten.</p>
<blockquote><p>Viele Pakistaner, mit denen ich in den vergangenen zwei Wochen gesprochen habe, wollen kein Geld geben, weil sie fürchten, dass ihre Spende doch nur in den Taschen der korrupten Herrscher landet.</p></blockquote>
<p>Dennoch sei &#8220;der wahre Grund&#8221; die Islamophobie, ergo darf sich nun jeder, der noch nicht gespendet hat, zu den Islamophoben der Westlichen Welt zählen. - Eine Argumentation, die beinahe noch zynischer ist als das Zögern der pakistanischen Regierung, die einen Teil der dringend benötigte Hilfe, fünf Millionen Dollar, bis gestern abgelehnt hat - weil sie vom Erzfeind Indien angeboten wurde. <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/pakistanhilfe112.html">[3]</a></p>
<blockquote><p>Hauptmotive für die geringe Spendenbereitschaft sind vor allem persönliche finanzielle Gründe sowie Zweifel, dass die Spenden an der richtigen Stelle ankommen. Die aus Sicht der Befragten politische und kulturelle Distanz zu Pakistan sowie die grundsätzliche Ablehnung von Spenden sind weitere Gründe.</p></blockquote>
<p>ist das Resultat der Umfrage, die Infratest dimap für das ARD Morgenmagazin durchgeführt hat und nach der 58 % der Deutschen überhaupt nicht für die Opfer der Überschwemmung spenden wollen.<a href="http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/mehrheit-der-buerger-will-nicht-fuer-pakistan-spenden/ ">[4]</a></p>
<p>Einer jedoch weiß es besser: Ein</p>
<blockquote><p>Grenzgänger zwischen islamischer und westlicher Welt</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">
<p>- Tariq Ali.<br />
<br /> </br><br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-4026" title="die-islamophopie-ist-der-wahre-grund" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/die-islamophopie-ist-der-wahre-grund.jpg" alt="die-islamophopie-ist-der-wahre-grund" width="446" height="205" /><br />
<br /> </br><br />
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist allerdings noch eine weitere Begründung, die Tariq Ali liefert, in diesem Fall für die Anschläge vom 11. September 2001. In einem Interview mit der &#8220;Sozialistischen Zeitung&#8221;, einer Zeitung mit linkssozialistischer Ausrichtung und, wie Tariq Ali, trotzkistischer Tradition, das in Heft 20 vom 27.09.2001 (Seite 12) [von Verlinkung wurde abgesehen] veröffentlicht wurde. Darin Antwortete Tariq Ali auf die Frage</p>
<blockquote><p>• Glauben Sie, dass dieser Angriff eine direkte Folge der internationalen Politik der USA gegen die moslemische Welt war?</p>
<p>Tariq Ali: Darüber gibt es keinen Zweifel. Viele Jahrzehnte lang haben die arabischen Völker die Folgen des US-amerikanischen und israelischen Staatsterrorismus am eigenen Leib erfahren. Die anhaltende Besetzung Palästinas, die Sanktionen und Bomben gegen den Irak, die Bombardierung einer Aspirinfabrik im Sudan — was war das alles, wenn nicht Staatsterrorismus?</p></blockquote>
<p>Das hat Franziska Augstein, die Tariq Alis Beitrag übersetzt hat, sicher nur aus purem Versehen nicht miterwähnt. Und dennoch lassen derlei Ansichten doch leise Zweifel an der Unvoreingenommenheit dieses Kenners aufkommen, dessen &#8220;Gastbeitrag&#8221; noch nicht einmal als pure Meinungsäußerung gekennzeichnet war.</p>
<p>Ich meine schon, dass auch dieses Detail relevant gewesen wäre, wenn man schon mehr oder weniger direkt seinen Lesern vorwirft, dass sie die Menschen in Pakistan allein aus dem Grund verrecken lassen, weil diese dem Islam angehören.</p>
<p>Rufen Sie gerne zu Spenden auf, liebe SZ. Machen Sie die Katastrophe deutlich, unter der zwanzig Millionen Pakistaner leiden. Stellen Sie für Ihre Leser sicher, dass die Spenden dort ankommen, wo sie hinsollen. Machen Sie geeignete Organisationen ausfindig und geben diese bekannt.</p>
<p>Aber verschonen Sie uns mit solch schäbigem Zynismus und derart billigen Versuchen, Ihren Lesern über die Hintertür menschlichen Mitgefühls Ihre Ideologie unterzujubeln.<br />
<br /> </br> <br /> </br><br />
Jaspis<br />
<br /> </br> <br /> </br><br />
<a href="http://www.suedwatch.de/blog/?p=4017">[1] http://www.suedwatch.de/blog/?p=4017 </a><br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/flut-in-pakistan-das-land-ertrinkt-der-praesident-verreist-1.989441">[2] http://www.sueddeutsche.de/politik/flut-in-pakistan-das-land-ertrinkt-der-praesident-verreist-1.989441</a><br />
<a href="http://www.tagesschau.de/ausland/pakistanhilfe112.html">[3] http://www.tagesschau.de/ausland/pakistanhilfe112.html</a><br />
<a href="http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/mehrheit-der-buerger-will-nicht-fuer-pakistan-spenden/ ">[4] http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/mehrheit-der-buerger-will-nicht-fuer-pakistan-spenden/ </a></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Spendenbereitschaft der Deutschen bleibt jedoch gering&#8221;</title>
		<link>http://www.suedwatch.de/blog/?p=4017</link>
		<comments>http://www.suedwatch.de/blog/?p=4017#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 10:03:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritatensaenger</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Es stand -nicht- in der SZ]]></category>

		<category><![CDATA[Halbwahrheiten]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein mahnender Wink mit dem SZ-Zeigefinger [1]&#8230;

Und wirklich, vielleicht sollten wir - jeder von uns: der Moritatensaenger, Sie und auch die irgendwo 3 1/2 Tausend Mann/Frau starke SZ-Belegschaft - mehr Geld für die Ärmsten der armen Flutopfer Spenden. Wiewohl wir, die wir in Pakistan sonst nicht flächendeckend  beliebt sind&#8230;

(Deutsche Fahne als Fußabstreifer in einer Moschee [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></br><br /></br>Ein mahnender Wink mit dem <em>SZ</em>-Zeigefinger [1]&#8230;<br /></br><br /></br></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4018" title="pakistan1" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/pakistan1.jpg" alt="pakistan1" width="500" height="155" /><br /></br><br /></br></p>
<p>Und wirklich, vielleicht sollten wir - jeder von uns: der Moritatensaenger, Sie und auch die irgendwo 3 1/2 Tausend Mann/Frau starke SZ-Belegschaft - mehr Geld für die Ärmsten der armen Flutopfer Spenden. Wiewohl <strong>wir</strong>, die wir in Pakistan sonst nicht flächendeckend  beliebt sind&#8230;<br /></br><br /></br></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-4020" title="deutsche-fahne-2006-in-islamabad-als-fusabtreter1" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/deutsche-fahne-2006-in-islamabad-als-fusabtreter1.jpg" alt="deutsche-fahne-2006-in-islamabad-als-fusabtreter1" width="500" height="328" /></p>
<p style="padding-left: 60px;"><span style="color: #888888;">(Deutsche Fahne als Fußabstreifer in einer Moschee in Islamabad)</span></p>
<p></br><br /></br></p>
<p>&#8230;, immerhin schon <em>eine humanitäre Soforthilfe von 25 Millionen Euro </em>aufgebracht haben. Gesamt-EU liegt der Betrag bei bis jetzt (aufgestockt) <em>140 Millionen Euro </em>(Quelle<em> SZ).</em></p>
<p>In unserer Spendenbereitschaft werden wir allerdings von denen übertroffen, die Pakistan am nächsten stehen [2]:</p>
<p>Der engste Verbündete Pakistans, die <em>Volksrepublik China</em>, stellte bis jetzt sage und schreibe weniger als <em>1,6 Millionen Euro (!)</em> zur Verfügung. Und von den islamischen Bruderstaaten, deren Fahnen in Pakistan weder verbrannt noch als Fußabstreifer benutzt werden, war lediglich Kuwait bis jetzt bereit, die stolze Summe von <em>4 Millionen Euro</em> zu spenden. Alle anderen, einschließlich des bei Waffenkäufen sonst so spendablen <em>Irans</em> und der anderen reichen Erdölländer, spendeten zum Teil <em>wesentlich weniger</em>. Nun hat Saudi Arabien einen Schritt nach vorne getan und enorme 16 Millionen Euro locker gemacht. Das ist zwar geringfügig weniger als die <em>1 Milliarde Dollar</em> die man für das Kingdom Centre <em>gespendet </em>hat [3] und auch weniger, als die <em>319 Millionen Dollar</em>, die Prinz Al Waleed Bin Talal für seinen neuen Airbus A380 (Kaufpreis nackt, ohne Einrichtung) aufzubringen bereit war [4], aber bei den Vereinten Nationen hofft man, dass durch diese großzügige Geste auch die Spendenbereitschaft der anderen Islam-Staaten erhöht wird.</p>
<p>Die Informationen aus dem letzten Absatz finden Sie allerdings nicht im Artikel der Süddeutschen, dort beschränkt man sich darauf, das <em>schlechte Gewissen</em> der Deutschen wegen deren geringer Spendenbereitschaft zu stärken.<br /></br><br /></br></p>
<p>Mit tönendem Gruß<br /></br><br /></br></p>
<p>Ihr Moritatensaenger<br /></br><br /></br></p>
<p>[1] <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/flutkatastrophe-in-pakistan-ein-tsunami-in-zeitlupe-1.990422">http://www.sueddeutsche.de/panorama/flutkatastrophe-in-pakistan-ein-tsunami-in-zeitlupe-1.990422</a></p>
<p>[2] <a href="http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/08/18/AR2010081806622.html">http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/08/18/AR2010081806622.html</a></p>
<p>[3] <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kingdom_Centre">http://en.wikipedia.org/wiki/Kingdom_Centre</a></p>
<p>[4] <a href="http://gulfnews.com/business/aviation/saudi-prince-buys-a380-as-private-jet-1.78199">http://gulfnews.com/business/aviation/saudi-prince-buys-a380-as-private-jet-1.78199</a><br /></br><br /></br></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Aus gegebenem Anlass</title>
		<link>http://www.suedwatch.de/blog/?p=3967</link>
		<comments>http://www.suedwatch.de/blog/?p=3967#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 22:45:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jaspis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>

		<category><![CDATA[Meinungsvorgabe]]></category>

		<category><![CDATA[NonSZens]]></category>

		<category><![CDATA[SZ-Kritik Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.suedwatch.de/blog/?p=3967</guid>
		<description><![CDATA[Im Grunde ist der Artikel [1]


so albern, seine Aussage so trivial wie verkehrt, dass man ihn gar nicht erwähnen sollte.
Von wegen Befreiung: Warum Highheels noch lange kein Zeichen für Emanzipation sind und das Kopftuch nicht unbedingt die Unterdrückung der Frau bedeutet.
führt Ingrid Thurner darin aus und
Alle möglichen gesellschaftlichen Gruppen sind angetreten, in paternalistischer Manier muslimische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Im Grunde ist der Artikel <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/feminismus-kopftuchdebatte-der-nackte-zwang-1.963023">[1]</a></p>
<p style="text-align: center;">
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3968" title="der-kopftuchzwang" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/der-kopftuchzwang.jpg" alt="der-kopftuchzwang" width="451" height="435" /></p>
<p>so albern, seine Aussage so trivial wie verkehrt, dass man ihn gar nicht erwähnen sollte.</p>
<blockquote><p>Von wegen Befreiung: Warum Highheels noch lange kein Zeichen für Emanzipation sind und das Kopftuch nicht unbedingt die Unterdrückung der Frau bedeutet.</p></blockquote>
<p>führt Ingrid Thurner darin aus und</p>
<blockquote><p>Alle möglichen gesellschaftlichen Gruppen sind angetreten, in paternalistischer Manier muslimische Frauen aus ihrer Unterdrückung und ihrer Verhüllung freizukämpfen: Rechtspopulistische Politiker, Boulevardblätter, Feministinnen, Sozialdemokratinnen, erzkonservative Katholiken, Ex-Muslime. Es eint sie der Glaube, Musliminnen seien unterjocht von ihrer Religion und von ihren Männern. Sie sind sich auch darin einig, die Kopfbedeckung nicht deswegen abzulehnen, weil sie ein religiöses Symbol sei. Die weibliche Verhüllung wird vorgeblich verdammt, weil sie ein Instrument der Unterdrückung der Frau sei.</p></blockquote>
<blockquote><p>Fast wäre man versucht, den Umkehrschluss zu ziehen und weibliche Nacktheit als Symbol weiblicher Freiheit zu deuten. Aber welchen Zwängen unterwerfen sich nicht konform-westlich denkende Frauen für den Auftritt in der Öffentlichkeit? Hohe Absätze, hautenge Jeans, frieren in der Kälte, ein Leben lang hungern, alles um den Körper vorzeigbar zu machen, dazu ständige Kontrolle, ob die Haarsträhnen richtig liegen, ob der Busen richtig steht, ob die Träger sitzen.</p></blockquote>
<p>Und überhaupt zeige &#8220;dieser ganze Islam- und Verhüllungsdiskurs&#8221;</p>
<blockquote><p>Die Muslimin wird dringend benötigt, nämlich zur Verhüllung des Dilemmas, dass in dieser aufgeklärten Zeit Frauen zwar beinahe nackt herumlaufen dürfen, aber sonst wie eh und je wenig zu entscheiden haben. Keine Verschleierung, keine Unterdrückung, nein, so ist das offensichtlich nicht.</p></blockquote>
<p>denn schließlich:</p>
<blockquote><p>So sehr verschieden von islamischen Gegebenheiten ist das nicht. Führungspositionen, Vorstandsetagen und Lehrstühle besetzen vornehmlich Männer, und für die gleiche Arbeit erhalten Frauen weniger Lohn.</p></blockquote>
<p>Dieses aus hanebüchenem Unfug zusammengebastelte Kartenhaus bricht bereits mit der simplen Frage zusammen, was - wenn denn schon kein Unterschied bestehe - einer Frau wohl passiert, wenn sie in der einen &#8220;Kultur&#8221; ihr Kopftuch nicht aufsetzt und in der anderen flache Schuhe anzieht und ihren Schlabberpulli um die vielleicht schon etwas expandierten Hüften zieht.<br />
<br /> </br><br />
Der Grund, warum ich diesen Artikel heute, beinahe zwei Monate nach seinem Erscheinen, doch noch erwähne, ist die Frage unseres Lesers &#8220;Roderick&#8221; zu des Moritatensaengers jüngsten Artikel “Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.” <a href="http://www.suedwatch.de/blog/?p=3958">[2]</a></p>
<blockquote><p>Welchen Zweck hat die Erwähnung der Herkunft</p></blockquote>
<p>fragte er da und vermutlich nicht nur er. Warum ist es wichtig zu wissen, ob die Täter einer Massenvergewaltigung eventuell Migrationshintergrund haben und womöglich aus türkischen / afghanischen Familien mit islamischer Tradition stammen? Das &#8220;riecht&#8221; doch nach unverhohlenem Ausländerhass. Nach der Suche nach einem Anlass, um gegen Ausländer zu poltern, um gegen sie Stimmung zu machen, um Rechtsextremisten dazu zu veranlassen, ihnen Gewalt anzutun oder Behörden, um möglichst keine Migranten mehr in Deutschland zu tolerieren. Es klingt nach ewig Vorgestrigen, die den Wandel unserer Bevölkerungsstruktur nicht begreifen wollen.</p>
<p>Abgesehen von der Frage, was, bei konsequenter Fortsetzung dieses Gedankens, dann beispielsweise die Angabe &#8220;katholischer Geistlicher&#8221; bei einem Fall von Kindsmissbrauch verloren hat, wenn derlei Hinweise doch nicht erwähnt werden sollen, geht es bei der Berichterstattung - bei wohlgemerkt sachlicher Berichterstattung - nicht darum, Stimmung zu machen. Es geht um den Informationsauftrag, der Moritatensaenger hat sich dazu bereits ausführlich geäußert. Und es geht darum, weitere Straftaten dieser Art zu vermeiden. Wenn sich der geneigte Leser Gedanken darüber macht, wie aus einem Jugendlichen ein so Wütender werden kann, dass er in seiner Rage dem bereits am Boden liegenden Dominik Brunner mit beschuhtem Fuß gegen den Kopf tritt, dann macht er das schließlich auch nicht, um in einem nächsten Schritt sämtliche Jugendlichen prophylaktisch zu inhaftieren oder des Landes zu verweisen. Sondern er macht das (günstigstenfalls), um möglicherweise eigene Erziehungsfehler zu vermeiden.</p>
<p>Der Fall der Massenvergewaltigung der 18-jährigen Frau in Gersthofen lässt keinen auch nur halbwegs mitfühlenden Menschen kalt. Sofern das Interesse aber nicht nur auf reiner Sensationsgier mit einem Schuss pornographischem Geifer beruht, sollte man schon auch diese Tat ein wenig hinterfragen. Ob das Verhalten der Täter möglicherweise mit ihren häuslichen Traditionen zu tun haben könnte. - Und zwar nicht, um den Tätern eine perfekte Entschuldigung an die Hand zu geben, etwa in der Art, sie seien eben selbst &#8220;Opfer der Umstände&#8221; - sondern um zum Beispiel das zu tun, was Seyran Ates mit ihrem Buch [3] macht, das ihr bereits kurz nach dessen Erscheinen Morddrohungen eingehandelt hat, nämlich zu fordern:</p>
<h2>&#8220;Der Islam braucht eine sexuelle Revolution&#8221;</h2>
<p>Das Kopftuch, dieses niedliche modische Accessoire, das schon unsere oberbayerische, urkatholische Großmutter mit Selbstverständlichkeit getragen hat, ist mittlerweile Symbol eines gestörten Verhältnisses zur Sexualität. Frauen sollen ihre Haare bedecken - nicht, damit sie dadurch ihre Persönlichkeit frei entfalten können (eine Logik, die wirklich nicht recht einleuchten will) - sondern, um den Männern kein zu großer sexueller Reiz zu sein.</p>
<blockquote><p>Das Kopftuch, ein Symbol der Freiheit? Das erscheint mir dann doch ein wenig weit hergeholt. Für mich ist das Kopftuch eindeutig ein Symbol der Unterordnung der Frau unter den Mann, also das Gegenteil von Freiheit. Denn erst durch die Verhüllung wird die Frau zum Sexualobjekt degradiert: Sie muss sich verstecken, um vor den Blicken lüsterner Männer sicher zu sein. Dass genau dies der Hauptgrund für das Kopftuchgebot ist, kann man auch aus offiziellen muslimischen Publikationen ableiten. Der Frankfurter Imam Hadyatullah Hübsch beantwortet die Frage &#8220;Warum tragen muslimische Frauen ein Kopftuch oder einen Schleier?&#8221; folgendermaßen: <em>&#8220;[Die muslimische Frau] möchte durch die Bedeckung ihrer Schönheit, die vor allem auch in ihren Haaren liegt, also kund tun, dass sie kein Interesse an Flirts hat und keine Beziehungen zu fremden Männern haben möchte, in denen Sexualität eine Rolle spielt. Die Muslimin, die ein Kopftuch oder einen Schleier trägt, wendet sich somit bewusst ab von allem, was ihre Reinheit beeinträchtigen könnte. (&#8230;) Ihr Anblick hat somit meistens für Männer die Funktion einer Bremse, so dass sie ihre Augen nicht mehr wild umherschweifen lassen, auf der Suche nach einem sexuellen Kick.&#8221;</em></p></blockquote>
<p>Kein Wunder, dass die negative Schlussfolgerung daraus für manch hormongesteuerten jungen Mann mit entsprechender traditioneller Prägung bedeutet, dass eine Frau, die kein Kopftuch trägt, eben durchaus zeigt, dass sie Interesse an Flirts und mehr hat, was nicht selten die Bezeichnung &#8220;Hure&#8221; für unverschleierte, unbekopftuchte und womöglich - gerade beim nächtlichen Discobesuch - eher sehr freizügig gekleideten Frauen einträgt. Mitsamt der dazugehörigen Verachtung und der Ansicht, es handle sich bei ihnen um &#8220;Freiwild&#8221;, bei dem man sich nur bedienen muss.</p>
<p>Ob das im vorliegenden Fall so war - wir wissen es nicht und werden es wohl auch aus der SZ nicht erfahren. Sie verschont ihre Leser mit Details und Hintergrundinformationen - und nimmt ihnen damit auch die Möglichkeit, wirklich aktiv an der Integration der Zuwanderer mitzuwirken, indem sie ihnen aufzeigen, dass die Menschen herzlich willkommen sind, derartige &#8220;Traditionen&#8221; aber keinen Platz in unserer Kultur haben, zumal sie schließlich auch nicht zwingender Bestandteil ihrer Religionsausübung sind.<br />
<br /> </br><br />
Es gibt Probleme, die lösen sich ganz einfach nicht von selbst, indem man sie entweder verharmlost oder auch einfach nur so tut, als gebe es sie nicht.<br />
<br /> </br> <br /> </br><br />
Jaspis<br />
<br /> </br> <br /> </br><br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/feminismus-kopftuchdebatte-der-nackte-zwang-1.963023">[1] http://www.sueddeutsche.de/kultur/feminismus-kopftuchdebatte-der-nackte-zwang-1.963023</a><br />
<a href="http://www.suedwatch.de/blog/?p=3958">[2] http://www.suedwatch.de/blog/?p=3958</a><br />
[3] Seyran Ates: Der Islam braucht eine sexuelle Revolution, Verlag Ullstein</p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.&#8221;</title>
		<link>http://www.suedwatch.de/blog/?p=3958</link>
		<comments>http://www.suedwatch.de/blog/?p=3958#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 14 Aug 2010 16:55:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritatensaenger</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>

		<category><![CDATA[Halbwahrheiten]]></category>

		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>

		<category><![CDATA[Meinungsvorgabe]]></category>

		<category><![CDATA[SZ-Kritik Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[So die Richtlinie 12.1. zu Ziffer 12 des Presskodex des Deutschen Presserates. Und damit der für Vorurteile besonders empfängliche Süddeutsche-Leser auf dem Pfad der Tugend bleiben kann, sieht die Berichterstattung des Münchner Blattes zu diesem Verbrechen&#8230;

&#8230;so aus [1]&#8230;
&#8220;Die Fahndung der Polizei nach der Tätergruppe verlief zunächst erfolglos. In der Folge konnte aber eine Gruppe Tatverdächtiger [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So die Richtlinie <em>12.1.</em> zu Ziffer <em>12</em> des <em>Presskodex</em> des <em>Deutschen Presserates</em>. Und damit der für Vorurteile besonders empfängliche <em>Süddeutsche</em>-Leser auf dem Pfad der Tugend bleiben kann, sieht die Berichterstattung des Münchner Blattes zu diesem Verbrechen&#8230;</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3959" title="neu-16" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/neu-16.jpg" alt="neu-16" width="500" height="56" /></p>
<p>&#8230;so aus [1]&#8230;</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Die Fahndung der Polizei nach der Tätergruppe verlief zunächst erfolglos. In der Folge konnte aber eine Gruppe Tatverdächtiger aus dem Bereich Erlangen ermittelt werden. Am Mittwoch wurden insgesamt sechs Männer im Alter von 19 bis 23 Jahren festgenommen. Bei ihren Vernehmungen legten einige von ihnen Teilgeständnisse ab.</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">Ein Ermittlungsrichter erließ gegen vier Beschuldigte Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall. Drei der Männer waren bereits polizeilich in Erscheinung getreten. Zwei 19-Jährige kamen nicht in Haft.&#8221;</span></p>
<p>&#8230;, während sie in der <em>Augsburger Allgemeinen</em>, deren Leser anscheinend deutlich besser mit Vorurteilen umgehen können, so aussieht [2]:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;"><em>&#8220;Doch am Mittwoch gelang es der Kripo die Tatverdächtigen ausfindig zu machen. Sie stammen aus dem Bereich Erlangen. Die Beamten der Kripo Augsburg nahmen dort sechs Männer im Alter von 19 bis 23 Jahren fest. [...]</em></span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;"><em><strong>Bei den Beschuldigten handelt es sich laut Polizei um zwei türkische Staatsbürger</strong> im Alter von 19 und 23 Jahren <strong>sowie zwei 21-jährige Deutsche mit türkischer und afghanischer Herkunft.</strong> Drei von ihnen waren der Polizei bereits bekannt, ohne dass es sich hierbei um einschlägige Delikte gehandelt hat. Zwei weitere Männer wurden nicht in Haft genommen.&#8221; (Hervorhebung Fett: Moritatensaenger)<br />
</em></span><br /></br><br /></br></p>
<p>Dass der Nennung des Migrationshintergrundes der mutmaßlichen Täter (bei der <em>Augsburger Allgemeinen</em> in zwei Fällen lobenswerter Weise sogar über die &#8220;Staatsangehörigkeit&#8221; hinaus) ein <em>&#8220;für das Verständnis des berichteten Vorgangs &#8230; begründbarer Sachbezug&#8221;</em> [3] zu Grunde liegt, ließe sich für den Leser z.B. feststellen, wenn er in seinem Informationsmedium in besonderer Häufigkeit auf vergleichbare Taten eines vergleichbaren Täterkreises stieße. Weshalb <em>&#8220;die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit&#8221;</em> <em>(Zitat: Ziffer 1 Presskodex) </em>eines der obersten Gebote der Presse ist. Denn: wie will der lesende, mündige Bürger <em>Sachbezüge</em> erkennen können, wenn ihm <em>Sachinformationen</em>, die eventuell dazu führen, unterschlagen werde?</p>
<p>Der <em>Süddeutschen</em> ist das egal. Das hauseigene <em>Wahrheitsministerium</em> löst dieses kleine Paradoxon auf seine Weise und bestimmt für die Leser, wie weit deren Verständnis gedeihen soll. Dass dabei die hehren Ideale aus der Gründungszeit des Blattes&#8230;</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Die Leiter der Zeitung, verschiedenen Parteien entstammend, glauben, dass [...] der gemeinsame Wille zu politischer Mündigkeit und Sauberkeit, zu Verantwortungsbewußtsein und Wahrhaftigkeit eine genügend starke Grundlage für eine fruchtbare Zusammenarbeit bildet.&#8221;</span></p>
<p>&#8230;wieder einmal in der Tonne landen&#8230;wen kümmerts.<br /></br><br /></br></p>
<p>Ach ja, und nebenbei erwähnt: Sollten Sie, lieber <em>Suedwatch</em>-Leser, nun auf die Idee kommen, nach öffentlich zugänglichen Statistiken zu fahnden oder sich auf die Suche nach behördlichen Dokumentationen zu begeben, welche die genannte Thematik behandeln und offen darüber aufklären, werden Sie eines mit Sicherheit feststellen:</p>
<p>Ein <em>Wahrheitsministerium</em> gab es nicht nur bei <em>Orwell</em> und gibt es nicht nur bei der <em>Süddeutschen Zeitung</em>!<br /></br><br /></br></p>
<p>Mit tönendem Gruß<br /></br><br /></br></p>
<p>Ihr Moritatensaenger<br /></br><br /></br></p>
<p>[1] <a href="http://www.sueddeutsche.de/bayern/gersthofen-jaehrige-von-mehreren-maennern-vergewaltigt-1.988029">http://www.sueddeutsche.de/bayern/gersthofen-jaehrige-von-mehreren-maennern-vergewaltigt-1.988029</a></p>
<p>[2] <a href="http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Region/Artikel,-Maenner-Vergewaltigung-Gersthofen-Disco-18-Jaehrige-_arid,2218857_regid,2_puid,2_pageid,4634.html">http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Region/Artikel,-Maenner-Vergewaltigung-Gersthofen-Disco-18-Jaehrige-_arid,2218857_regid,2_puid,2_pageid,4634.html</a></p>
<p>[3] <a href="http://www.presserat.info/inhalt/der-pressekodex/pressekodex/richtlinien-zu-ziffer-12.html">http://www.presserat.info/inhalt/der-pressekodex/pressekodex/richtlinien-zu-ziffer-12.html</a><br /></br><br /></br></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Loveparade, ein Bischof und ein Lückentext.</title>
		<link>http://www.suedwatch.de/blog/?p=3919</link>
		<comments>http://www.suedwatch.de/blog/?p=3919#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 23:23:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>moritatensaenger</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Halbwahrheiten]]></category>

		<category><![CDATA[NonSZens]]></category>

		<category><![CDATA[SZ-Falschmeldungen]]></category>

		<category><![CDATA[SZ-Kritik Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.suedwatch.de/blog/?p=3919</guid>
		<description><![CDATA[Loveparade 2010 noch in Erinnerung? Sicher. Selbst bei uns allen, die wir von der Katastrophe nur aus den Medien erfahren haben. Legion die Diskussionen über Schuld und Unschuld, ganz legitim geführt eben auch in jenen Medien. Und die haben ganz nebenbei prächtig verdient, am Unglück. Allein die Süddeutsche Zeitung (zusammen mit ihrem Derivat Süddeutsche.de) sonst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Loveparade 2010 noch in Erinnerung? Sicher. Selbst bei uns allen, die wir von der Katastrophe nur aus den Medien erfahren haben. Legion die Diskussionen über Schuld und Unschuld, ganz legitim geführt eben auch in jenen Medien. Und die haben ganz nebenbei prächtig verdient, am Unglück. Allein die <em>Süddeutsche Zeitung</em> (zusammen mit ihrem Derivat <em>Süddeutsche.de</em>) sonst selbst in der eigenen Stadt nicht immer am Puls der Zeit (und gern auch ein bissl selektiv; <a href="http://www.suedwatch.de/blog/?p=1509 ">Beispiel [1]</a> , <a href="http://www.suedwatch.de/blog/?cat=58">Beispiele [2]</a>) wartet mit Artikeln und Kommentaren sonder Zahl auf, die oft genug <a href="http://www.suedwatch.de/blog/?p=3921">dem kürzlich von Kollegin <em>Jaspis</em> in Zusammenhang mit Heribert Prantl </a>erwähnten Prinzip <em>Masse statt Klasse</em> folgen:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;-Loveparade-Katastrophe &#8220;Nicht geeignet für eine Genehmigung&#8221; - POLITIK</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Rainer Schaller Loveparade-Veranstalter: Unfall auf der A9 - PANORAMA</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Loveparade: Rainer Schaller Heftige Vorwürfe gegen Veranstalter der Loveparade - POLITIK</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Loveparade-Katastrophe Sauerland wusste von Planungsproblemen - POLITIK</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Trauerfeier in Duisburg &#8220;Die Loveparade wurde zu einem Totentanz&#8221; - PANORAMA</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Soforthilfe Eine Million Euro für Loveparade-Opfer - PANORAMA</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Loveparade Wütende Trauer - PANORAMA</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Loveparade-Katastrophe Eine Stadt trauert - PANORAMA</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Duisburg: Loveparade-Katastrophe Wenn Traurigkeit zum Greifen ist - PANORAMA</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Loveparade Sauerland: Ihr könnt mich abwählen! - POLITIK</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Wulff zur Katastrophe bei der Loveparade Bundespräsident mahnt OB Sauerland - POLITIK</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Loveparade-Katastrophe: Adolf Sauerland Abwahl im Schnelldurchgang - POLITIK</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Loveparade-Katastrophe: Adolf Sauerland Abwahl im Schnelldurchgang - POLITIK</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">-Duisburg: Loveparade-Katastrophe Die Täter? Alle unbekannt! - POLITIK&#8221;</span></p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">(und Dutzende weitere Headlines zum Thema)</span></p>
<p></br><br /></br></p>
<p>Oft genug wird auch nach Schuld gefragt, werden Schuldige erfasst und wieder fallen gelassen, wird nach dem Sinn gefahndet. Dieses Stellen der Schuldfragen ist für die <em>SZ</em> legitim, solange Geld damit verdient werden kann, solange es die <em>Richtigen</em> sind, die die Fragen stellen und solange es die <em>richtigen Fragen</em> sind, die gestellt werden.</p>
<p>Wehe nur dem, der in den Augen der <em>Süddeutschen</em> der <em>Falsche</em> ist, der fragt. Mit den <em>falschen Fragen</em>. Im Falle der Äußerungen des Salzburger Weihbischofs<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Laun"> <em>Andreas Laun</em></a> arbeitet diesmal der Journalist <a href="http://www.moritz-baumstieger.de/"><em>Moritz Baumstieger</em></a> mit dem bei der SZ so beliebten Lückentext, der wiedergibt was Eindruck schafft, aber nicht Wahrheit. Der Bischof hatte es gewagt, in seiner regelmäßig erscheinenden Kolumne &#8220;Klartext&#8221; auf <a href="http://www.kath.net/index.php"><em>kath.net</em></a> die Frage nach Schuld, Sünde und Strafe mit Blick auf die <em>Loveparade</em> zu stellen [3]. <em>Baumstieger</em> lässt dazu in der <em>SZ</em> titeln [4]:</p>
<h3 style="padding-left: 30px;">&#8220;Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun verhöhnt die Opfer der Katastrophe von Duisburg - als er in einem Internet-Kommentar die theologische Frage nach einem &#8220;strafenden Gott&#8221; behandelt. Heftige Reaktionen folgten prompt&#8221;</h3>
<p></br><br /></br><br />
Naja, denkt da der Leser, mal sehen was der Mann so gesagt hat. Aber <em>Baumstieger</em> löst nicht - wie eigentlich zu erwarten -sofort auf , was der Gegenstand seines Artikels an Verhöhnungen der Opfer vom Stapel gelassen haben soll, sondern er stimmt seine Leserschaft erst weiter ein auf das Ungeheuerliche. Und dazu bedient er sich eines Satzes, den <em>Eva Herrmann</em> in die Welt gesetzt hat [5]:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Sie [Eva Herrmann] schrieb im Zusammenhang mit den Loveparade-Opfern: &#8216;Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen.&#8217;&#8221;</span></p>
<p>Aber <em>Herrmann</em> ist nicht Gegenstand des Artikels, wo bleiben die kritisierten Worte von Bischof <em>Laun</em>? Nun, <em>Baumstieger</em> muss erst seine Dramaturgie aufbauen, die Empörung des Lesers hochköcheln lassen, bevor er sich den Kirchenmann vorknöpft. Das Gericht über den Bischof lässt trotzdem nicht lange auf sich warten. <em>Baumstieger</em> beginnt:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><span style="color: #888888;">&#8220;Sein Text vom Freitag sollte das Thema des &#8217;strafenden Gottes&#8217; behandeln. Laun hängte seine theologische Betrachtung an der Loveparade  auf, was zu zu Missverständnissen einlud. &#8216;Das Mitleid mit den Opfern ist eine Sache&#8217;, schrieb der Weihbischof. Eine andere sei die Feststellung, dass die Loveparade und die Teilnahme an ihr &#8216;abgesehen vom abstoßenden Erscheinungsbild objektiv eine Art Aufstand gegen die Schöpfung und gegen die Ordnung Gottes&#8217; sind, ja gar &#8216;Sünde und Einladung zur Sünde!&#8217;&#8221;</span></p>
<p>Bischof <em>Launs</em> Text soll also zu Missverständnissen eingeladen haben, soll eine Verhöhnung der Opfer sein. Nun, nur wenn man wie <em>Baumstieger</em> Zitate aus dem Zusammenhang reißt. In seinem Text schreibt der Bischof nämlich -unmissverständlich- vorweg:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em><span style="color: #888888;">&#8220;Kein Mensch kann ohne Erschütterung von dem Unglück in Duisburg hören und ohne Mitleid bleiben für die Toten und vor allem auch deren Eltern und andere Angehörigen! Darum haben auch der Papst, viele Bischöfe und andere Menschen für die Betroffenen gebetet! Auch steht es keinem Menschen zu, über die Toten zu urteilen und darüber hinaus zu behaupten, ihr Tod sei eine - natürlich gerechte - &#8216;Strafe Gottes&#8217; für die Sündigkeit der Love-Parade, in deren Verlauf das Unglück geschah!</span></em></p>
<p style="padding-left: 30px;"><em><span style="color: #888888;">Übrigens, wer Sünde und Gottesstrafe meint so direkt zuordnen zu können, sollte sich wundern über seine eigene Gesundheit und vielleicht sogar darüber, dass er selbst noch am Leben ist - und zufrieden sein, dass Gott allein der Richter ist, kein Mensch! Nein, das alles steht außer Zweifel und darf auch nicht abgeschwächt werden.&#8221;</span></em></p>
<p>Der Bischof mahnt also sogar, die Opfer der Katastrophe von Duisburg nicht als bestrafte Sünder zu verstehen oder gar darzustellen. Er schreibt im Gegenteil sogar, es solle sich jeder, der diesen Schluß zu ziehen bereit ist, an die eigene Nase fassen, sich über seine eigene Gesundheit wundern, wo er doch einen derart strafenden Gott behauptet. Bischof <em>Andreas Laun</em> hat nicht vergessen, was Jesus gegenüber der Sünderin in <em>Joh. 8, 1-11</em> gesagt hat [6]:<br /></br><br /></br></p>
<p><strong><em>&#8220;Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.&#8221; [7]<br />
</em><br /></br><br /></br></strong></p>
<p>Hätte <em>Moritz Baumstieger</em> statt Islamwissenschaften zu studieren [8], sich mit dem christlichen Glauben auseinandergesetzt, so wüsste er vielleicht, dass Jesus damit nicht verstanden wissen wollte, die Ehebrecherin sei ohne Sünde gewesen. Was er unternahm war vielmehr, das Urteil über den Sünder aus den Händen der Menschen zu nehmen. Und das ist auch das, was Bischof <em>Laun</em> mit seinen Worten tat. Er prangerte die Sünde an, mahnte vor dem richtenden Gott, aber nahm die Opfer aus Duisburg von einer Verurteilung aus.</p>
<p>Nun kann man als Christ wie sowieso als Atheist über vieles streiten, was der Bischof ins Feld geführt hat. Natürlich kann man die ganze Veranstaltung in ihrem Wesen als Spaß betrachten. Man kann das Bild ausschließlich fröhlich feiernder Jugendlicher und Erwachsener beschwören, man kann den massenhaften Drogen- und Alkoholkonsum bezweifeln oder als harmlos erklären und man kann an möglichen sexuellen Ausschweifungen den Begriff der &#8220;Ausschweifung&#8221; belächeln. Das alles ist legitim.</p>
<p>Man kann aber auch, und das hat der Kommentator auf <em>kath.net</em> im Grunde getan, hinterfragen, wohinein denn das Ende dessen mündet, was die <em>Loveparade</em> über Jahre in den Menschen, die ihr anhängen, kultiviert hat. Man kann fragen, wieviel christliche Ethik in solchen Veranstaltungen noch repräsentiert ist. Man kann sogar fragen, wie die Antwort aussähe, müsste sich die Loveparade und müssten sich deren Besucher und Befürworter statt an christlichen Leitlinien an Kants <em>Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft</em> messen lassen:<br /></br><br /></br> <em>„Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.&#8221;</em>.<br /></br><br /></br></p>
<p>Kann es das <em>Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung</em> sein, wenn kranke Charaktere vergötzt werden&#8230;<br /></br><br /></br></p>
<p><object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/ZNavhLyj8Ao?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/ZNavhLyj8Ao?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<p></br><br /></br>&#8230;, wenn Sexualität auf öffentliches Gaudium reduziert wird,&#8230;<br /></br><br /></br></p>
<p><object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/iEdJ-MjLJcU?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/iEdJ-MjLJcU?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
<p></br><br /></br>&#8230;und wenn offene Perversion kein Aufbegehren mehr hervorruft:<br /></br><br /></br></p>
<p><object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/zFiYOE3WhNc?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/zFiYOE3WhNc?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object><br /></br><br /></br></p>
<p>Und ist angesichts dessen <strong>-und auch angesichts der Verantwortungslosigkeit, der Profit- und der Vergnügungsgier in Duisburg-</strong> die Frage nach einer Besinnung nicht vielleicht doch berechtigt? Auch wenn sie von einem katholischen Bischof gestellt wird und auch, wenn sie die für Christen bedeutsame Frage nach Sünde und Strafe in den Mittelpunkt rückt? Im Übrigen sollte gelten: Wer diese Frage, die wohlweislich in einem katholischen Medium für dessen Leser behandelt wurde, an die <em>&#8220;Öffentlichkeit&#8221;</em> zerrt, der sollte sie wenigstens einer ernsthaften Betrachtung unterziehen und sie nicht über einen billigen Lückentext zur populistischen Verleumdung der ungeliebten katholischen Kirche und zur Rufschädigung eines unbequemen Menschen mißbrauchen.<br /></br><br /></br></p>
<p>Mit tönendem Gruß<br /></br><br /></br></p>
<p>Der Moritatensaenger<br /></br><br /></br></p>
<p>[1] <a href="../../../../../?p=1509">http://www.suedwatch.de/blog/?p=1509</a></p>
<p>[2] <a href="../../../../../?cat=58">http://www.suedwatch.de/blog/?cat=58</a></p>
<p>[3] <a href="http://www.kath.net/detail.php?id=27660">http://www.kath.net/detail.php?id=27660</a></p>
<p>[4] <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/loveparade-katastrophe-salzburger-weihbischof-verhoehnt-loveparade-opfer-1.985708">http://www.sueddeutsche.de/panorama/loveparade-katastrophe-salzburger-weihbischof-verhoehnt-loveparade-opfer-1.985708</a></p>
<p>[5] <a href="http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/eva-herman/sex-und-drogenorgie-loveparade-zahlreiche-tote-bei-sodom-und-gomorrha-in-duisburg.html">http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/eva-herman/sex-und-drogenorgie-loveparade-zahlreiche-tote-bei-sodom-und-gomorrha-in-duisburg.html</a></p>
<p>[6] <a href="http://www.bibel-online.net/buch/43.johannes/8.html">http://www.bibel-online.net/buch/43.johannes/8.html</a></p>
<p>[7] Sehr schön auseinandergesetzt in einem Papier der Philosophisch-Theologische Hochschule der Jesuitenkommunität Sankt Georgen:</p>
<p><a href="http://www.sankt-georgen.de/kehl/pdf/Predigten/Kehl_Predigt_Wer_ohne_Suende_ist.pdf">http://www.sankt-georgen.de/kehl/pdf/Predigten/Kehl_Predigt_Wer_ohne_Suende_ist.pdf</a></p>
<p>[8] <a href="http://www.moritz-baumstieger.de/img/Lebenslauf.pdf">http://www.moritz-baumstieger.de/img/Lebenslauf.pdf</a><br /></br><br /></br></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Masse statt Klasse</title>
		<link>http://www.suedwatch.de/blog/?p=3921</link>
		<comments>http://www.suedwatch.de/blog/?p=3921#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 21:44:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jaspis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Meinungsvorgabe]]></category>

		<category><![CDATA[NonSZens]]></category>

		<category><![CDATA[Prantl-ismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn es schon mit der Klasse nicht klappt, dann muss eben Masse her. So oder so ähnlich lässt sich die aktuelle Prantl-Kommentar-Flut erklären. Nur dass er dabei entweder selbst den Überblick verloren hat, was er denn nun eigentlich sagen will - oder es interessiert ihn sein &#8220;Gewäsch von gestern&#8221; genauso wenig wie die Stringenz seiner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn es schon mit der Klasse nicht klappt, dann muss eben Masse her. So oder so ähnlich lässt sich die aktuelle Prantl-Kommentar-Flut erklären. Nur dass er dabei entweder selbst den Überblick verloren hat, was er denn nun eigentlich sagen will - oder es interessiert ihn sein &#8220;Gewäsch von gestern&#8221; genauso wenig wie die Stringenz seiner eigenen Werke - und auch die Logik an sich.</p>
<p>Heute beglückte Prantl seine Leser mit einem eher mageren &#8220;Kommentar&#8221; zur Einführung der neuen Version des &#8220;Nacktscanners&#8221; an Flughäfen. <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/scanner-an-flughaefen-der-nacktwandler-1.985655">[1]</a></p>
<blockquote><p>Der Nacktscanner ist kein Nacktscanner mehr. Es wird an deutschen Flughäfen keine elektronischen Massenentkleidungen geben. Der neue Scanner zeigt den Körper angeblich nur als eine Art Strichmännchen.</p></blockquote>
<p>jubelte er da und stellte das als</p>
<blockquote><p>schönes Ergebnis des empörten öffentlichen Widerstandes</p></blockquote>
<p>gegen den so arg verpönten Nackscanner dar, denn:</p>
<blockquote><p>Die ursprünglichen Geräte hätten die Menschenwürde am Fließband verletzt.</p></blockquote>
<p>Nun, der &#8220;empörte öffentliche Widerstand&#8221; war in Wirklichkeit kaum wahrnehmbar, geschweige denn, dass er etwas bewegt haben könnte. Die meisten Fluggäste hätten den Scanner eben hingenommen, so wie sie die Leibesvisitation auch hingenommen haben, vielleicht sogar ein bisschen eher, weil ihnen die körperliche Untersuchung unangenehmer ist als die Vorstellung, dass das Flughafenpersonal sie - und Millionen anderer Fluggäste nackt sehen könnte.</p>
<p>Selbst wenn es diesen &#8220;empörten öffentlichen Widerstand&#8221; aber gegeben hätte - er wäre für das, was nun den Weg in die Presse gefunden hat, sicherlich nicht verantwortlich. Das ist nämlich das Resultat dessen, was bereits vor gut einem halben Jahr angekündigt worden war:</p>
<blockquote><p>Bundesinnenminister Thomas de Maizière hält den Einsatz von Körperscannern an deutschen Flughäfen für möglich. Voraussetzung dafür sei aber die Entwicklung einer neuen Generation von Geräten, sage er in der ARD. Dies geschehe gerade in Kooperation mit den Niederlanden.</p>
<p>Die modernen Körperscanner müssten leistungsfähig und nicht gesundheitsschädlich sein, sowie die Intimsphäre der Flugpassagiere achten. Ziel sei es, die menschliche Silhouette nur schemenhaft darzustellen, so dass die Persönlichkeitsrechte geachtet würden. <a href="http://www.tagesschau.de/inland/sicherheitsgesetze106.html">[2]</a></p></blockquote>
<p>Die &#8220;Körperscanner&#8221; sollten dann nicht mehr &#8220;Nacktscanner&#8221; sein und sich von ihnen auch und vor allem in der Darstellung des Fluggastes unterscheiden.</p>
<p>Das ließ Heribert Prantl seinerzeit nicht gelten. <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/flugsicherheit-und-terror-wenn-der-staat-zu-weit-geht-1.76329">[3]</a></p>
<blockquote><p>Wer fliegen will, darf kein Schamgefühl mehr haben. Die Fluggäste werden zwar nicht, wie der Clown, leibhaftig ausgezogen, aber doch elektronisch: Die Nacktscanner durchleuchten bis auf die Haut, man sieht auf den Schirmen ein Bild des nackten Körpers.</p></blockquote>
<blockquote><p>Nirgendwo werden aus Absurditäten so schnell Normalitäten wie auf dem Gebiet der inneren Sicherheit. Präventive Logik ist expansiv. Sie nimmt auch auf Schamgefühle wenig Rücksicht. Die Bürger haben sich, weil ihnen Sicherheit mit Recht wichtig ist, bisher viel gefallen lassen. Es gibt Grenzen. Wenn der Staat zu weit geht, geht er zu weit.</p></blockquote>
<p>schwadronierte er und dem Innenminister glaubte er kein Wort.</p>
<blockquote><p>Wie auch immer das funktionieren soll: Das Scanner-Gerät wird jedenfalls, so verspricht es der Bundesinnenminister, auf die Persönlichkeitsrechte achten. Wenn das Gerät das wirklich kann, ist es besser als der Deutsche Bundestag.</p></blockquote>
<p>Die Weiterentwicklung des Scanners hielt er für eine &#8220;terminologische Verharmlosung&#8221;.<br />
<br /> </br><br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-3922" title="terminologische-verharmlosung" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/terminologische-verharmlosung.jpg" alt="terminologische-verharmlosung" width="520" height="103" /></p>
<blockquote><p>Das Nacktscanning heißt jetzt Körperscanning - doch Tatsache bleibt: Wer künftig fliegen will, darf kein Schamgefühl haben.</p></blockquote>
<p style="text-align: left;">
<br /> </br><br />
Zum besseren Verständnis:</p>
<p>Die Darstellung des &#8220;Nacktscanners&#8221; hätte etwa so ausgesehen: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Mmw_large.jpg">[4]</a></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3923" title="nackscanner" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/nackscanner.jpg" alt="nackscanner" width="488" height="281" /><br />
<br /> </br><br />
die des &#8220;Körperscanners&#8221; so: <a href="http://www.tagesschau.de/inland/sicherheitsgesetze104-magnifier_pos-1.html">[5]</a></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3924" title="koerperscanner" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/koerperscanner.jpg" alt="koerperscanner" width="560" height="476" /><br />
<br /> </br><br />
Laut Prantl ein und dasselbe.</p>
<p>Und hier nun der Erfolg des &#8220;empörten öffentlichen Widerstands&#8221;<br />
<br /> </br><br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-3925" title="nacktwandler" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/nacktwandler.jpg" alt="nacktwandler" width="516" height="524" /><br />
<br /> </br><br />
Fällt Ihnen was auf? Ja? Das &#8220;gute&#8221; Strichmännchen von jetzt ist nichts anderes als das &#8220;böse&#8221; Strichmännchen vom Dezember? Dann sind Sie schon einen großen Schritt weiter als Heribert Prantl.</p>
<p>Hätte der das damals schon erkennen können? Durchaus: Als sein Kommentar &#8220;Wenn der Staat zu weit geht&#8221; online ging, am 30.12.2009 um 18:32 Uhr, da war das Interview mit Innenminister Thomas de Maizière von 7:12 Uhr desselben Tages <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/de-maizire-zu-koerperscannern-nur-eine-art-strichmaennchen-1.72144">[6]</a> bereits seit elf Stunden online. Darin führte dieser aus:</p>
<blockquote><p>Der Vorteil, der damit verbunden ist, ist, dass man nicht nur Metallgegenstände, sondern auch feste und flüssige Sprengstoffe, Keramikmesser und Ähnliches entdecken  kann.<br />
Dabei müssen drei Kriterien erfüllt sein. Erstens: Ein solches Gerät muss leistungsfähig sein, es muss die Dinge, die man erkennen will, erkennen lassen. Zweitens: Das Gerät muss gesundheitlich völlig unbedenklich sein. Drittens: Es müssen die Persönlichkeitsrechte vollumfänglich gewahrt werden. Im Moment wird ja nur über das dritte Kriterium diskutiert, das ist auch in Ordnung, aber es müssen alle drei Kriterien zusammen gegeben sein. Erst dann kann über den Einsatz solcher Geräte entschieden werden.</p></blockquote>
<blockquote><p>Ein geeigneter Scanner hat möglicherweise die Vorteile, dass er schneller arbeitet und dass es kein körperliches Abtasten gibt.</p>
<p>SZ: Wenn die elektronischen Kontrolleure die Genitalien visitieren, ist das aber auch nicht sehr angenehm.</p>
<p>de Maizière: Die Technik, die auch unter Beteiligung der Bundespolizei erprobt wird, besteht darin, die körperlichen Strukturen so zu verunklaren, dass man den Körper nur noch als eine Art Strichmännchen sieht, aber etwa verbotene Gegenstände konkret erkennt.</p></blockquote>
<p>Das Interview führte: ein gewisser Heribert Prantl, es erschien unter dem Titel</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3926" title="strichmaennchen" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/strichmaennchen.jpg" alt="strichmaennchen" width="462" height="136" /></p>
<p>Derselbe Heribert Prantl, der noch am selben Tag von &#8220;terminologischer Verharmlosung&#8221; bei der Bezeichnung &#8220;Körperscanner&#8221; statt &#8220;Nacktscanner&#8221; für die Strichmännchen statt der Detail-Aufnahmen sprach - und derselbe Heribert Prantl, der nun heute eben diese Strichmännchen als Errungenschaft des &#8220;empörten öffentlichen Widerstands&#8221; feierte.<br />
<br /> </br><br />
Es ist nur eine Vermutung meinerseits, dass so viel widersprüchlicher Unsinn dazu geführt hat, dass diese Personen hier <a href="http://www.sueddeutsche.de/leben/momentaufnahmen-bilder-des-tages-1.978148">[7]</a> getreue Prantl-Leser sind, die meinen, sich auch für die Achterbahn entkleiden zu müssen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3927" title="achterbahn" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/achterbahn.jpg" alt="achterbahn" width="561" height="421" /><br />
<br /> </br> <br /> </br><br />
Jaspis<br />
<br /> </br> <br /> </br><br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/scanner-an-flughaefen-der-nacktwandler-1.985655">[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/scanner-an-flughaefen-der-nacktwandler-1.985655</a><br />
<a href="http://www.tagesschau.de/inland/sicherheitsgesetze106.html">[2] http://www.tagesschau.de/inland/sicherheitsgesetze106.html</a><br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/flugsicherheit-und-terror-wenn-der-staat-zu-weit-geht-1.76329">[3] http://www.sueddeutsche.de/politik/flugsicherheit-und-terror-wenn-der-staat-zu-weit-geht-1.76329</a><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Mmw_large.jpg">[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Mmw_large.jpg</a><br />
<a href="http://www.tagesschau.de/inland/sicherheitsgesetze104-magnifier_pos-1.html">[5] http://www.tagesschau.de/inland/sicherheitsgesetze104-magnifier_pos-1.html</a><a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/de-maizire-zu-koerperscannern-nur-eine-art-strichmaennchen-1.72144"><br />
[6] http://www.sueddeutsche.de/politik/de-maizire-zu-koerperscannern-nur-eine-art-strichmaennchen-1.72144</a><br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/leben/momentaufnahmen-bilder-des-tages-1.978148">[7] http://www.sueddeutsche.de/leben/momentaufnahmen-bilder-des-tages-1.978148</a></p>
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		<item>
		<title>Ich fange mit dem Geringsten an: Es ist ein Beschluss.</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Aug 2010 23:46:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jaspis</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Familie]]></category>

		<category><![CDATA[Halbwahrheiten]]></category>

		<category><![CDATA[NonSZens]]></category>

		<category><![CDATA[Prantl-ismus]]></category>

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		<description><![CDATA[In der letzten Woche hat das Bundesverfassungsgericht eine unglaublich wichtige Entscheidung gefällt: Es stellte fest, dass die seit 1998 geltende Regelung verfassungswidrig ist, nach der es allein von der Mutter eines nichtehelichen Kindes abhängt, ob auch der Vater das Sorgerecht bekommt. Stimmt sie dem nicht zu, dann ist der Vater davon gänzlich ausgeschlossen und hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">In der letzten Woche hat das Bundesverfassungsgericht eine unglaublich wichtige Entscheidung gefällt: Es stellte fest, dass die seit 1998 geltende Regelung verfassungswidrig ist, nach der es allein von der Mutter eines nichtehelichen Kindes abhängt, ob auch der Vater das Sorgerecht bekommt. Stimmt sie dem nicht zu, dann ist der Vater davon gänzlich ausgeschlossen und hat auch keine Möglichkeit, es gerichtlich überprüfen zu lassen, ob es aus Gründen des Kindeswohls angezeigt ist, ihm zusammen mit der Mutter die Sorge für sein Kind einzuräumen oder ihm anstelle der Mutter die Alleinsorge für das Kind zu übertragen. <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100721_1bvr042009.html">[1]</a></p>
<p>Bis der Gesetzgeber diesen verfassungswidrigen Zustand durch eine entsprechende Gesetzesänderung behebt, gilt eine Übergangsregelung, nach der der beanstandete § 1626a Abs. 1 Nr. 1 BGB vorläufig dahingehend ergänzt wird, dass das Familiengericht bis zum Inkrafttreten einer gesetzlichen Neuregelung den Eltern auf Antrag eines Elternteils die elterliche Sorge oder einen Teil der elterlichen Sorge gemeinsam überträgt, soweit zu erwarten ist, dass dies dem Kindeswohl entspricht.</p>
<p>Es wurde viel geschrieben zu diesem Thema - auch von Heribert Prantl, der sich gleich zu drei Elaboraten mit mehr oder minder hanebüchenem Inhalt veranlasst fühlte.</p>
<p>Ich fange mit dem Geringsten an: Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 21.07.2010 ist kein Urteil, sondern es ist ein Beschluss.</p>
<p>Dass das ein Beschluss ist und kein Urteil, interessiert juristische Laien eher weniger. Einem Juristen sollte ein derartiger Lapsus (der auch dadurch nicht besser wird, dass Frau Justizministerin, vormals Rechtsanwältin, denselben Fehler macht) aber eigentlich eher nicht passieren. Spätestens wenn er sich wenigstens die Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg10-057.html">[2]</a> angesehen hätte, wäre ihm das Wörtchen &#8220;Beschluss&#8221; ins Auge gesprungen,</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3913" title="beschluss-bverfg" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/beschluss-bverfg.jpg" alt="beschluss-bverfg" width="596" height="169" /></p>
<p>so dass er überhaupt nicht mehr auf die Idee gekommen wäre, von einem &#8220;Urteil&#8221; zu sprechen. - Wenn - ja, wenn er sich die Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts angesehen hätte. Die Wortverwechslung ist aber nicht der einzige Hinweis darauf, dass er gerade das nicht getan hat. Nein, so etwas hat ein Heribert Prantl nicht nötig. Der kann auch auswendig herumfabulieren. Denn was sein Geschriebenes mit dem, was er &#8220;behandelt&#8221; zu tun hat, das interessiert schließlich weder ihn noch seine Leser.</p>
<blockquote><p>Das Urteil [also der Beschluss, Anm. Jaspis] des Bundesverfassungsgericht zum Sorgerecht lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Jedes Kind hat ein Recht auf Mama und Papa, auch das nichteheliche Kind.</p></blockquote>
<p>meint Prantl,<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-zu-sorgerecht-eine-juristische-kinderhymne-aus-karlsruhe-1.983339">[3]</a> und sagt das, wohl um sich selbst die im übrigen fehlende Bestätigung zu geben, gleich ein paar Mal in unterschiedlichen Satzkonstellationen bis hin zu:</p>
<blockquote><p>Noch einmal: Kinder haben ein Recht auf Mama und Papa</p></blockquote>
<p>Das ist zwar schön gesagt und auch an sich nicht falsch. Aber hier trotzdem Quatsch. Geprüft hat das Bundesverfassungsgericht die Väter- und nicht die Kinderrechte. Dass die sich natürlich am Kindswohl zu orientieren haben, wäre zumindest einem Familienrechtler geläufig. Das hat das Bundesverfassungsgericht aber ebensowenig in diesem Beschluss gesagt wie das von Prantl aus dem Hut gezauberte</p>
<blockquote><p>Das höchste deutsche Gericht hat aber dem Elterngrundrecht ein ungeschriebenes Kindergrundrecht an die Seite gestellt.</p></blockquote>
<p>oder</p>
<blockquote><p>Der Streit der politischen Parteien darüber, ob Kinder ein eigenes Grundrecht brauchen, ist entschieden: Sie brauchen es nicht nur, sie haben es schon. Kinder haben ein Grundrecht &#8220;auf Pflege und Erziehung&#8221;.</p></blockquote>
<p>Hätte sich Prantl die Mühe gemacht, die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts auch zu lesen statt sie nur ohne Lesebrille zu überfliegen, dann hätte er vielleicht feststellen können, dass darin die &#8220;Pflege und Erziehung&#8221; zwar erwähnt wird, aber nicht als nun herausgearbeitetes Grundrecht der Kinder, sondern als geschütztes Recht der Eltern:</p>
<blockquote><p>Die elterliche Sorge ist essentieller Bestandteil des von Art. 6 Abs. 2 GG geschützten Rechts der Eltern auf Pflege und Erziehung des eigenen Kindes (vgl.BVerfGE 56, 363 &lt;382&gt;). Wird sie einem Elternteil generell vorenthalten, liegt darin ein Eingriff.<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100721_1bvr042009.html">[1]</a></p></blockquote>
<p>Kinder haben schon ein Recht auf Mama und Papa, das ist schon richtig. Das musste mit dieser Entscheidung aber auch überhaupt nicht geklärt werden. Denn das Umgangsrecht (um das dem Kind beim &#8220;Recht auf Mama und Papa&#8221; ja im Wesentlichen geht), das hatten die nichtehelichen Väter auch schon vorher (theoretisch zumindest). Hier ging es aber nicht um das Umgangs- sondern um das Sorgerecht: Wer darf zum Beispiel entscheiden, wo das Kind lebt, auf welche Schule es geht und ob eine Kieferoperation durchgeführt werden soll.</p>
<p>Das Prekäre ist, dass es dieselbe Justizministerin ist, die nun von ihrer Fehleinschätzung aus dem Jahr 1998 eingeholt wird. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war auch schon im Amt, als die nun für verfassungswidrig erklärte Norm geschaffen wurde. Freilich war bereits diese Regelung ein Fortschritt. Doch dass sie so, wie sie geschaffen wurde, mit der Verfassung nicht in Einklang zu bringen wäre, hätte man schon damals erkennen können. Seinerzeit ging der Gesetzgeber davon aus, dass die Mütter nur aus triftigem Grund dem Vater ihres nichtehelichen Kind das Sorgerecht verweigern würden. Eine reichlich naive Annahme, wie sich nun definitiv herausgestellt hat:</p>
<blockquote><p>Die hierzu durchgeführten Befragungen von Institutionen und Experten, die aufgrund ständiger Befassung mit der Sorgetragung von Eltern nichtehelicher Kinder über Erfahrungen zur Motivation von Müttern verfügen, die einer gemeinsamen Sorge nicht zustimmen, aber auch die bisher vorliegenden Ergebnisse der Befragungen von Müttern lassen erkennen, dass neben Kindeswohlerwägungen häufig auch persönliche Wünsche der Mütter zu deren Ablehnung einer gemeinsamen Sorge mit dem Vater des Kindes führen. So wurde oftmals als Begründung angegeben, man wolle die Alleinsorge behalten, um allein über die Angelegenheiten des Kindes entscheiden zu können, wolle sich also nicht mit dem Vater darauf verständigen müssen oder nichts mit dem Vater zu tun habe. <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100721_1bvr042009.html">[1]</a></p></blockquote>
<p>Gerne möchte Prantl das daher nun der Justizministerin um die Ohren hauen. Nur haut er dabei völlig daneben. Die Justizministerin plant nämlich nun offenbar eine Art &#8220;Widerspruchsmodell&#8221;, wie Prantl es nennt.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-full wp-image-3914" title="schlupfloch" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/schlupfloch.jpg" alt="schlupfloch" width="450" height="170" /></p>
<p>Was darüber vorerst an die Öffentlichkeit gedrungen ist, lautet:</p>
<blockquote><p>Künftig sollen auch ledige Väter das Sorgerecht erhalten können, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Dazu gehört etwa die Anerkennung der Vaterschaft. Mütter müssen allerdings die Möglichkeit haben, innerhalb einer angemessenen Frist zu widersprechen. Das Familiengericht muss dann schon triftige Gründe dafür anführen, dass es nur einem Elternteil das alleinige Sorgerecht zuspricht. Wir beraten zurzeit über die konkrete Ausgestaltung der Reform. Künftig soll kein Elternteil mehr bevorzugt werden. Das gilt für beide Seiten. Im Mittelpunkt muss natürlich stets das Wohl des Kindes stehen. Ziel muss es daher sein, dass in möglichst vielen Fällen beide Eltern das Sorgerecht gemeinsam ausüben. Das ist im Zweifel für das Kind das Beste. <a href="http://www.pnp.de/nachrichten/artikel.php?cid=29-29026977&amp;Ressort=pol&amp;BNR=0">[4]</a></p></blockquote>
<p>Dazu meint Prantl <a href="http://www.sueddeutsche.de/leben/sorgerecht-fuer-ledige-vaeter-der-papa-kanns-nicht-richten-1.979911">[5]</a></p>
<blockquote><p>Das Widerspuchsmodell ist gut gemeint, fordert aber zum Widerspruch heraus. Erstens: Es kann kein gemeinsames Sorgerecht für nichteheliche Kinder &#8220;von Anfang&#8221;, also von Geburt an geben, sondern erst ab Vaterschaftsanerkenntnis. Denn erst dann steht der Vater fest. Bei verheirateten Partnern gilt kraft gesetzlicher Vermutung der Ehemann als Vater. Die Vaterschaft bei Unverheirateten einfach an den Mann zu knüpfen, der mit der Mutter gerade zusammenlebt, wäre eine zu unsichere Sache. Außerdem soll ja die gemeinsame Sorge nicht nur dann begründet werden können, wenn die Eltern beisammen leben.</p>
<p>Zweitens: Widerspruchslösung bedeutet, dass es eine kurze Frist gibt, innerhalb der die Mutter beim Gericht Widerspruch gegen die per Gesetz begründete gemeinsame Sorge einlegen kann. Sicherlich: Es muss möglich sein, ein gemeinsames Sorgerecht zu trennen, wenn die Eltern ihren Streit auf dem Rücken des Kindes austragen. Doch warum nur innerhalb einer Frist? Sie setzt die Mutter unnötig unter Druck und lässt sie schon vorsorglich Widerspruch einlegen. Außerdem bevorzugt auch die neue Lösung die Mutter insofern, als nur sie Widerspruch einlegen kann mit der Folge, dass sie die Alleinsorge erhält. Es kann aber dem Kindeswohl im Einzelfall entsprechen, wenn der Vater die Alleinsorge kriegt.</p>
<p>Die Widerspruchslösung fördert nicht die Gemeinsamkeit, sondern den Streit der Eltern. Sie ist ein Schlupfloch aus der gemeinsamen Sorge.</p></blockquote>
<p>Das Erstaunliche an dieser &#8220;Argumentation&#8221; ist, dass sie sich gegen Konstrukte richtet, die Prantl sich selber gebastelt hat, und nicht um solche der Ministerin. Diese sagt kein Wort von &#8220;von Anfang an&#8221;, sondern spricht vom Vorliegen &#8220;bestimmter Voraussetzungen&#8221;, wie etwa der Anerkennung der Vaterschaft. Die Frist ist bei der Ministerin &#8220;angemessen&#8221;, Prantl macht sie &#8220;kurz&#8221; und beschwert sich dann, dass sie kurz ist fabuliert von &#8220;Druck&#8221;, der bei einer angemessenen Frist aber eher nicht zu erwarten ist. Gänzlich im Wald landet Prantl mit</p>
<blockquote><p>Außerdem bevorzugt auch die neue Lösung die Mutter insofern, als nur sie Widerspruch einlegen kann mit der Folge, dass sie die Alleinsorge erhält. Es kann aber dem Kindeswohl im Einzelfall entsprechen, wenn der Vater die Alleinsorge kriegt.</p></blockquote>
<p>Und hier hat er leider völlig die Realität aus den Augen verloren. Die Situation ist (nach dem Vorschlag des Ministeriums): Die gemeinsame Sorge tritt ab der Vaterschaftsanerkennung (und anderer Voraussetzungen) ein. Erkennt der Vater die Vaterschaft aber erst nach der Geburt an, vielleicht sogar erst nach einen Vaterschaftstest und der womöglich erst im Rahmen eines gerichtlichen Vaterschafts-Verfahrens, dann muss zwingend zuvor die Mutter die alleinige Sorge haben, denn sonst hätte sie ja gar keiner. Das darf aber nicht sein. Auch in den ersten Tagen können schon lebenswichtige Entscheidungen zu treffen sein. Das fand das Bundesverfassungsgericht damals wie jetzt schon in Ordnung:</p>
<blockquote><p>Anders als bei Eltern ehelicher Kinder, die sich mit dem Eheschluss rechtlich dazu verpflichtet hätten, füreinander und für ein gemeinsames Kind Verantwortung zu tragen, könne der Gesetzgeber bei nicht miteinander verheirateten Eltern auch heutzutage nicht generell davon ausgehen, dass diese in häuslicher Gemeinschaft lebten und gemeinsam für das Kind Verantwortung übernehmen wollten und könnten. Das Kindeswohl verlange, dass das Kind ab seiner Geburt eine Person habe, die für das Kind rechtsverbindlich handeln könne. Angesichts der Unterschiedlichkeit der Lebensverhältnisse, in die nichteheliche Kinder hineingeboren würden, sei es gerechtfertigt, das Kind bei der Geburt sorgerechtlich grundsätzlich der Mutter und nicht dem Vater oder beiden Elternteilen gemeinsam zuzuordnen.<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100721_1bvr042009.html">[1]</a></p></blockquote>
<p>und verwies dabei auch auf den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR):</p>
<blockquote><p>Indem der deutsche Gesetzgeber Eltern eines nichtehelichen Kindes gestatte, sich auf das gemeinsame Sorgerecht zu einigen, versuche er, die nicht miteinander verheirateten Eltern in gewissem Umfang verheirateten Eltern gleichzustellen, die sich mit dem Eheschluss dazu verpflichtet hätten, füreinander und für ein gemeinsames Kind Verantwortung zu tragen. Angesichts der unterschiedlichen Lebenssituationen nichtehelicher Kinder und in Ermangelung einer gemeinsamen Sorgeerklärung sei es auch gerechtfertigt, zum Schutz des Kindeswohls die elterliche Sorge zunächst der Mutter zuzuweisen, um sicherzustellen, dass es ab der Geburt eine Person gebe, die für das Kind rechtsverbindlich handeln könne.<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100721_1bvr042009.html">[1]</a></p></blockquote>
<p>Wenn sich Prantl fragen würde, wogegen genau der Vater in dieser Zeit widersprechen soll - in einer Zeit, in der er wohlgemerkt, die Vaterschaft noch nicht einmal anerkannt hat - käme er vielleicht von selbst auf den tieferen Un-Sinn seiner Empörung. Dass es dem Kindeswohl im Einzelfall entsprechen kann, wenn der Vater die Alleinsorge kriegt, ist dagegen durchaus richtig. Nur braucht es dafür aber kein Widerspruchsrecht, das kann dann genauso bei Gericht beantragt werden, wie das jetzt schon der Fall ist für die Eltern, die einmal miteinander verheiratet waren oder die sonst die gemeinsame elterliche Sorge haben. Denn gerade diesen Weg, nämlich den vor die Gerichte, hat das Bundesverfassungsgericht nun eröffnet.</p>
<p>Dass die Mutter ein Widerspruchsrecht bekommt, das verhindert, dass der Vater ihres nichtehelichen Kindes das Sorgerecht &#8220;automatisch&#8221; bekommt, liegt auch daran, dass es schwerwiegende Gründe geben kann, die von vornherein gegen eine gemeinsame elterliche Sorge sprechen: Das Kind kann das &#8220;Produkt&#8221; einer Vergewaltigung sein. Oder eines so genannten &#8220;Besenkammer-Abenteuers&#8221;. Oder der Vater hat sich im Grunde aus dem Staub gemacht und ist für keine relevante Entscheidung greifbar. Dass dieses Widerspruchsrecht nicht willkürlich ausgeübt werden darf, ergibt sich aus der Begründung des Bundesverfassungsgerichts. Ein &#8220;Schlupfloch aus der gemeinsamen Sorge&#8221; ist es sicher nicht.</p>
<p>Nun wäre Prantl nicht Prantl, wenn er nicht auch diesem Unsinn noch einen größeren draufsetzen würde.</p>
<p style="text-align: center;">
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3915" title="gewaltenteilung-ade" src="http://www.suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/gewaltenteilung-ade.jpg" alt="gewaltenteilung-ade" width="458" height="459" /></p>
<p>meint er <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-des-bundesverfassungsgerichts-es-gilt-das-neue-sorgerecht-ab-sofort-1.984205">[6]</a> und schießt sich damit völlig ins Aus.</p>
<p>Ja, schon, die Gerichte stehen jetzt schon offen. Das liegt an der Übergangsregelung, die das Bundesverfassungsgericht den Vätern nun vorübergehend mit auf den Weg gegeben hat. Aber eigentlich geht das nicht. Das Bundesverfassungsgericht ist ein Gericht, wenn auch das höchste deutsche, und nicht der Gesetzgeber. Es kann - eigentlich - nur darüber befinden, ob die geprüfte Norm verfassungswidrig ist oder nicht und sie dann gegebenenfalls für nichtig erklären. Ersetzen darf es sie nicht. Auch dazu führt das Gericht aber aus:</p>
<blockquote><p>Steht eine Norm mit dem Grundgesetz nicht in Einklang, so ist sie grundsätzlich für nichtig zu erklären (§ 95 Abs. 3 Satz 1 und 2 BVerfGG). Dies gilt allerdings nicht, wenn durch die Nichtigkeit ein Zustand geschaffen würde, der von der verfassungsmäßigen Ordnung noch weiter entfernt wäre als der bisherige (vgl. BVerfGE 119, 331 &lt;382 f.&gt;). Danach scheidet eine Nichtigerklärung der § 1626a Abs. 1 Nr. 1, § 1672 Abs. 1 BGB hier aus, weil sie zur Folge hätte, dass die Begründung einer gemeinsamen elterlichen Sorge oder die Übertragung der Alleinsorge auf den Vater selbst dann nicht mehr möglich wäre, wenn die Eltern eines nichtehelichen Kindes dies übereinstimmend wollten. Zudem steht einer Nichtigerklärung entgegen, dass dem Gesetzgeber verschiedene Möglichkeiten offen stehen, den verfassungswidrigen Zustand zu beseitigen (vgl.BVerfGE 109, 256 &lt;273&gt;).<br />
Auch eine Unanwendbarkeit (vgl. BVerfGE 84, 9 &lt;21&gt;) der Normen in Folge ihrer Unvereinbarkeit mit Art. 6 Abs. 2 GG kommt nicht in Betracht, da dies ebenfalls den verfassungswidrigen Zustand nur weiter vertiefen würde.<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100721_1bvr042009.html">[1]</a></p></blockquote>
<p>Der Zustand, der also ohne die Norm, die für nichtig erklärt wurde, eintreten würde, wäre noch verfassungswidriger als mit ihr. Alle Verfahren aussetzen, bis der Gesetzgeber reagiert, würde ebenfalls die Verfassungswidrigkeit vertiefen. Deshalb ist es</p>
<blockquote><p>zur vorübergehenden Sicherstellung eines verfassungs- und konventionsgemäßen Zustandes angezeigt, eine Übergangsregelung zu treffen. Dabei ist eine Lösung zu wählen, die der gesetzlichen Regelung nicht vorgreift und sie nicht erschwert.<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100721_1bvr042009.html">[1]</a></p></blockquote>
<p>Davon, dass der Gesetzgeber die Gesetze macht und nicht die Gerichte, noch nicht einmal das Bundesverfassungsgericht, sollte auch ein Schreiber eines Nachrichtenblatts im süddeutschen Raum schon einmal etwas gehört haben, vor allem ein solcher Schreiber, der überall Gefahren für die Demokratie riecht, auch da, wo gar keine sind. Und ausgerechnet dieser Schreiber setzt nonchalant die Gewaltenteilung außer Kraft und behauptet</p>
<blockquote><p>Der Weg zum Sorgerecht muss den nichtehelichen Vätern nicht erst per Gesetz geöffnet werden. Der Weg ist schon offen, seit Dienstag, seit Verkündung der Entscheidung.<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-des-bundesverfassungsgerichts-es-gilt-das-neue-sorgerecht-ab-sofort-1.984205">[6]</a></p></blockquote>
<p>&#8220;Ein Blick ins Gesetz, so heißt ein alter Juristenkalauer, erleichtert die Rechtsfindung&#8221; höhnt ausgerechnet Heribert Prantl. Doch was nützt der Blick ins Gesetz, wenn einer das Lesen verweigert, weil er sich selbst für das Maß aller Dinge hält?<br />
<br /> </br> <br /> </br><br />
Jaspis<br />
<br /> </br> <br /> </br><br />
<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100721_1bvr042009.html">[1] http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20100721_1bvr042009.html</a><br />
<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg10-057.html">[2] http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg10-057.html</a><br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-zu-sorgerecht-eine-juristische-kinderhymne-aus-karlsruhe-1.983339">[3] http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-zu-sorgerecht-eine-juristische-kinderhymne-aus-karlsruhe-1.983339</a><br />
<a href="http://www.pnp.de/nachrichten/artikel.php?cid=29-29026977&amp;Ressort=pol&amp;BNR=0">[4] http://www.pnp.de/nachrichten/artikel.php?cid=29-29026977&amp;Ressort=pol&amp;BNR=0</a><br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/leben/sorgerecht-fuer-ledige-vaeter-der-papa-kanns-nicht-richten-1.979911">[5] http://www.sueddeutsche.de/leben/sorgerecht-fuer-ledige-vaeter-der-papa-kanns-nicht-richten-1.979911</a><br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-des-bundesverfassungsgerichts-es-gilt-das-neue-sorgerecht-ab-sofort-1.984205">[6] http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-des-bundesverfassungsgerichts-es-gilt-das-neue-sorgerecht-ab-sofort-1.984205</a></p>
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