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Ich bin mir nicht sicher, ob sich Sebastian Gierke wirklich die vollen eineinviertel Stunden der Sendung Menschen bei Maischberger vom 15. Mai 2012 mit dem Thema “Die Salafisten kommen”[1] angesehen hat oder ob es ihm genügt hat, sich den Schluss anzusehen und ein paar gefällige Phrasen zu dreschen, die sein Publikum befriedigen. Denn worüber er sich in [2]


katholikenbashing



aufregt, ist derart partiell, dass er entweder das, was einen anspringen müsste, gar nicht gesehen hat - oder er es seinen Lesern vorsätzlich unterschlägt. Ein erster Zweifel baut sich bereits auf, als Gierke die Diskussion “90-minütig” bezeichnet, während sie tatsächlich 1:13:39 Stunden andauerte.



einsdreizehn



Aber wer weiß, vielleicht hat Gierke eine halbsündige Pinkelpause eingelegt, in der ihm wesentliche Teile der Sendung durch die Lappen gingen. Deshalb musste er sich mit Allgemeinplätzen wie

wird der Dialog zunächst in die seit Jahren übliche Sackgasse und schließlich mit Schwung an die Wand gefahren

begnügen, wobei die Schuldigen, der Titel weist ja bereits darauf hin, die anwesenden Katholiken, Bosbach und Matussek sind. Klar.



Erster Anklagepunkt:

Anschließend [nach einem Statement, dass Gewalt allgemein abzulehnen sei, Anm. Jaspis] wird über Salafisten kaum mehr gesprochen - sondern über den Islam.

Aber warum war das so? Weil die Katholiken das so wollten? Nein, aber das sagt Gierke nicht. Denn derjenige, der das Gespräch in diese Richtung lenkte, war Salafist Hassan Dabbagh höchstpersönlich.

Frage Maischberger (bei 0:08: 40): Herr Dabbagh, was bedeutet Salafismus für Sie, wie leben Sie das im Alltag?

Antwort Dabbaggh: Erstmal: Ich bin ein Moslem und meine Religion ist der Islam. Salafismus ist eine Sache, die rein religiös ist, terminologisches Wort ist. (…) Ich stehe hier nicht als Salafist, ich stehe hier als Moslem.

Frage Friedman: Sind Sie ein Salafist?

Antwort Dabbaggh: Nein, ich bin ein Moslem.

Es folgt der Start in Beschuldigungen: Geheimdienst und Medien scheren alles über einen Kamm, um den Islam als solchen zu verfolgen. Die Feinheiten, die Gierke fehlen, verwischte Dabbagh - und nicht die bösen Katholiken.



Zweiter Anklagepunkt:

Matussek zitiert Thilo Sarrazins Statistiken über straffällige Jugendliche, klagt, der Islam nehme eine ganze Gesellschaft zur Geisel, schwadroniert über eine Opferideologie, die hierzulande speziell auf islamische Jugendliche zugeschnitten sei und behauptet im Brustton der Überzeugung: “Wenn nicht die ganze Zeit die Versteher-Opern gesungen würden”, hätte jeder hierzulande, der deutsch lernt und die Schule abschließt, die gleichen Chancen, eine “super Karriere” zu machen. Dabei haben Studien längst belegt, dass zum Beispiel viele Firmen qualifizierte Migranten gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch einladen

Der letzte Satz stammt natürlich von Gierke und macht selbstredend alles davor Gesagte obsolet. Statistiken hin, Erfahrungswerte her.



Dritter Anklagepunkt:

Die verfolgteste Religion ist laut Bosbach auch nicht der Islam, sondern das Christentum. In Deutschland könnte man doch Moscheen errichten: “Aber suchen Sie mal in Saudi-Arabien Kirchen.” Eine elegante Art, die sozialen und moralischen Maßstäbe zu untergraben, die man zu verteidigen vorgibt: Denn wer Toleranz fordert, für den kann sie nicht dann ein Ende finden, wenn ein anderer nicht tolerant sein will.

Selbstverständlich. Nur sollte man nicht ganz übersehen, was Bosbachs Hinweis auf die Situation der Christen in der Welt des Islam vorausging.

Von Gierke völlig unbeachtet war Dabbagh gleich am Anfang zunächst beharrlich der Frage ausgewichen, ob er denn eigentlich die Scharia mehr achte als das Grundgesetz. Bei etwa 0:09:30 versucht Maischberger mehrmals vergeblich, ihn zu einer Antwort zu bewegen. Erst bei 00:11:51 kommt die reichlich gewundene Antwort:

Der Islam sagt uns, dass wir, wenn wir in einem Land wie z.B. Deutschland leben und wir sind eine Minderheit, dass wir uns an die hiesige Ordnung ordnen müssen und das wir nicht Chaoten werden und deshalb wir halten uns an die Gesetze in diesem Land und wir sind Musleme, das bedeutet, diese Scharia und Grundgesetz

Das griff Bosbach später, ab 0:32:14 auf und hielt Dabbagh vor, er sage,

So lange wir in der Minderheit sind, akzeptieren wir die Rechtsordnung (…) heißt im Umkehrschluss: Ich warne Euch: Wenn wir nicht mehr in der Minderheit sind, dann sieht das anders aus.

Und weiter führte Bosbach aus:

Zweitens: Ich beurteile den Islam nicht danach, wie er sich verhält, wenn er in der Minderheit ist. Ich beurteile ihn, wie er sich anderen religiösen Überzeugungen gegenüber verhält, wenn er in der Mehrheit ist, oder gar Staatsreligion. Wenn der Islam tatsächlich in all seinen differenzierten Ausprägungen steht, für Friedfertigkeit, für Toleranz, für Barmherzigkeit, warum ist es dann in Saudi-Arabien höchstens unter Lebensgefahr möglich, sich zum Christentum zu bekennen? Warum darf man in diesen Staaten, wo der Islam Staatsreligion ist, nicht eine andere Religion praktizieren?
Das heißt, wenn man sich in der Minderheit befindet, ist man so lange geschmeidig und nutzt auch gerne die Rechtsordnung des Staates aus für die eigenen Zwecke, so für das Werben für die eigene religiöse Überzeugung, aber sobald man in der Mehrheit ist, gilt diese Toleranz gegenüber anderen Religionen leider, leider nicht mehr.

Das ist ein vollkommen legitimer Einwand, gerade wenn es darum geht, für eine Religion zu werben.



Vierter Anklagepunkt:

Die zum Islam konvertierte Fernsehmoderatorin Kristiane Backer berichtet sehr emotional von ihrer Religion, was sie daran berührt - im Gegensatz zum Christentum. Matussek ruft dazwischen: Das sei die Micky-Maus-Version der Religion.

Kristiane Backer hatte versucht, Bosbachs obigen Ausführungen entgegen zu halten, dass der Islam doch die einzige Religion sei, die alle anderen Religionen anerkenne - weil das der Koran sage.

Bosbach kommentierte das mit den Worten “Wollen Sie uns veralbern? Kennen Sie die Situation in Saudi-Arabien? Ist das kein islamisches Land?“, während Matussek die spätere Wiederholung Backers mit der Bemerkung der “Micky-Maus-Religion” goutierte. Das mag einem nicht gefallen und es ist auch schön für Frau Backer, dass sie in London in einer so schönen rosaroten Welt lebt. Leben kann. Doch die Realität sieht anders aus, in den Ländern, in denen die Todesstrafe auf Missionierung für andere Religionen oder die Abkehr von Islam steht. Herr Matussek ist dabei eher höflich gewesen.

Das alles aber lief vollkommen unbemerkt - oder jedenfalls unerwähnt von Sebastian Gierke, der davon ausgehen darf, dass seine Leser sich die eineinviertel Stunden der Maischberger-Sendung nicht antun werden und ihm folgen werden, wenn er den Katholiken Bosbach und Matussek die Schuld am Scheitern dieser Diskussion vorwirft, in der ein Herr Dabbagh nicht nur ebenso permanent anderen ins Wort fiel wie der Rest der Truppe auch, Maischbergers Fragen beharrlich ignorierte, um seine allgemein gehaltenen Stellungnahmen abzuliefern, sondern als “Argument” andere Standpunkte schlicht als Unsinn abtat. Sachliche Argumente braucht er anscheinend nicht.

Und natürlich fand Sebastian Gierke auch nichts an der krudesten Feststellung des Abends. Als es nämlich darum ging, ob Wulffs Satz, der Islam gehöre zu Deutschland wie Christentum und Judentum, denn nun richtig sei, betonten die bösen Katholiken mehrmals, das sei historisch falsch - was sich auch unschwer belegen lässt. Dabbaghs Gegen-”Argument” (das einzige, das übrigens überhaupt dazu kam) bei 00:59: Die Behauptung, Jesus sei nicht nur kein Deutscher (schau an), und auch kein Jude, sondern Moslem gewesen. Wenn man also sage, so Dabbagh weiter, Christentum und Judentum gehörten zu Deutschland, dann müsse das auch für den Islam gelten, weil schließlich Jesus Moslem gewesen sei.


standbild



Wenigstens stimme ich Gierke in einem Punkt zu: Ein sinnvolles Gespräch, das auch zu irgend etwas führt, kann man da wirklich nicht führen. Ich kann verstehen, dass sich Sebastian Gierke das nicht von Anfang bis Ende antun wollte. Aber dass er dann einen ebensolchen Schwachsinn schreibt und eine Fernsehkritik lediglich dazu nutzt, missliebige Politiker und Journalisten zu diffamieren, das … passt zum QualitätSZjournalismus seines Hauses.





Jaspis





[1] http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/311210_menschen-bei-maischberger/10542266_die-salafisten-kommen
[2] http://www.sueddeutsche.de/medien/tv-kritik-menschen-bei-maischberger-wenn-katholiken-lautstark-unverstaendnis-predigen-1.1358757

Was für ein elender scheinheiliger, elitärer, erbärmlicher Haufen.

Gestern wurde, wie jedes Jahr, der Henri Nannen Preis, kurz “Henri” verliehen. Die Selbstbeschreibung des Preises: [1]



henri-nannen-preis



Die fünf genannten Kategorien sind: Reportage, Dokumentation, Investigation, Essay und Fotoreportage. In der Kategorie “Investigation” geriet die Jury dieses Jahr in ein Dilemma. Sie konnte sich nicht entscheiden. Und so vergab sie den Preis an zwei Teams: An Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der Süddeutschen Zeitung für ihre Arbeit zur “Formel-1-Affäre” bei der BayernLB und an Nicolaus Harbusch und Martin Heidemanns von der BILD-Zeitung für ihren Beitrag “Wirbel um Privatkredit - Hat Wulff das Parlament getäuscht?”.

Zur Begründung wurde ausgeführt:[2]

Für die Bewertung einer investigativen Arbeit sind zwei Kriterien wesentlich: Die Recherche-Leistung des Reporters und die gesellschaftliche Bedeutung seiner aufklärenden Enthüllung.

Bei der Diskussion des ersten Punktes konnte sich die Jury relativ schnell darauf einigen, dass Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der Süddeutschen Zeitung eine besondere Leistung erbracht haben. „Sie haben an einem Nullpunkt angefangen. Es gab kein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren, keinen Koffer voller Informationen, keinen Whistle Blower. Es gab nur den Verdacht, dass hinter dem Skandal um die Bayerische Landesbank mehr steckte, als bis Ende 2010 bekannt geworden war.“ Systematisch begannen die Journalisten die Rolle der verdächtigen Bankmanager bei diesem Skandal zu erforschen und deren Vermögensverhältnisse zu recherchieren. Dabei stießen sie auf ein dubioses, aber gut getarntes Firmengeflecht in Österreich und auf eine merkwürdige Privatstiftung des früheren Bankvorstands Gerhard Gribkowsky. Auf halber Strecke der Recherchen schaltete sich dann die Staatsanwaltschaft ein. Am Ende wurde ein ganzer Sumpf von Korruption, Erpressung und Bestechungszahlungen rund um Gribkowsky, Bernie Ecclestone und den Formel-1-Zirkus enthüllt. „Ohne die monatelange hartnäckige Arbeit der SZ-Journalisten“, so die Jury, „wäre wahrscheinlich bis heute nichts davon ans Licht gekommen. Ein Fall von großartiger Reporter-Leistung.“

Aber auch eine zweite investigative Leistung spielte in der Diskussion der Jury eine große Rolle: die Enthüllung von Nicolaus Harbusch und Martin Heidemanns in der BILD-Zeitung. Sie hatten fast ein Jahr lang recherchiert und waren schließlich als erste darauf gestoßen, dass der höchste Repräsentant unseres Staates in seiner vorherigen Rolle als niedersächsischer Ministerpräsident einen dubiosen Privatkredit angenommen und dem Parlament nicht die volle Wahrheit gesagt hatte. Der weitere Gang der Dinge ist bekannt, die Enthüllung der beiden BILD-Reporter entwickelte sich zum größten Skandal des vergangenen Jahres und führte zum Rücktritt des Bundespräsidenten. „Ein Fall“, so die Jury, „von größtmöglicher Fallhöhe.“

Auf der einen Seite also der Superlativ einer investigativen Leistung, auf der anderen der Superlativ einer gesellschaftlichen Wirkung, beide hielten sich die Waage. Daher vergibt die Jury den Henri Nannen Preis für Investigation in diesem Jahr an die drei Redakteure der Süddeutschen Zeitung und an die beiden Redakteure der BILD.

Jurymitglied Helmut Markwort hatte erklärt: [3]

“Das Medium kann kein Ausschlusskriterium sein.”

Bereits die Reaktion auf die Nominierung der BILD-Journalisten war vergleichbar mit der eines antiquierten Königshauses, wenn der Thronfolger ankündigte, eine Bürgerliche ehelichen zu wollen.

Der selbsternannte König Leyendecker verhielt sich entsprechend: Er nahm den Preis nicht an.[4]

“Wir möchten nicht gemeinsam mit der Bild ausgezeichnet werden”, sagte Hans Leyendecker und sprach von einem ”Kulturbruch”.

Nicht, dass er an der Arbeit der Kollegen etwas auszusetzen gehabt hätte (das war auch schwer möglich. Schließlich sprang die Süddeutsche, die Verkaufszahlen fest im Blick, nach anfänglichem Zögern irgendwann auch auf den Zug auf und verwertete die Arbeit der Kollegen von der BILD). Nein, für ihn ist es schlicht und ergreifend inakzeptabel, sich einen Sandkasten mit den Schmuddelkindern von der BILD-Zeitung teilen zu müssen.

Das wäre schon schäbig, wenn sich die Süddeutsche wirklich so sehr qualitativ von der BILD abheben würde, wie sie vorgibt. Denn nicht die BILD-Zeitung erhielt den Preis für ihr Gesamtkonzept, sondern Nicolaus Harbusch und Martin Heidemanns erhielten ihn, für ihre ganz konkrete Arbeit. Geradezu abgrundtief erbärmlich ist das angesichts der unzähligen Artikel und Meldungen, die die Süddeutsche von der BILD tagtäglich übernimmt, abschreibt oder als Quelle nutzt.[5]

Clemens Wergin trifft es in der Bemerkung auf seiner Facebook-Pinnwand auf den Punkt:



clemens-wergin



Vielleicht sollte auch ein Hans Leyendecker lernen, dass es nicht Borniertheit ist, die guten von schlechtem Journalismus abhebt.





Jaspis





[1] http://www.henri-nannen-preis.de/
[2] http://www.henri-nannen-preis.de/presse_2012.php?id=93
[3] http://meedia.de/print/bild-bekommt-henri-sz-lehnt-ihn-ab/2012/05/11.html
[4] http://www.sueddeutsche.de/medien/eklat-bei-journalisten-ehrung-sz-redakteure-lehnen-henri-nannen-preis-ab-1.1355532
[5] http://www.suedwatch.de/blog/?cat=43

Suchspiel

Finde in dem Text der Süddeutschen, der das Interview [1] von Oliver Das Gubta und NRW-Linkenführerin Katharina Schwabedissen begleitet, die Begriffe Linksextremistin, Linkspopulistin und/oder Linksaußen:


suedwatch-schwabedissen


Nichts gefunden? Dann haben Sie leider verloren. Wie so oft, wenn Sie in der Süddeutschen nach unverfälschten Informationen suchen. Zur Linken in NRW hier dafür kurz ein Zitat aus der Welt [2]:

“Nach Ansicht der Verfassungsschützer unterscheidet sich die NRW-Linke ‘erheblich’ von pragmatisch ausgerichteten Landesverbänden, heißt es in einer Antwort des Innenministeriums vom Dezember vergangenen Jahres auf Anfrage der Linken-Fraktion. Der Landesverband werde ‘von verfassungsfeindlichen Zusammenschlüssen bzw. Zusammenschlüssen, bei denen Anhaltspunkte für den Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen bestehen, beeinflusst.”

Ach ja. Und ein starkes Wort dieses…

suedwatch-ralf-jager

…NRW-Innenministers [3]

“Das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen hat die Polizeibehörden im Land angewiesen, dass Zeigen von Mohammed-Karikaturen auf allen weiteren Wahlkampf-Auftritten der Gruppierung Pro NRW zu verbieten. Das Verbot gelte bereits für den geplanten Auftritt der Splitterpartei vor einer Moschee in Bielefeld, berichtet die ‘Neue Westfälische’ (Montagausgabe). Das Oberverwaltungsgericht in Münster habe zwar vorige Woche ein ähnliches Verbot gekippt. Nun gebe es aber durch die Eskalation der Gewalt beim Pro-NRW-Auftritt in Bonn eine ‘neue Situation’, sagte ein Ministeriumssprecher.”

(gegenüber Bundesverfassungsgericht: “Drohen Gewalttaten als Gegenreaktion auf Versammlungen, so müssen sich behördliche Maßnahmen primär gegen die Störer richten (vgl. BVerfGE 69, 315 <360 f.>). Mit Art. 8 GG wäre nicht zu vereinbaren, dass bereits mit der Anmeldung einer Gegendemonstration erreicht werden kann, dass dem Veranstalter der zuerst angemeldeten Versammlung die Möglichkeit genommen wird, sein Demonstrationsanliegen zu verwirklichen. Es ist Aufgabe der zum Schutz der rechtsstaatlichen Ordnung berufenen Polizei, in unparteiischer Weise auf die Verwirklichung des Versammlungsrechts hinzuwirken.”) (Hervorhebung Moritatensaenger)

…zur Beobachtung einzelner, extremistischer Mitglieder von Die Linke durch den Verfassungsschutz [4]:

“‘Solange ich Innenminister bin, wird kein frei gewählter Abgeordneter vom Verfassungsschutz beobachtet’, sagte Minister Ralf Jäger (SPD) im Landtag.”


Tja. Und solange die Süddeutsche…. ;-)



Mit tönendem Gruß

Ihr Peter Zangerl, alias Moritatensaenger



[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/linke-spitzenkandidatin-schwabedissen-im-interview-hoffentlich-wachen-die-deutschen-rechtzeitig-auf-1.1353487

[2] http://m.welt.de/article.do?id=print/wams/nrw/article12460932/Auf-dem-Weg-zur-Normalitaet&cid=&pg=1

[3] http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2012-05/23450912-nrw-innenministerium-laesst-provokation-mit-mohammed-karikaturen-verbieten-003.htm

[4] http://www.derwesten.de/politik/verfassungsschutz-in-nrw-verschont-linke-abgeordnete-id6283303.html

Wären am Sonntag nicht Wahlen in NRW, ich wäre geneigt, den Vorfall als Nachlässigkeit unserer QualitätSZjournalisten abzuhaken. Weil aber am nächsten Sonntag Wahlen in NRW sind, finde ich es schon bemerkenswert, dass Süddeutsche.de einen Skandal unterschlägt, der am demokratischen Grundverständnis des nordrhein-westfälischen Innenministers Jäger arge Zweifel aufkommen lassen.

Sie wissen alle, was letzten Sonntag geschehen ist: 30 Angehörige von Pro-NRW meinten, Mohamed-Karikaturen vor Moscheen zeigen zu müssen, wohl wissend, dass sie damit nicht nur das religiöse Empfinden von Muslimen verletzen, sondern auch die besonders liebreizenden Salafisten zu Gewalttaten animieren würden. Das Resultat waren etwa 100 verletzte Polizisten, zwei davon mit Messerstichen fast ermordet.[1]


gewaltexplosion



Eine alberne Aktion, die man sich gut und gerne sparen oder auch ignorieren hätte können. Denn die “Gegendemonstranten” wussten aus davorliegenden Ereignissen, etwa in Solingen, was sie erwarten würde. Sie waren nicht etwa so schockiert, dass ihnen spontan die Sicherungen durchgebrannt sind, sondern sie gingen ganz gezielt hin, um Gewalt auszuüben. Gewalt gegen Polizisten. Unmäßige Gewalt. Blutige Gewalt.

Eine überaus treffende Zusammenfassung lieferte Deniz Yücel in der taz.[2] Und auch Tanjev Schulz von der Süddeutschen hat einen bemerkenswert treffenden Kommentar dazu verfasst.[3]

Die gleiche Gelassenheit zeigt Süddeutsche.de jedoch auch anlässlich der Forderung des nordrheinwestphälischen Innenminister Ralf Jäger, der Pro NRW das Zeigen der Mohammed-Karikaturen verbieten will.[4] In mehreren Einzelentscheidungen ist die Landesregierung mit derartigen Versuchen vor Gericht bereits gescheitert. [5]


jaeger



Doch ist bei derartigen Forderungen eines Innenministers Gelassenheit das Letzte, was eine Zeitung zeigen dürfte, die sich den Kampf für die Demokratie so dick auf ihre Fahnen schreibt wie die Süddeutsche.

Erinnern Sie sich noch an die “Kölner Klagemauer”?[6] An jene Kundgebung vor dem Kölner Dom, mit der gegen Israel gehetzt wird und die die antisemitischen Tafel mit dem Kinder essenden Juden ausgestellt hatte, die noch nicht einmal eine Karikatur ist, sondern pure, bloße Judenhetze im Stil des Stürmers?


fotografie



Haben Sie da eine Forderung nach einem Verbot gehört? Einen Innenminister Jäger? Wohl kaum. Meinungsfreiheit stand da im Raum. Und Kunstfreiheit. Wenigstens Empörung war parteiübergreifend aus der Stadt wahrzunehmen. Aber ein Verbot forderte keiner. Jetzt schon. Was ist so anders? - Zwei Dinge: Das eine ist die Zielrichtung, hier die Judenhetze, da die religiöse Provokation von Muslimen. Das andere aber ist vor allem die Reaktion: Während im einen Fall die Betroffenen zivilisiert reagierten,  also z.B. Artikel schrieben oder Strafanzeige erstatteten, stachen im anderen Fall die Getroffenen Polizisten nieder. Im einen Fall schweigt der Innenminister, im anderen fordert er ein Verbot der Provokation.

Die Botschaft, die Jäger damit verkündet, ist, neben der, dass ihm Judenhetze offenbar eher egal ist, eine simple: Recht bekommt bei ihm nicht, wer sich als Betroffener anständig verhält, sondern wer sich um die Regeln dieses Staates einen feuchten Kehricht schert, wer Polizisten angreift und sie zu ermorden versucht.

Es ist ein Wahlkampfgeschenk von Süddeutsche.de an den Innenminister Nordrhein-Westfalens, der am Sonntag wieder antritt und wiedergewählt werden möchte, dass sie diesen Eklat praktisch unter den Tisch gekehrt hat, statt ihn zu thematisieren. Denn für Wähler mit auch nur einem Funken demokratischen Gespürs wäre das der politische Genickbruch des Innenministers und seiner Ministerpräsidentin, die ihn stützt.





Jaspis





[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/eskalation-zwischen-salafisten-und-rechten-pro-nrw-aktivisten-eine-explosion-der-gewalt-die-wir-lange-nicht-erlebt-haben-1.1349490
[2] http://www.taz.de/!92921/
[3] http://www.sueddeutsche.de/politik/staat-gegen-extremisten-in-nrw-der-rechtsstaat-ist-tolerant-aber-nicht-bloed-1.1351425
[4] http://www1.wdr.de/themen/panorama/salafisten154.html
[5] http://www.sueddeutsche.de/politik/vor-pro-nrw-demonstration-in-koeln-weitere-gerichte-erlauben-mohammed-karikaturen-1.1351758
[6] http://www.suedwatch.de/blog/?p=4524

Wenn Idioten herzlich lachen, dann ist auch Süddeutsche-Online nicht weit. So hat man sich in der linksliberalen Huffington Post über das - sorry - ziemlich idiotische Video einer Mutter amüsiert, die ihr Baby im Oregon Zoo an der Glasscheibe zum Raubtiergehege ablegte, wo das Löwenweibchen Kya versuchte, es zu fassen zu bekommen. Der Clip der geistreichen Mutter, Heather Baltzor mit Namen, war der Süddeutschen so wichtig, dass sie ihn in der Rubrik “Home/Video” unter dem Titel “Tierpark in Oregon - Zoo-Löwe will Kind verspeisen” veröffentlichte [1]

suedwatch-huffington

Wo bei diesem für Kind und Tier unwürdigen Schauspiel der Spaß bleiben soll, ist mir rätselhaft. Da helfen auch die - haha - lustigen Bemerkungen nicht, mit der die Mutter ihre Tat laut Huffington Post rechtfertigt [2]:

“‘It was Jack’s first trip to the zoo. We didn’t even realize he looked like a zebra [...] He was quite a hit. She [die Löwin; Anm. Moritatensaenger] must have thought he looked pretty tasty that day,’ she laughed.”

Aber gut, wir kennen ja den Slogan der SZ:

“Seien Sie anspruchsvoll - Süddeutsche Zeitung”




Mit tönendem Gruß

Ihr Peter Zangerl, alias Moritatensaenger




[1] http://www.sueddeutsche.de/panorama/zoo-loewe-will-kind-verspeisen-1.1348540

[2] http://www.huffingtonpost.com/2012/05/03/lion-tries-to-eat-toddler_n_1473718.html



Wussten Sie eigentlich, dass heute Welttag der Pressefreiheit ist? Vermutlich nicht. Jedenfalls nicht, wenn Ihre Quelle Süddeutsche.de ist. Wie auch immer: Passend zum heutigen Welttag der Pressefreiheit haben gestern

Unbekannte - wieder einmal - die Lausitzer Rundschau in Spremberg aufgesucht. Diesmal hängten sie die Eingeweide eines frisch geschlachteten Tieres, vermutlich eines Schweins, über das Logo der Brandenburger Lokalzeitung. Das Tierblut sammelte sich auf dem Boden, noch am nächsten Morgen waren die Scheiben rot verschmiert. Auch auf dem Briefkasten lagen Innereien. “Lügenpresse halt die Fresse”, hatte jemand auf die Scheiben der Redaktion geschmiert. [1]

Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke geht von Neonazis aus, die die Berichterstattung durch die Lausitzer Rundschau attackierten.


luegenpresse-halt-die-fresse



Darüber berichtete Süddeutsche.de Und das ist auch gut so. Die Presse, die “Vierte Macht im Staate” muss frei arbeiten können. Frei von staatlicher Einflussnahme, darauf weisen etwa die Reporter ohne Grenzen am heutigen Welttag der Pressefreiheit hin [2] , aber selbstredend auch frei von Einflussnahme durch Gewalttäter, denen Demokratie und Freiheit an sich und Pressefreiheit im Besonderen ein Dorn im Auge ist.

So weit, so gut also. Süddeutsche.de als unerschrockener Mitstreiter für die Pressefreiheit. Jedoch stellt sich die Frage, warum Süddeutsche.de so völlig ungerührt blieb, als Salafisten das Gleiche getan haben wie jetzt die Neonazis: Als vor drei Wochen etwa der Tagesspiegel kritisch über Salafisten und ihre Koran-Verteilaktion berichtete, antworteten diese mit einem Droh-Video. “Aktion Schweinebacke” hieß es. Darin wurde Journalisten offen gedroht.

In dem vierminütigen Drohvideo werden die beiden Journalisten namentlich genannt und beleidigt. Einer von ihnen ist Mitarbeiter der “Frankfurter Rundschau”. Das Video, das den Titel “Operation Schweinebacke” trägt, zeigt das Hobby, die Telefonnummer und private Fotos des Redakteurs. Dies sei keine Drohung, aber eine Warnung, heißt es in dem Videofilm.

ist auf hr online zu lesen.[3]

“Wir haben detaillierte Informationen über die Affen und Schweine, die verlogene Berichte über Dawa Ffm (eine Salafisten-Gruppe aus Frankfurt, Anm. d. Red.) und viele andere Geschwister veröffentlichen”, warnt eine anonyme Stimme. Wenn der Journalist weiter angebliche Salafisten-Märchen verbreite, werde man seine Daten herausrücken. Der andere Journalist, der in dem Video bedroht wird, stammt aus Berlin.

Und auf Welt online [4] kann man das Video anschauen - mit unkenntlich gemachten Journalisten. Das Original ist bereits vom Netz genommen.


video



Doch Süddeutsche.de schwieg dazu.

Was auch immer der Grund dafür sein mag: Falsch verstandene Toleranz, die aus lauter Furcht von Fehlreaktionen ihrer eigenen Leser lieber gleich gar nicht berichten lässt,  eine krude Logik, die die öffentliche Bedrohung - Pardon - “Warnung” im Internet für vernachlässigter harmlos hält, oder auch schlicht Angst vor der eigenen Courage unserer sonst so heldenhaft berichtenden Süddeutsche.de-Journalisten die ihre Namen nicht in einem Youtube-Film wiederfinden wollen: Mit Pressefreiheit hat das leider nichts mehr zu tun.





Jaspis





[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/neonazis-attackieren-lokalzeitung-luegenpresse-halt-die-fresse-1.1346930
[2] http://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung-im-detail/artikel/alle-fuenf-tage-ein-toter-journalist-rog-buero-in-libyen-geplant-liste-der-feinde-der-pressefreihe/
[3] http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_44486911
[4] http://www.welt.de/politik/deutschland/article106183715/So-bedrohen-Islamisten-kritische-Journalisten.html

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