Die Kollegin Jaspis hat unter dem Titel „Kein #Aufschrei für Kinder“ das in diversen SZ-Artikeln feststellbare, grundlegende Nicht-Begreifen dessen, was Kindesmißbrauch im Wesen ist, vor wenigen Tagen zu Recht scharf kritisiert (1). Sprachlos war der Wolpertinger über den Hinweis im Beitrag von Jaspis, daß der Artikel über einen Fall in Indien „Vierjährige stirbt nach Vergewaltigung“ (2), auf den sie Bezug nahm, offensichtlich unter „Reise“ in der SZ zu finden war. Sozusagen eine Info, von der die SZ annimmt, daß sie interessant für Touristen ist. (Diese Einordnung kann an Hand des Screenshots im Artikel von Jaspis verifiziert werden: siehe die gelb unterlegten Registerkarten links oben).
Zunächst einmal hatte die SZ wieder,wie man es von unserer Qualitätszeitung gewohnt ist, die Fakten durcheinander gebracht. Unter der falschen Überschrift „Fünfjährige stirbt nach Vergewaltigung“ beschreibt sie am 30.4.2013 in einem ersten Artikel die Umstände des Todes eines vierjährigen Kleinkindes (3). Dieser Artikel ist die Grundlage des am 1.5.2013 (ohne Aktualisierungshinweis) geänderten und erweiterten Artikels, in dem es der SZ wenigstens gelingt, das Alter des verstorbenen Opfers sowohl im Titel als auch im Artikel richtig anzugeben und zu erwähnen, daß ein anderes, fünfjähriges Opfer sexueller Gewalt schwer verletzt überlebt hat. (Der ursprünglich kurze und den oben aufgezeigten sachlichen Fehler enthaltende erste Artikel ist jetzt - unkommentiert von der Redaktion - auf der Müllhalde des Ressorts Panorama immer noch zu besichtigen und aufzurufen).

Angeblich herrscht bei der SZ das Vier-Augen-Prinzip: Stefan Plöchinger, der Chef der SZ-online-Redaktion, versichert in seiner Kolumne, alle Artikel würden vor Veröffentlichung ausgedruckt und von 2 Paar Augen gelesen (4). Vielleicht sollte man für die SZ eine Brillensammlung veranstalten, denn es ist kaum vorstellbar, wie die insgesamt vier Augen von zwei Korrektoren innerhalb von nur ein paar Zeilen solch grobe Schnitzer (auffällige Inkongruenz von zwei einfachen Zahlenangaben) nicht bemerken. Böswillig könnte man auch annehmen, daß das Thema Kindesmißbrauch für die SZ-Menschen eben ein eher unwichtiges ist, wo es auf detaillierte Recherche nicht ankommt, wie es auch schon Jaspis in ihrem Beitrag bemängelt hat. Sie jedenfalls konnte sich Detailwissen ohne weiteres über das Internet durch die „Times of India“ verschaffen.
Der nunmehr korrigierte, aktuelle Artikel über den Kindesmißbrauch unter den Registerangaben Reise/Asien/Indien ist - wie sein fehlerhafter Vorgänger – derzeit im Ressort „Panorama“ abrufbar, wo er sich in „bester“ Gesellschaft in einem bunten Allerlei von Nachrichten befindet: „Dies und Das“ aus aller Welt, für jeden Geschmack etwas.
Die Foristin Carolin Kugel findet diese Einordnung in die Sparte „Panorama“ allerdings inakzeptabel:

Dem kann man nur zustimmen, wenn man sich vor Augen hält, was so alles unter „Panorama“ veröffentlicht wird. Zum Beispiel heute (3.5.2013) eine mehr als dümmliche Glosse von Lena Jakat unter dem Titel: „B&B im Vatikan“ (5).

Lena Jakat stellt sich neue Wohnformen im Alter vor und geht ihrem super-originellen Gedanken nach, wie es wäre, wenn B (für Beatrix) zu B ( für Benedikt) (deshalb B&B im Titel?) in den Vatikan zöge, Benedikt Lammfellpantoffeln trüge und Beatrix mit der unter italienischer Sonne sich weiterhin bewährenden Betonfrisur den mit Tulpen bepflanzten Vorgarten überwache – und zwischendurch spielen die beiden Halma. Dümmer geht’s nimmer. Aber wenn diese Ausgeburt der Phantasie einer „humorvoll“ sein wollenden Reporterin - billige Lacher beim „anspruchsvollen“ SZ-Publikum kann man immer ernten, wenn man sich Benedikt XVI vornimmt – es ist schon obsessiv, wie die SZ sich immer wieder an ihm abarbeitet, selbst jetzt noch, wo er abgedankt hat - wenn also dieses waaahnsinnig komische Produkt aus der „Hirn“-Region der Vielquasslerin Lena Jakat wenigstens nur der Sparte „Leben“ , dem Sammelbecken der trivialsten aller trivialen Trivialitäten, zugeordnet worden wäre! So aber wird ein Artikel über Kindesmißbrauch als Reise-Info in „Panorama“ eingestellt, gleichberechtigt und gleich gewichtet in derselben Rubrik wie Meldungen über einen neuen Rekord im Verstecken von Cannabis, eine Schauergeschichte über das Auffressen der Leiche einer abgestürzten Frau in den Pyrenäen durch Geier, ein Promiblog, Klatsch über den Thronwechsel in den Niederlanden und eben Lena Jakats mißlungener Glossen-Versuch „B&B im Vatikan“. Wobei man sich schwer vorstellen kann, daß es Lena Jakat bei der Wahl ihres Titels nicht bewußt war, welch weites, auch scheinbar fernliegendes Assoziationsfeld sie damit den Lesern unterschwellig eröffnete: B&B wie in Bed and Breakfast (hach, unausgesprochene schwüle Frage - Beatrix und Benedikt in einem oder zwei Betten?) und „BB“ – das Markenzeichen der Sexbombe „bébé“ Brigitte Bardot mit dem kindlichen Schmollmund (6) – oder wie in Wikipedia sehr reserviert ausgedrückt - der „erotischen Ikone“ Brigitte Bardot.
Man versteht, weshalb der Artikel über den Tod eines kleinen, vierjährigen Mädchens als Folge sexuellen Mißbrauchs in Indien nach Dafürhalten der SZ genau in diese Rubrik paßt, wo sich auch ein oberflächlicher Flattergeist wie Lena Jakat tummelt! Die widerwärtige Verharmlosung von Kindesmißbrauch – wie von Jaspis zu Recht angeprangert - setzt sich so fort durch die einem Bericht darüber zugewiesene Nachbarschaft mit mehr oder weniger niveaulosen Artikeln – wie zum Beispiel dem Blödelschmonz von Lena Jakat.

Der Wolpertinger
Update: So löst die SZ ihr Problem mit Kritik: Abrakadabra-Verschwindibus!
Die SZ unterdrückt Kritik nachträglich – auch noch mehr als 24 Stunden nach ursprünglicher Einstellung eines Kommentars schafft sie sich so Probleme vom Hals. Wenn man den Artikel „Vierjährige stirbt nach Vergewaltigung“ (siehe Fußnote 2) neuerdings anklickt, sind alle Beiträge, die sich aus inhaltlichen Gründen mit der Einordnung des Artikels in das Ressort „Panorama“ beschäftigten, komplett verschwunden – auch der oben zitierte und durch Screenshot gesicherte Kommentar von Carolin Kugel vom 2.Mai 2013 um 2:11 Uhr. Der Zaubertrick fand irgendwann am Nachmittag/Abend des 3. Mai statt. Gratulation an all die Zauberkünstler von der SZ.
P-err-f-ekt! Der Trick ermöglichte eine im Ergebnis 100%-ig unkritische Rezeption des Artikels! Ganz so, wie sich der „anspruchsvolle“ SZ-Leser das wünscht. Und ganz so, wie sich der Chef der Online-Redaktion Stefan Plöchinger die aktive Mitarbeit seiner „lieben Leser“ wünscht. Denn schließlich hat Stefan Plöchinger für Kritik, die jetzt upgedated sehr schick „Feedback“ heißt, ein eigens dafür zu verwendendes Formular geschaffen, auf dem man der SZ die für sie kostenlosen, schon vorsortierten Korrekturvorschläge - auf geflissentliche, wohlwollende Beachtung hoffend - untertänigst unterbreiten darf. Alles natürlich ganz diskret in einem dunklen Winkel, wo kein öffentliches Auge hinzublicken vermag (siehe Fußnote 4).
P-E-RR-FEKT!
(1) http://www.suedwatch.de/blog/?p=10748
(2) http://www.sueddeutsche.de/panorama/gewalt-gegen-frauen-in-indien-vierjaehrige-stirbt-nach-vergewaltigung-1.1662750
(3) http://www.sueddeutsche.de/panorama/indien-vierjaehriges-maedchen-stirbt-nach-vergewaltigung-1.1662190
(4) http://www.sueddeutsche.de/kolumne/ihr-feedback-danke-liebe-leser–1.1632650
(5) http://www.sueddeutsche.de/panorama/neue-wohnformen-im-alter-bb-im-vatikan-1.1664246
(6) siehe Fußnote 5: in dieser Form „BB“ in der Adresszeile für den Artikel enthalten