Feeds
Artikel
Kommentare

Respekt!

Ehrlichen Respekt, liebe Süddeutsche.de, vor dieser Schlagzeile! [1]


respekt





Jaspis



[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/eskalation-im-nahen-osten-hamas-nutzt-gaza-bewohner-als-menschliche-schutzschilde-1.2039824

Claudio Casula: Drecksblatt


Wenn es Juden an den Kragen geht, davon sind die meisten Deutschen überzeugt, sind sie selbst dafür verantwortlich. Konnte es schon nur deshalb zur Shoa kommen, weil es dem Internationalen Judentum gelang, „die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen”, wie der Gröfaz Anfang 1939 schon mal vorbeugend klarstellte, sind es heute die Israelis, die den unbändigen Judenhass in der Region selbst heraufbeschworen haben.

Schießt der Irak Saddam Husseins im Jahr 1991 Dutzende Scud-Raketen auf Großstädte im nicht am Krieg beteiligten Israel ab, weshalb Millionen Israelis mit Gasmasken in abgedichteten Zimmern auf den nächsten Einschlag warten müssen, erklärt der Grüne Christian Ströbele, dies sei nur „die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik den Palästinensern und den arabischen Staaten gegenüber”. Feuern im Jahr 1996 palästinensische Polizisten auf ihre israelischen Friedenspartner, ist Netanyahu schuld, der die Öffnung eines archäologischen Tunnels in Jerusalem genehmigt hat. Tritt Yassir Arafat im Herbst 2000 eine beispiellose Terrorwelle gegen israelische Zivilisten los, die Tausende das Leben kostet, geht das auf die Kappe des Oppositionspolitikers Sharon, der sich 20 Minuten auf dem Tempelberg aufgehalten hat.

Werden im Juni 2014 drei israelische Jugendliche von Palästinensern verschleppt, dichten mehrere deutsche Zeitungen den Opfern an, „Siedler” und damit gewissermaßen illegale Besatzer zu sein, die ihr Los wohl reichlich verdient haben. Den vorläufigen Höhepunkt der „Die Juden sind an ihrem Schicksal selber schuld”-Kampagne liefert heute Abend die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung. Das Qualitätsmedium aus München, das jeden jugendlichen palästinensischen Brandsatzwerfer, der bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften erschossen wird, als mutmaßlich kaltblütig getöteten Jugendlichen darstellt, was die Kommentatorenmeute in „Kindermörder Israel”-Phantasien schwelgen lässt, schafft es tatsächlich, selbst einem 13-Jährigen, der auf dem Golan bei einem von Syrien aus organisierten Anschlag durch einen Sprengsatz ums Leben kommt, mittels kaltblütiger Wortwahl die Schuld für seine Ermordung zuzuschieben:

Auf den Golanhöhen ist erstmals seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs ein Israeli getötet worden. (…) Was er in dem gefährlichen Gebiet zu suchen hatte, ist unklar.

Klar ist hingegen, dass es sich bei der Süddeutschen Zeitung um ein Medium handelt, das fortgesetzt und absichtsvoll jede wahrhaftige und faire Berichterstattung fahren lässt, wenn es um Israel geht; dass es selbst die Würde eines getöteten Kindes mit Füßen tritt, wenn es Israeli ist (bittere Ironie am Rande: das Opfer hieß Muhammad Karaka, war arabischer Herkunft und wohnte in Untergaliläa) und dass nicht einmal dem hässlichsten toten Aal zugemutet werden kann, in dieses Drecksblatt eingewickelt zu werden.




(Der obige Gastbeitrag von Claudio Casula, hier veröffentlicht mit seiner freundlichen Genehmigung, erschien im Original in seinem lesenswertem - und schon lange auf der suedwatch.de-Blogroll beheimatetem - Blog “Spirit of Entebbe“)

Huberth Rosner ist Oberpfälzer und Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr, da neigt man nicht zum Mimosenhaften. Trotzdem fand er es unerquicklich, bei einem Besuch in München auf der Straße zurechtgewiesen zu werden, er solle doch bitte „nicht so viel mit dem Schwanz denken“. Dass die Worte kurz vorm Maximilianeum fielen und die Frau, die Mit-dem-Schwanz-Denken für eine Unsitte hält, danach im Landtag verschwand, irritierte ihn zusätzlich.

So war es am 14.06.2014 in der Süddeutschen Zeitung zu lesen (online: [1])

Huberth Rosner ist 1. ein Mann und 2. ein Soldat. Damit gehört er zwei Gruppen an, die von sich aus schlecht und böse sind und schon deshalb “gerüffelt” - und beleidigt werden können und müssen, wann immer es geht. Ein 1. Mann und 2. Soldat also, dem sich eine mutige Frau verwegen entgegenstellt, eine “Kämpferin” (siehe [2]) für das Gute - das ist eine Geschichte so ganz nach dem Geschmack unserer SZ-Redaktion, die diesen Vorfall mit dem Titel

Pikanter Tipp - Abgeordnete rüffelt Feldwebel

goutierte (und den Haupt- auch noch flugs zum Feldwebel degradierte). Das an sich sollte eigentlich genügen. Gute Tat vollbracht, wir können zufrieden schlafen gehen. Auf den Vorfall selbst muss man deshalb auch nicht wirklich näher eingehen:

Rosner und seine Kollegen hatten sich in der Tram über ein Plakat der Grünen lustig gemacht, auf dem „BürgerInnen“ mit großem I zu lesen war. Ein Wort gab das andere, Rosner ließ sich hernach von einer ihn begleitenden Offizierin und einer Kollegin aus der Wehrverwaltung zusichern, die Spötterei sei politisch korrekt gewesen. Gote dagegen berichtet von „sexistischem Sprücheablassen in der Straßenbahn“. Beim Aussteigen habe sie Rosner aufgefordert, er solle den Verstand einschalten, der verbat sich das in Stil und Lautstärke.

Genaueres hatte der Nordbayerische Kurier zu berichten [3]



rogo



Danach hatte sich Huberth Rosner zusammen mit seinen männlichen und weiblichen (!) Kollegen nicht nur über das Binnen-I ausgelassen, sondern auch über den noch peinlicheren Vorstoß [Anmerkung Jaspis: hier wäre mir beinahe ein Freudscher Schreibfehler unterlaufen, indem ich "Vorstuß" statt "Vorstoß" geschrieben habe] der Grünen in Berlin, weibliche Ampel-Symbole einzuführen. Ein klassischer Fall von freier Meinungsäußerung, könnte man glauben. Was Ulrike Gote von Rosners Meinung hielt, äußerte sie ziemlich deutlich. Für sie war das “männliches Imponiergehabe” (wir erinnern uns: es waren auch Frauen, die Rosners Meinung teilten).

“Beim Aussteigen habe ich ihm gesagt, es sei Schwachsinn, was er sagt. Und dass er sein Hirn einschalten soll. Erst als er mir dann hinterhergerufen hat, habe ich ihm gesagt, er solle nicht so viel mit dem Schwanz denken. Und zwar bewusst so laut. Und auf dem Niveau, wie sie vorher diskutiert haben. Das finde ich nach wie vor passend als Erwiderung. Das muss man schon aushalten.”

Bis dahin könnte man das Ganze noch als puren Meinungsabtausch ansehen. Die wechselseitigen Ansichten werden, wiederum wechselseitig, als Schwachsinn angesehen, nur eben im einen Fall (Rosner) humorvoll, im anderen (Gote) mit Schaum vor dem Mund. Doch:

Gote (48) sagt, sie reagiere sehr sensibel auf die Art, mit der sich Männer über Frauen lustig machten.

Und da sind wir beim Punkt: Sich über Sprachverhunzungen und, vorsichtig ausgedrückt, reichlich eigenartige Vorschläge lustig zu machen, hat nichts damit zu tun, sich über Frauen lustig zu machen. Denn weder ist es objektiv gesehen ein Akt der Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Sprache durch Binnen-I oder andere Verrenkungen zu vergewaltigen, nur weil sich manche Frauen durch Allgemeinbegriffe nicht angesprochen fühlen wollen, noch spiegeln Ampelsymbole mit Röcken und langen Zöpfen die Frauen in unserer Gesellschaft besser als Figuren mit Kugel-Kopf und Hosen (Ampel West) bzw. Hut und Anzug (Ampel Ost). Was in den Köpfen (oder welchen Organen auch immer) derjenigen vorgeht, die sich solche Dinge ausdenken, steht auf einem anderen Blatt. Mehr als eine Meinung indes ist das alles jedoch nicht.

Gote erhebt ihre persönliche Meinung zur Tatsache und konstruiert sich daraus ein nicht vorhandenes Abwehrrecht. Das wäre an sich schon indiskutabel. Angesichts der Tatsache, dass Gote Politikerin eine Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags ist, wirft das ein reichlich übles Licht auf ihre Demokratiefähigkeit. Die Wahl ihres vermeintlichen Abwehrrechts, einem anderen Menschen mit dem Hinweis, er solle nicht “mit dem Schwanz denken” “Kontra gibt”, entlarvt sie zudem als pure Sexistin. Gotes Aussage, sie “reagiere sehr sensibel auf die Art, mit der sich Männer über Frauen lustig machten” verkommt damit zur Farce. Gleichberechtigung wird nicht durch ein Meinungsdiktat erzielt.

Doch das alles fällt unseren Helden bei der Süddeutschen Zeitung natürlich nicht auf. Kein Anlass für einen #Aufschrei. Für sie ist sonnenklar, dass Rosners Kritik nichts anderes als ein Resultat des Denkens “mit dem Schwanz” sein kann, das mit “pikanten Tipps” geahndet werden kann, für die keine Regeln gelten - schon gar nicht solche des Anstands oder des guten Tons.

EinTreppenwitz dieser Geschichte: Wie viel “Verstand” Nutzer gender-korrekter Schreibweise bisweilen nutzen, stellte kürzlich der “Student_innen Rat” der Universität Leipzig unter Beweis [4]


innen



Aber das ist eine andere Geschichte.





Jaspis





[1] http://www.sueddeutsche.de/Q5T38q/2067976/Pikanter-Tipp.html
[2] http://www.suedwatch.de/blog/?p=12209
[3] http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/nicht-mit-dem-schwanz-denken_265830
[4] http://www.boersenblatt.net/802691/

Trotz des Terrors und der Drohungen der Taliban haben sich die Menschen in Afghanistan nicht davon abhalten lassen, zur Wahl zu gehen. Gott sei Dank. Aber der Preis war hoch und die Angst dürfte noch viel größer gewesen sein. So gesehen ist das durchaus ein Grund zum Jubel, wie ihn auch sueddeutsche.de ausruft [1]

Die Taliban in Afghanistan erleiden eine Niederlage: Vor der Stichwahl haben sie mit Anschlagen gedroht und die Menschen eingeschüchtert. Millionen Afghanen lassen sich davon aber nicht beeindrucken und gehen wählen.

Doch so harmlos, wie hier geschildert, war das Ganze nicht.

Trotz vereinzelter Anschläge und Angriffe verlief die zweite Runde der Präsidentenwahl relativ ruhig, wie afghanische Medien berichten. Die befürchtete Gewaltwelle der islamistischen Kämpfer blieb aus - dennoch kamen laut Innenministerium am Wahltag mindestens 66 Menschen durch Raketen, Bomben und Bodenminien ums Leben - darunter 20 Zivilisten, 15 Soldaten, elf Polizisten und ein Mitarbeiter der Wahlkommission. Sicherheitskräfte töteten der Erklärung zufolge fast 60 Taliban-Kämpfer.

“Vereinzelte Anschläge und Angriffe” ist nur ein Teil des Euphemismus, mit dem unser Hausblatt den Terror der Taliban herunterspielen. Geradezu skandalös ist der Neusprech für die Terroristen, die kein einziges Mal beim Namen genannt werden. Nein, bei sueddeutsche.de sind die Taliban ausschließlich “Kämpfer”. Warum ich das skandalös finde? Werfen wir einen Blick auf duden.de:

Ein “Kämpfer[2] ist

1. a. Soldat, der im Kampf, in der Schlacht steht

b. (DDR) Mitglied einer Betriebskampfgruppe

2. jemand, der sich mit Heftigkeit handgreiflich mit jemandem auseinandersetzt, mit einem Gegner kämpft, um ihn zu bezwingen

3. a. (Sport) Sportler, der mit seinem Gegner, seinen Gegnern um den Sieg kämpft

b. (Sport) Sportler, der sich in einem Wettkampf, in einem Spiel körperlich voll einsetzt

4. jemand, der sich mit großem Engagement für ein Ziel einsetzt

Gerade durch die Verwendung des Begriffs “Kämpfer” im Sport, aber auch im Zusammenhang mit Freiheitsrechten ist der Kämpfer in unserer Sprache praktisch durchwegs positiv besetzt. Ein “Kämpfer” kämpft für Gutes. Für Ruhm, Ehre - und Frieden.

Ein “Terrorist[3] hingegen ist

Anhänger des Terrorismus (1); jemand, der Terrorakte verübt

Taliban morden, misshandeln, verüben Anschläge, um die Demokratie zu verhindern. Folgerichtig werden sie von sueddeutsche.de … als “Kämpfer” bezeichnet!! Was in den Gehirnwindungen dieser Verharmloser vorgeht, ob es nur pure Dummheit ist oder die Annahme, dass jeder, der in irgend einer Form gegen “den Westen” “kämpft”, ein Guter sein muss, ist nicht nachvollziehbar. Und damit auch die Leser nicht auf dumme Gedanken kommen, werden Bilder und “Werke” dieser “Kämpfer” bestenfalls diffus genannt. Besser nicht so konkret äußern und auch lieber kein Bild dazu zeigen - wie etwa RPonline [4]



kaempfer-werke



Sonst müsste man sich noch eingestehen, dass Taliban sind keine (mutigen Freiheits-)”Kämpfer” sind. Sie sind feige Terroristen und sollen bitteschön auch so bezeichnet werden!





Jaspis





[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/stichwahl-um-praesidentenamt-afghanen-trotzen-taliban-drohungen-1.2000419

[2] http://www.duden.de/rechtschreibung/Kaempfer_Soldat_Sportler_Kombattant

[3] http://www.duden.de/rechtschreibung/Terrorist

[4] http://www.rp-online.de/politik/ausland/taliban-schneiden-waehlern-in-afghanistan-finger-ab-aid-1.4311613

Am Samstag, den 24. Juni, starb ein Untersuchungshäftling in einer Zelle der JVA-Landshut. Der Mann hatte im April eine 50-jährige Lufthansa-Stewardess während eines Fluges als Geisel genommen und dabei sowohl sie, als auch zwei zu Hilfe eilende Kolleginnen mit einem Rasiermesser/einer Rasierklinge und durch Schläge und Würgen [1] verletzt. Am letzten Samstag nun randalierte er massiv in der Zelle, in der er während der Untersuchungshaft untergebracht war. Dabei zerschlug er auch eine Glasscheibe und verletzte zunächst sich selbst mit einer Scherbe, danach ging er damit auch auf das in seine Zelle eilende Vollzugspersonal los. Das Bemühen, den Tobenden niederzuringen, erforderte zum Schluß wohl ganze 8 Personen. Endlich am Boden fixiert, setzte dann seine Atmung aus und er konnte zwar durch den herbeigeeilten Sanitäter und einen Notarzt reanimiert werden, verstarb aber dann später im Krankenhaus.

Das ist natürlich eine Tragödie. Eine Tragödie für den Täter (und seine Angehörigen), der sicher einiges an Konsequenzen, aber eben nicht den Tod verdient hätte, und es ist ein Schlag für die Beteiligten, die jetzt für sich selbst und die Justiz dokumentieren müssen, dass der Tod des Häftlings nicht Folge einer von ihnen vorsätzlich (oder zumindest fahrlässig) geführten Handlungsweise ist. Die Staatsanwaltschaft, wie in solchen Fällen üblich, ermittelt bereits.

Würde der Täter Thorwald X. heißen und wäre er der Mitgliedschaft in der rechten Szene verdächtig, so würde umgehend eine Diskussion über die laschen Sicherheitsvorkehrungen einsetzen, unter denen Rechte inhaftiert werden, und zeitgleich würde die erhebliche Gewaltbereitschaft und Gefährdung der Öffentlichkeit durch diese Leute thematisiert. Und das nicht zuletzt von der Süddeutschen Zeitung.

Der verstorbene hieß aber nicht Thorwald X., sondern Muslim H., weshalb auf dem tragischen Vorfall nun ein gänzlich anderes Süppchen gekocht wird. Ein typisches SZ-Süppchen. In der Freitagsausgabe (Süddeutsche Zeitung Nr. 123, Freitag, 30.Mai 2014) bekam der “Polizei- und Gesellschaftsreporter im Lokalteil” Florian Fuchs fast eine Viertelseite, für die ein Anzeigenkunde (Print + Digital) bereits in die Nähe eines sechsstelligen Anzeigenpreises schlittert, um mit einem ganz besonderen Artikel die Verschwörungstheoretiker und Rechtsstaatsapostaten unter den SZ-Lesern zu bedienen. Und Fuchs ist dafür genau der richtige Mann, wie schon der Titel zeigt:

todlicher-kampf_bearbeitet-1

(Online)

scan-fluchtling_bearbeitet-1

(Print)


Ein “tödlicher Kampf gegen das Asylrecht” soll sich also in der JVA-Landshut abgespielt haben: Nicht mehr ein gewalttätiger Geiselnehmer war es, der - erneut - Menschen mit einer tödlichen Waffe angriff (und verletzte) und gegen dessen Aggression man sich zur Wehr setzen musste, sondern die Mitarbeiter der JVA führten - als verlängerter Arm der Justiz - einen Kampf gegen das “Asylrecht”. Womit die Rolle der Schuldigen schon besetzt ist: In der Hauptrolle Staat und Justiz, in den Nebenrollen das Justizvollzugspersonal. Unklar ist bei diesem Artikel manches, aber an erster Stelle und bereits zu Beginn ist unklar, wieso es erstens einen Kampf gegen das Asylrecht bedeutet, wenn ein gewalttätiger Untersuchungsgefangener niedergerungen werden muss, der wegen des Vorwurfs der Geiselnahme (!) einsitzt. Und zweitens ist unklar, wieso die - im Vorfeld erfolgte - korrekte Umsetzung des Asylrechts einen “Kampf” gegen dasselbe darstellen soll. Richtig ist nämlich, dass sich der Staatsangehörige der Republik Kosovo, Muslim H., der ursprünglich einmal in Ungarn die Grenze zur EU überschritten hatte - wo er Asyl beantragte und wo auch sein Verfahren läuft -, nach eben dem angeblich angegriffenen Asylrecht (Dublin) gesetzeswidrig in Deutschland aufhielt. Aber Recht ist bei Florian Fuchs und Genossen eben nicht geltendes, geschriebenes Recht, sondern das was von ihnen nach persönlichem Gutdünken so empfunden wird.

Und natürlich ist der Staat derjenige, welcher sozusagen per se Recht bricht, weshalb ihm sich berufen fühlende Organisationen ständig und wachsam auf die Finger sehen müssen. Genau diesen Eindruck versucht der Autor unseres Artikels in der Subheadline und gleich danach nochmal im ersten Satz des Mengentextes zu erwecken, wo er schreibt, dass der “bayerische Flüchtlingsrat” in dieser Sache rasche Aufklärung fordere. Denn natürlich ist allen SZ-Gläubigen klar, dass die regulären Ermittlungsbehörden das Ganze sonst mindestens nach ganz unten im Stapel gelegt, wenn nicht sogar “übersehen” hätten zu bearbeiten. Ausgerechnet der mit “Linksextremisten durchsetzte” (blue-news) bayerische Flüchtlingsrat muss da über Recht und Ordnung wachen! Wer angesichts der Chuzpe dieser Story noch wenigstens müde lächeln kann, der darfs hier tun.

Bei so viel Bösem um uns herum bleibt wenigstens die Unschuld des Protagonisten unangetastet: Muslim H.s Tat, sowohl im Flugzeug der Lufthansa als auch in der JVA, wird ohne Zögern sowohl von SZ-Schreiberling Florian Fuchs als auch vom Sprecher des “Flüchtlingsrates” dessen angeblicher Verzweiflung zugeschrieben…

“In seiner Verzweiflung brachte er im Flugzeug mit einer Rasierklinge eine Stewardess in seine Gewalt und zwang die Maschine zur Umkehr.” (Fuchs)

“Wenn jemand so verzweifelt ist, dass er so ausflippt wie dieser Mann, dann muss man sich fragen, warum er nicht dort Asyl beantragen darf, wo er will.” (Thal, Flüchtlingsrat)

Andere Motive oder Auslöser für die Gewalt sind schlichtweg nicht vorstellbar. Wogegen so viel Verzweiflung schon einleuchtet, vor allem wenn man(n) aus dem EU-Beitrittskandidaten Kosovo in das EU-Mitglied Ungarn (seit 10 Jahren) “flüchtet” (Muslim H. war nicht als Flüchtling anerkannt) und sich, dort angekommen, auch im Urlaubsland von jährlich über einer halben Million Deutschen einfach nicht wohl fühlen will. Gut dass es da die Süddeutsche Zeitung gibt, die sich um die Verzweifelten bemüht. Auch wenn das Blatt mit seinem t(äg)lichen Kampf gegen das bestehende Asylrecht und Schreibern wie Fuchs, so manchen Leser erst richtig in die Verzweiflung treibt.



Ihr Peter Zangerl alias Moritatensaenger



[1] http://www.sueddeutsche.de/muenchen/passagier-bedroht-stewardessen-geiselnahme-im-flugzeug-1.1927210


“Ende Dezember 2012 berichteten wir an dieser Stelle [auf "Die kalte Sonne"; Anm. Moritatensaenger] über eine Studie von Bromwich et al. in Nature Geoscience zur Erwärmung der Westantarktis, die angeblich dreimal schneller als der globale Durchschnitt abläuft. In der Kurzfassung lesen wir:

‘Here, we present a complete temperature record for Byrd Station, in which observations have been corrected, and gaps have been filled using global reanalysis data and spatial interpolation. The record reveals a linear increase in annual temperature between 1958 and 2010 by 2.4±1.2 °C, establishing central West Antarctica as one of the fastest-warming regions globally.’


Die Süddeutsche Zeitung war entzückt und berichtete prompt. Schaut man sich jedoch die Temperaturgraphen der Arbeit genauer an, fällt einem vor allem eines ins Auge, nämlich dass es in den vergangenen 25 Jahren überhaupt nicht wärmer geworden ist [siehe eingangs verlinkten Blogartikel "Westantarktis erwärmt sich schneller als gedacht - allerdings kein bisschen in den letzten 25 Jahren"; Anm. Moritatensaenger]. Es stellte sich sogleich die Frage, wie eine solche Studie überhaupt die Begutachtung überstehen konnte.

Und in der Tat, schnell waren die ersten Fehler gefunden. In einem hastig nachgeschobenen, vorweihnachtlichen Corrigendum [PDF; Anm. Moritatensaenger] räumten die Autoren einen peinlichen Rechenfehler ein, der die Dezember-Januar-Temperaturen betraf:

‘For 1980-2010, the trend should have been 0.29 ± 0.53 °C per decade, instead of 0.76 ± 0.66 °C per decade, and thus was not statistically significant. As a result, the last sentence of the section entitled “Temperature trends at Byrd Station”, referring to the significance of the trends during 1980-2010, should not include “except for December-January”.’


Statt 0,76°C pro Jahrzehnt waren es dann doch nur knapp 0,3°C. Da lagen Bromwich et al. um knapp ein halbes Grad, also 150% zu hoch. Mathe sechs, setzen.

Ende März 2014 passierte dann etwas wirklich Überraschendes. Nature Geoscience veröffentlichte eine Entgegnung zur Bromwich et al.-Arbeit, in der weitere statistische Mängel bei der Trendbetrachtung in der Ausgangsarbeit festgestellt wurden. Die Unsicherheit wäre viel zu hoch, um einen signifikanten Trend zu proklamieren:

How significant is West Antarctic warming?
Armin Bunde, Josef Ludescher, Christian L. E. Franzke, Ulf Büntgen

To the Editor
Bromwich et al. present a monthly temperature record for central West Antarctica that spans 1958 to 2010, using observations from Byrd station that have been corrected and gap-filled. A regression analysis reveals a warming of 2.44 °C over this period. To evaluate the significance of this warming trend, Bromwich [...]‘


Die Autoren der Entgegnung stammen vom Institut für Theoretische Physik der Universität Giessen, vom Meteorologischen Institut der Universität Hamburg sowie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im schweizerischen Birmensdorf.

Wie üblich in solchen Fällen, bekamen die Verfasser der Originalarbeit die Möglichkeit, auf die Kritik zu antworten. Zwei der ursprünglich sieben Autoren (Bromwich & Nicolas) versuchten sich an einer ‘Reply’. Allerdings misslingt der Versuch einer Rechtfertigung. Anstatt den Vorhalt statistischer Fehler zu entkräften, weichen die beiden Forscher dem Hauptproblem aus und texten ins Leere.

Da die Süddeutsche Zeitung damals ausführlich über den Originalartikel berichtete, wäre es jetzt recht und billig, auch die Leser über die Kritik an der Arbeit zu informieren. Warten wir es ab. Süddeutsche Zeitung, bitte übernehmen Sie.”




Die Artikel in “Nature Geoscience” sind leider nur für Abonnenten vollständig lesbar. Der hier veröffentlichte Blogbeitrag erschien zuerst auf “Die kalte Sonne” und wurde mit freundlicher Genehmigung der Autoren auf suedwatch.de eingestellt. Wer mehr von den Autoren der kalten Sonne, Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning lesen möchte, der kann das hier tun:

book

Ältere Artikel »