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9/11

9-11-01

9-11-02

(Anklicken der Tafel führt zur CNN Memorial-Liste)




Genug!!

Genug!! - Das hat sich offenbar manch einer in der SZ-Redaktion gedacht. Genug mit dem Verständnis, das hier und da für Israel geäußert worden ist. Genug damit, dass immer noch manche meinen, Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung und genug damit, dass sogar im eigenen Haus Schlagzeilen passieren wie [1].


respekt



Zu dumm, dass man all das nicht wegdiskutieren und auch nicht ignorieren kann. Es musste eine Lösung her, die endlich wieder den Juden die Allein-Schuld zuweist, ohne wenn und aber. Etwas, das man dann auch mit


schuld



übertiteln kann.  Man kramte und suchte - und wurde fündig. 
[2]


tiere1



Usama Antar erklärt hier den SZ-Lesern, dass es nur einen Schuldigen am Nahostkonflikt gibt: Israel.

Nicht die Palästinenser sind schuld am Krieg. Israels harte Blockade des Gazastreifens treibt sie zur Gewalt.

Im Grunde genommen sind die Hamas-Brüder putzige, friedliebende Leutchen, die nur in Ruhe ihren Tee trinken wollen. Wäre da nicht dieser abgrundtief böse Nachbar Israel, der sie praktisch dazu zwingt, Raketen auf ihn abzufeuern, Selbstmordattentäter zu schicken und sich selbst hinter Kindern zu verstecken.

Traurig ist dabei, dass man in Deutschland stets der palästinensischen Seite die Schuld zuweist, wenn wieder einmal die Gewalt eskaliert - insbesondere der Hamas. Dabei vergisst man, dass der Gazastreifen bereits seit 47 Jahren besetzt ist und die Menschen hier unter unmenschlichen Umständen leben.

… was natürlich nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus der Geschichte ist. Tatsächlich ist die Region seit Jahrhunderten “besetzt”: Von Ägyptern, Philistern, Persern, Osmanen, wieder Ägyptern, Israel und seit 2005 den “Palästinensern”. Die Angabe “seit 47 Jahren” ist bereits eine Schuldzuweisung: Offenbar geht es den “Palästinensern” (die damals noch gar keine waren) erst schlecht, seit der Staat Israel gegründet wurde. Eine Suggestion, die einem seriösen Wissenschaftler, als der der Gastautor angepriesen wird, nicht unterlaufen darf.

Sicher, ein “Gastbeitrag” ist immer eine Form der Meinungsäußerung. Bloß ist das hier nicht nur praktisch nicht gekennzeichnet. Der Beitrag ist von Anfang bis Ende als wissenschaftliche Expertise positioniert, von der schuldzuweisenden Ober-Überschrift bis hinunter zum Hinweis darauf, dass der Autor ein Politikwissenschaftler sei. Dass er Palästinenser ist, braucht der Leser nicht zu wissen. Doch nicht nur, dass die Süddeutsche diesen “Gastbeitrag”, hinter dem sie sich selbst feige versteckt, als pure Meinungsäußerung nicht in einer Weise gekennzeichnet, dass sie als solche erkennbar ist. Sie ist auch noch plump genug, den Titel ein Interviews der ZEIT mit dem Autor wiederaufwärmen zu lassen, dessen Titel wohl ausschlaggebend für die Wahl des Gastautors gewesen ist: [3]


tiere2

Das Interview stammt übrigens vom Januar 2008.

Schon darin versuchte der palästinensische Gastautor, den Lesern zu vermitteln, dass es Israel und die EU-Sanktionen gewesen seien, die, bereits 2006 verhängt, die Hamas “radikalisiert” hätten. Dieselbe Hamas, die in ihrer Charta die Vernichtung der Juden zum Programm gemacht hat. Von Antar selbst seinerzeit noch als Illegal bezeichnet. Während er 2008 noch selbst zitierte:

Ein Menschenrechtler hat das einmal so beschrieben: Die Menschen in Gaza leben wie in einem großen Käfig, sie werden nur mit Lebensmitteln versorgt. Wie Tiere im Zoo.

Es gibt keinerlei Bewegungsfreiheit, keine freie Meinungsäußerung, keine Parteien. Wir haben es mit der Herrschaft einer einzigen Macht zu tun: der Hamas.

was noch sehr klar auf die Hamas hindeutet (von EU und Israel dazu gedrängt, versteht sich), liest sich der wiederaufgekochte Brei nun so:

Seit mehr als sieben Jahren leben die Palästinenser im Gazastreifen nun schon unter einer harten Blockade. Einfache Grundrechte wie Bewegungsfreiheit sind nicht vorhanden. Selbst die Einfuhr von Baumaterialen ist nicht gestattet, um die bombardierten Häuser wieder aufzubauen. Im Gazastreifen werden die Menschen nur mit den nötigen Lebensmitteln versorgt - Tieren im Zoo geht es besser. Mehr als die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung hat keinen Job. Die Armutsrate stieg auf über 70 Prozent.

Was selbstredend an niemand anderem liegt als an Israel. Nicht an der Hamas, die die Gelder, die von überall in den Gazastreifen gepumpt werden, lieber in Raketen und Tunneln für Anschläge investiert als für das Volk, für das sie gedacht waren.

Was sollen die Palästinenser in Anbetracht dieser bitteren Ausweglosigkeit nur machen?

Und die einzige Antwort sind offenbar Terrorakte durch “die” Palästinenser? Ausgeführt von Hamas-Terroristen. Das muss man nicht verstehen - und darum geht es auch nicht. Denn nichts ist zu blöd und zu krude, wenn es darum geht, den Juden als Sündenbock darzustellen.



Danke. Ich habe genug!!





Jaspis





[1] http://www.suedwatch.de/blog/?p=12239
[2] http://www.sueddeutsche.de/politik/leiden-der-palaestinenser-im-nahostkonflikt-tieren-im-zoo-geht-es-besser-als-den-menschen-in-gaza-1.2085047
[3] http://www.zeit.de/online/2007/39/interview-gaza-ansar/komplettansicht

Es ist gerade einmal ein Jahr her, da präsentierte uns die Süddeutsche Zeitung ungeniert ein vampirsgebissiges und ergo blutsaugendes Juden-Monster, mit gewetztem Messer und gezückter Gabel im Bett liegend, und einer Frau im Vordergrund, die dem Ungeheuer ein reich gedecktes Frühstückstablett servierte. Bildunterschrift dazu…

“Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefräßigen Moloch.

sz_judenmonster

Kollegin Jaspis hat das damals, im Juli 2013, in einem sorgfältig recherchierten Artikel aufs Korn genommen, der auch den Künstler, der das Werk geschaffen hatte, mit einem erstaunlichen Bekenntnis zu Wort kommen ließ. Und es wurde auch Franziska Augstein - die mutmaßliche Verursacherin - zitiert, die den tiefen Griff ins antsemitische Klo in ungetrübter Selbstüberschätzung verharmloste…

augsteinkomment

Ein blutsaugendes Monster hat also, selbst wenn es Israel darstellen soll, angeblich nichts mit antisemitischen Klischees zu tun. Wer nun in seiner Allgemeinbildung wühlt und sich darauf verwundert am Kopf kratzt, wie ein geradezu klassisches antisemitisches Klischee plötzlich nix mehr mit Antisemitismus zu tun haben kann und wie die EntscheiderInnen in der Reaktion zu diesem Geistesblitz kamen, der kann heute (Donnerstag, 24.07.2014) im Münchner Boulevardblatt tz (Printausgabe) vielleicht auf eine Spur zu Lösung des Rätsels stoßen. Ich sag es gleich - Achtung: Spekulation - vorweg:

Ich bin fast der Überzeugung, dass sich die seinerzeit über die Entscheidung zur Veröffentlichung entzweite Süddeutsche-Redaktion…

Manche meinten, das sei geschmacklos, antiisraelisch. Andere fanden daran nichts auszusetzen.

….bei Antisemitismus-”Forscher” Professor Wolfgang Benz Rat geholt hatte. Und dass der, als gelegentlicher SZ-Autor im Hause geschätzt, dem Kunstwerk zusammen mit der Bildunterschrift den Persilschein gab. Weil:

Der damals im Blatt abgebildete Blutsauger hatte keine Judennase!

Sie lesen richtig: Denn das, eine “riesige Hakennase”,  ist offensichtlich nach des Professors Erkenntnis das entscheidende “antisemitische Attribut”, das aus einer geschmacklosen Karikatur eine antisemitische Darstellung zu machen in der Lage ist.
Und wie komme ich nun darauf, dass ein Antisemitismus-Forscher so denkt? Da sind wir wieder bei der tz. Das Münchner Blattl, dass sich sonst - journalistisch gehoben - von den Pickeln am Arsch eines Models bis zum vermissten Michlingshünchen “Charly” um das besonders gewichtige Spektrum dessen kümmert, was die Welt bewegt, wollte offensichtlich auch seinen Senf zu den Übergriffen auf Juden in Deutschland in den letzten Tagen beitragen, weshalb es sich jenen Professor Wolfgang Benz, Antisemitismus-Forscher, zum Interview lud. Und Benz brillierte darin derart, dass suedwatch.de das seinen Lesern nicht vorenthalten möchte (zumal ja ein gewisser Zusammenhang zur Süddeutschen besteht):

benz-interview_500

(Anklicken des Bildes führt zu einem Abbild in hoher Auflösung und Größe beim suedwatch.de-Account bei directupload)


Frage tz (Klaus Rimpel):

…Auf einer Demonstration wurde eine Fotomontage mit Benjamin Netanjahu als blutsaugender Vampir gezeigt: Antisemitismus oder Kritik am israelischen Premier?

Antwort Benz:

Wenn Netanjahu hier mit eindeutig antisemitischen Attributen wie einer riesigen Hakennase gezeigt wird, ist das nicht nur Kritik an Netanjahu, sondern auch oder vor allem Antisemitismus. Aber: Den israelischen Premier für Handlungen zu kritisieren, die er gemacht hat, das ist der Sache nach nicht antisemitisch.

Bevor ich ihnen, liebe Leser, die Ungeheuerlichkeit dieses Statements von Benz nochmal ganz langsam zu Gemüte führe, hier zunächst die angesprochene Fotomontage:

netanjahu-kinderfresser

Und nun nochmal die Essenz aus des Antisemitismus-Forschers Professor Wolfgang Benz Behauptung:

Der (kinder-)blutsaugende israelische Ministerpräsident, hervorgehoben eindeutig als Jude durch den Davidstern auf der Stirn (also nicht als Israeli, ansonsten man die Fahne verwendet hätte) stellt…

1. KEIN antisemitisches Stereotyp dar.  Das wäre nur der Fall, hätte man Netanjahu auch noch eine “riesige Hakennase” verpasst.

2. Es ist dies, also der Jude Netanjahu, Kinder aussaugend/fressend, kein Antisemitismus, weil es “den israelischen Premier für Handlungen … kritisier[t], die er gemacht hat”.

Netanjahu saugt in des Antisemitismusforschers Augen also palästinensischen Kindern das Blut aus!!!

Und nein, das sagt keiner von der NPD oder von den Grüne/LINKEN, das sagt er: Professor Wolfgang Benz, der 21 [!] Jahre lang, von 1990 bis 2011, das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin leitete. Einundzwanzig Jahre, in denen mit ziemlicher Sicherheit Millionen von Steuergeldern in diese “Forschung” flossen. Und das Ergebnis ist, dass ein landesweit als Experte offensichtlich vollkommen überschätzter Altlinker mit der Narrenweisheit glänzen kann, die Darstellung eines Juden als Kinderblut saugendes Monster, sei nicht antisemitische, sondern in der Sache einfache Kritik, weil……der Abgebildete auf der genannten Fotomontage keine “riesige Hakennase” trage! DAS nämlich wäre das entscheidende - und hier fehlende - antisemitische Attribut.

Dass Juden nicht erst seit Simon von Trient des Kindermordes und des Trinkens von Kinderblut bezichtigt werden, dass seit Jahrhunderten kolportiert wird, sie verwendeten (überwiegend Kinder-)Blut für ihre Rituale und die Bereitung des Matze-Brotes, das belegen unzählige Dokumente und Werke, vom genannten Simon von Trient in der Schedelschen Weltchronik (Blatt 255) über den Kindlifresser in Bern, eine Brunnenfigur mit einem Judenhut…

simon-und-kindlifresser

…bis hin zu den, absolut mit der Fotomontage Netanjahus übereinstimmenden, Werken aus dem Hause Streicher (vor ‘45) …

stc3bcrmer-karikatur-streicher

..und palästinensischer Gegenwartskunst….

jew-eating-palestinian-cartoon

Alles das kennt man unzweifelhaft und zum Teil seit Jahrhunderten als Ausdruck puren Antisemitismus. Allein unser ehrenwerter Professor vermag - nach über zwanzig Jahren Forschung in der Materie - in der Darstellung Netanjahus auf einer Demo von überwiegend Muslimen in Deutschland keinen Judenhass zu erkennen. Weshalb er - unter anderem einen nicht genannten jüdischen Funktionär - auch davor warnt, den “in tiefstem Schrecken über die Vorgänge in Gaza” heute auf die Straße gehenden Pöbel mit dem zu vergleichen, der 1938 auf unseren Straßen Juden jagte.

Ganz ehrlich: Wenn so schon die Antisemitismus-Forscher denken und argumentieren, dann möchte man am liebsten garnicht wissen, was ihren Forschungsobjekten, den Antisemiten alles im Kopf rum schwirrt.



Peter Zangerl alias Moritatensaenger



Respekt!

Ehrlichen Respekt, liebe Süddeutsche.de, vor dieser Schlagzeile! [1]


respekt





Jaspis



[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/eskalation-im-nahen-osten-hamas-nutzt-gaza-bewohner-als-menschliche-schutzschilde-1.2039824

Claudio Casula: Drecksblatt


Wenn es Juden an den Kragen geht, davon sind die meisten Deutschen überzeugt, sind sie selbst dafür verantwortlich. Konnte es schon nur deshalb zur Shoa kommen, weil es dem Internationalen Judentum gelang, „die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen”, wie der Gröfaz Anfang 1939 schon mal vorbeugend klarstellte, sind es heute die Israelis, die den unbändigen Judenhass in der Region selbst heraufbeschworen haben.

Schießt der Irak Saddam Husseins im Jahr 1991 Dutzende Scud-Raketen auf Großstädte im nicht am Krieg beteiligten Israel ab, weshalb Millionen Israelis mit Gasmasken in abgedichteten Zimmern auf den nächsten Einschlag warten müssen, erklärt der Grüne Christian Ströbele, dies sei nur „die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik den Palästinensern und den arabischen Staaten gegenüber”. Feuern im Jahr 1996 palästinensische Polizisten auf ihre israelischen Friedenspartner, ist Netanyahu schuld, der die Öffnung eines archäologischen Tunnels in Jerusalem genehmigt hat. Tritt Yassir Arafat im Herbst 2000 eine beispiellose Terrorwelle gegen israelische Zivilisten los, die Tausende das Leben kostet, geht das auf die Kappe des Oppositionspolitikers Sharon, der sich 20 Minuten auf dem Tempelberg aufgehalten hat.

Werden im Juni 2014 drei israelische Jugendliche von Palästinensern verschleppt, dichten mehrere deutsche Zeitungen den Opfern an, „Siedler” und damit gewissermaßen illegale Besatzer zu sein, die ihr Los wohl reichlich verdient haben. Den vorläufigen Höhepunkt der „Die Juden sind an ihrem Schicksal selber schuld”-Kampagne liefert heute Abend die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung. Das Qualitätsmedium aus München, das jeden jugendlichen palästinensischen Brandsatzwerfer, der bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften erschossen wird, als mutmaßlich kaltblütig getöteten Jugendlichen darstellt, was die Kommentatorenmeute in „Kindermörder Israel”-Phantasien schwelgen lässt, schafft es tatsächlich, selbst einem 13-Jährigen, der auf dem Golan bei einem von Syrien aus organisierten Anschlag durch einen Sprengsatz ums Leben kommt, mittels kaltblütiger Wortwahl die Schuld für seine Ermordung zuzuschieben:

Auf den Golanhöhen ist erstmals seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs ein Israeli getötet worden. (…) Was er in dem gefährlichen Gebiet zu suchen hatte, ist unklar.

Klar ist hingegen, dass es sich bei der Süddeutschen Zeitung um ein Medium handelt, das fortgesetzt und absichtsvoll jede wahrhaftige und faire Berichterstattung fahren lässt, wenn es um Israel geht; dass es selbst die Würde eines getöteten Kindes mit Füßen tritt, wenn es Israeli ist (bittere Ironie am Rande: das Opfer hieß Muhammad Karaka, war arabischer Herkunft und wohnte in Untergaliläa) und dass nicht einmal dem hässlichsten toten Aal zugemutet werden kann, in dieses Drecksblatt eingewickelt zu werden.




(Der obige Gastbeitrag von Claudio Casula, hier veröffentlicht mit seiner freundlichen Genehmigung, erschien im Original in seinem lesenswertem - und schon lange auf der suedwatch.de-Blogroll beheimatetem - Blog “Spirit of Entebbe“)

Huberth Rosner ist Oberpfälzer und Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr, da neigt man nicht zum Mimosenhaften. Trotzdem fand er es unerquicklich, bei einem Besuch in München auf der Straße zurechtgewiesen zu werden, er solle doch bitte „nicht so viel mit dem Schwanz denken“. Dass die Worte kurz vorm Maximilianeum fielen und die Frau, die Mit-dem-Schwanz-Denken für eine Unsitte hält, danach im Landtag verschwand, irritierte ihn zusätzlich.

So war es am 14.06.2014 in der Süddeutschen Zeitung zu lesen (online: [1])

Huberth Rosner ist 1. ein Mann und 2. ein Soldat. Damit gehört er zwei Gruppen an, die von sich aus schlecht und böse sind und schon deshalb “gerüffelt” - und beleidigt werden können und müssen, wann immer es geht. Ein 1. Mann und 2. Soldat also, dem sich eine mutige Frau verwegen entgegenstellt, eine “Kämpferin” (siehe [2]) für das Gute - das ist eine Geschichte so ganz nach dem Geschmack unserer SZ-Redaktion, die diesen Vorfall mit dem Titel

Pikanter Tipp - Abgeordnete rüffelt Feldwebel

goutierte (und den Haupt- auch noch flugs zum Feldwebel degradierte). Das an sich sollte eigentlich genügen. Gute Tat vollbracht, wir können zufrieden schlafen gehen. Auf den Vorfall selbst muss man deshalb auch nicht wirklich näher eingehen:

Rosner und seine Kollegen hatten sich in der Tram über ein Plakat der Grünen lustig gemacht, auf dem „BürgerInnen“ mit großem I zu lesen war. Ein Wort gab das andere, Rosner ließ sich hernach von einer ihn begleitenden Offizierin und einer Kollegin aus der Wehrverwaltung zusichern, die Spötterei sei politisch korrekt gewesen. Gote dagegen berichtet von „sexistischem Sprücheablassen in der Straßenbahn“. Beim Aussteigen habe sie Rosner aufgefordert, er solle den Verstand einschalten, der verbat sich das in Stil und Lautstärke.

Genaueres hatte der Nordbayerische Kurier zu berichten [3]



rogo



Danach hatte sich Huberth Rosner zusammen mit seinen männlichen und weiblichen (!) Kollegen nicht nur über das Binnen-I ausgelassen, sondern auch über den noch peinlicheren Vorstoß [Anmerkung Jaspis: hier wäre mir beinahe ein Freudscher Schreibfehler unterlaufen, indem ich "Vorstuß" statt "Vorstoß" geschrieben habe] der Grünen in Berlin, weibliche Ampel-Symbole einzuführen. Ein klassischer Fall von freier Meinungsäußerung, könnte man glauben. Was Ulrike Gote von Rosners Meinung hielt, äußerte sie ziemlich deutlich. Für sie war das “männliches Imponiergehabe” (wir erinnern uns: es waren auch Frauen, die Rosners Meinung teilten).

“Beim Aussteigen habe ich ihm gesagt, es sei Schwachsinn, was er sagt. Und dass er sein Hirn einschalten soll. Erst als er mir dann hinterhergerufen hat, habe ich ihm gesagt, er solle nicht so viel mit dem Schwanz denken. Und zwar bewusst so laut. Und auf dem Niveau, wie sie vorher diskutiert haben. Das finde ich nach wie vor passend als Erwiderung. Das muss man schon aushalten.”

Bis dahin könnte man das Ganze noch als puren Meinungsabtausch ansehen. Die wechselseitigen Ansichten werden, wiederum wechselseitig, als Schwachsinn angesehen, nur eben im einen Fall (Rosner) humorvoll, im anderen (Gote) mit Schaum vor dem Mund. Doch:

Gote (48) sagt, sie reagiere sehr sensibel auf die Art, mit der sich Männer über Frauen lustig machten.

Und da sind wir beim Punkt: Sich über Sprachverhunzungen und, vorsichtig ausgedrückt, reichlich eigenartige Vorschläge lustig zu machen, hat nichts damit zu tun, sich über Frauen lustig zu machen. Denn weder ist es objektiv gesehen ein Akt der Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Sprache durch Binnen-I oder andere Verrenkungen zu vergewaltigen, nur weil sich manche Frauen durch Allgemeinbegriffe nicht angesprochen fühlen wollen, noch spiegeln Ampelsymbole mit Röcken und langen Zöpfen die Frauen in unserer Gesellschaft besser als Figuren mit Kugel-Kopf und Hosen (Ampel West) bzw. Hut und Anzug (Ampel Ost). Was in den Köpfen (oder welchen Organen auch immer) derjenigen vorgeht, die sich solche Dinge ausdenken, steht auf einem anderen Blatt. Mehr als eine Meinung indes ist das alles jedoch nicht.

Gote erhebt ihre persönliche Meinung zur Tatsache und konstruiert sich daraus ein nicht vorhandenes Abwehrrecht. Das wäre an sich schon indiskutabel. Angesichts der Tatsache, dass Gote Politikerin eine Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags ist, wirft das ein reichlich übles Licht auf ihre Demokratiefähigkeit. Die Wahl ihres vermeintlichen Abwehrrechts, einem anderen Menschen mit dem Hinweis, er solle nicht “mit dem Schwanz denken” “Kontra gibt”, entlarvt sie zudem als pure Sexistin. Gotes Aussage, sie “reagiere sehr sensibel auf die Art, mit der sich Männer über Frauen lustig machten” verkommt damit zur Farce. Gleichberechtigung wird nicht durch ein Meinungsdiktat erzielt.

Doch das alles fällt unseren Helden bei der Süddeutschen Zeitung natürlich nicht auf. Kein Anlass für einen #Aufschrei. Für sie ist sonnenklar, dass Rosners Kritik nichts anderes als ein Resultat des Denkens “mit dem Schwanz” sein kann, das mit “pikanten Tipps” geahndet werden kann, für die keine Regeln gelten - schon gar nicht solche des Anstands oder des guten Tons.

EinTreppenwitz dieser Geschichte: Wie viel “Verstand” Nutzer gender-korrekter Schreibweise bisweilen nutzen, stellte kürzlich der “Student_innen Rat” der Universität Leipzig unter Beweis [4]


innen



Aber das ist eine andere Geschichte.





Jaspis





[1] http://www.sueddeutsche.de/Q5T38q/2067976/Pikanter-Tipp.html
[2] http://www.suedwatch.de/blog/?p=12209
[3] http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/nicht-mit-dem-schwanz-denken_265830
[4] http://www.boersenblatt.net/802691/

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