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Danke :-)

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich an dieser Stelle für die Jahre der Zusammenarbeit mit meiner Kollegin und - ja - Freundin Jaspis zu bedanken. Begonnen hatte alles vor gefühlten Äonen im suedcafé, dem Leserforum der Süddeutschen Zeitung. Und es begann in handfester Gegnerschaft: ich der Konservative; Jaspis die Sozialdemokratin alter Schule (beide aus echter, demokratischer Überzeugung). Wir fochten mehr als einen Kleinkrieg mit(gegen)einander aus, bis wir eines Tages merkten, dass uns unser felsenfestes “Ja” zu Demokratie und Rechtsstaat, Meinungsfreiheit und Toleranz, und die Ablehnung jedweden Totalitarismus mehr verband als trennte. Bis zu diesem Zeitpunkt genoss Jaspis auch den den ungeteilten Respekt der linken Kameradschaft der suedcafé-Leser.

Damit war allerdings schnell Schluß, als sie sich zum ersten Mal für mich und meine Meinungsäußerungen einsetzte. Fortan fielen die einstigen Genossen wie die Hyänen auch über Jaspis her. Was die aber nicht anfichte, sondern im Gegenteil ihren legendären Dickschädel provozierte. Und damit war der Grundstein für einen eigenen, unabhängigen Blog gelegt. Es vergingen noch einige Monate und einige von der SZ-Moderation unter den Teppich gekehrte Kommentare (sprich gelöscht, weil missliebig), dann stand eines Tages unser - zusammen mit Mitbegründer “Blogschmid” ins Leben gerufenes - , gemeinsames Blog-Projekt. Und auch der erste Kommentar in suedwatch.de wurde verfasst und veröffentlicht, nämlich am 2. März 2009, von….Jaspis

Seither haben wir beide bald 1.000 Beiträge verfasst und tausende Anhänger gewonnen. Noch immer, obwohl wir - jeder für sich - aus persönlichen Gründen immer seltener schreiben, besuchen unseren Blog täglich über 2.500 Leser. Und während ich immer der Wilde war (bin), der mit seinen Kommentaren auch mal über die Stränge schlägt, war Jaspis immer die kühle, analytische Intellektuelle. Die klassische Kombination von the Beauty and the Beast, halt. Nicht zuletzt aus diesem Grund, weil wir so gut zusammen passten, schmerzt mich der Abschied von Jaspis besonders. Aber weil ich ein grenzenloser Optimist bin, sage ich jetzt einfach mal, dass der Tag kommen wird, an dem wir wieder zusammen der Süddeutschen Zeitung und damit dem antijournalistischen Medien-Mainstream die rote Karte zeigen. Mit suedwatch.de. Und mit Ihnen als Lesern.



Herzlichst, Peter Zangerl



Jaspis - zum Letzten

Liebe Leser,

etwas mehr als fünfeinhalb Jahre lang habe ich für Sie Artikel der Süddeutschen Zeitung und ihres Online-Auftritts gelesen, beleuchtet und zerpflückt. Es war eine interessante Arbeit, die mir teils großen Spaß gemacht hat. Nur teils, denn was aus dem einst so stolzen Flaggschiff des deutschen Journalismus geworden ist, macht mich noch nicht einmal mehr wütend. Es macht mich nur traurig.

Ich weiß nicht, ob und wie viel ich mit meiner Arbeit bewirken konnte. Die Resonanz auf unsere Artikel zeigte jedenfalls, dass es immer mehr Leser gibt, die sich nicht mehr für dumm verkaufen lassen wollen - und das auch nicht mehr tun. Darauf bin ich stolz und ich bin stolz auf Sie, die Sie sich Ihre Kritikfähigkeit bewahrt haben.

Private und berufliche Aufgaben nehmen mich mehr und mehr in Beschlag. Ich habe leider nicht mehr die Zeit, um weiter für suedwatch.de zu schreiben und verabschiede mich an dieser Stelle von Ihnen.

Deshalb danke ich Peter Zangerl, der diesen Blog betreibt und ihn ermöglicht hat, dem Mitbegründer Blogschmid, dem Mitschreiber Wolpertinger und den zahlreichen Gastautoren.

Aber vor allem danke ich Ihnen, liebe Leser.


Man liest sich, irgendwann, irgendwo.


Ihre Jaspis





9/11

9-11-01

9-11-02

(Anklicken der Tafel führt zur CNN Memorial-Liste)




Genug!!

Genug!! - Das hat sich offenbar manch einer in der SZ-Redaktion gedacht. Genug mit dem Verständnis, das hier und da für Israel geäußert worden ist. Genug damit, dass immer noch manche meinen, Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung und genug damit, dass sogar im eigenen Haus Schlagzeilen passieren wie [1].


respekt



Zu dumm, dass man all das nicht wegdiskutieren und auch nicht ignorieren kann. Es musste eine Lösung her, die endlich wieder den Juden die Allein-Schuld zuweist, ohne wenn und aber. Etwas, das man dann auch mit


schuld



übertiteln kann.  Man kramte und suchte - und wurde fündig. 
[2]


tiere1



Usama Antar erklärt hier den SZ-Lesern, dass es nur einen Schuldigen am Nahostkonflikt gibt: Israel.

Nicht die Palästinenser sind schuld am Krieg. Israels harte Blockade des Gazastreifens treibt sie zur Gewalt.

Im Grunde genommen sind die Hamas-Brüder putzige, friedliebende Leutchen, die nur in Ruhe ihren Tee trinken wollen. Wäre da nicht dieser abgrundtief böse Nachbar Israel, der sie praktisch dazu zwingt, Raketen auf ihn abzufeuern, Selbstmordattentäter zu schicken und sich selbst hinter Kindern zu verstecken.

Traurig ist dabei, dass man in Deutschland stets der palästinensischen Seite die Schuld zuweist, wenn wieder einmal die Gewalt eskaliert - insbesondere der Hamas. Dabei vergisst man, dass der Gazastreifen bereits seit 47 Jahren besetzt ist und die Menschen hier unter unmenschlichen Umständen leben.

… was natürlich nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus der Geschichte ist. Tatsächlich ist die Region seit Jahrhunderten “besetzt”: Von Ägyptern, Philistern, Persern, Osmanen, wieder Ägyptern, Israel und seit 2005 den “Palästinensern”. Die Angabe “seit 47 Jahren” ist bereits eine Schuldzuweisung: Offenbar geht es den “Palästinensern” (die damals noch gar keine waren) erst schlecht, seit der Staat Israel gegründet wurde. Eine Suggestion, die einem seriösen Wissenschaftler, als der der Gastautor angepriesen wird, nicht unterlaufen darf.

Sicher, ein “Gastbeitrag” ist immer eine Form der Meinungsäußerung. Bloß ist das hier nicht nur praktisch nicht gekennzeichnet. Der Beitrag ist von Anfang bis Ende als wissenschaftliche Expertise positioniert, von der schuldzuweisenden Ober-Überschrift bis hinunter zum Hinweis darauf, dass der Autor ein Politikwissenschaftler sei. Dass er Palästinenser ist, braucht der Leser nicht zu wissen. Doch nicht nur, dass die Süddeutsche diesen “Gastbeitrag”, hinter dem sie sich selbst feige versteckt, als pure Meinungsäußerung nicht in einer Weise gekennzeichnet, dass sie als solche erkennbar ist. Sie ist auch noch plump genug, den Titel ein Interviews der ZEIT mit dem Autor wiederaufwärmen zu lassen, dessen Titel wohl ausschlaggebend für die Wahl des Gastautors gewesen ist: [3]


tiere2

Das Interview stammt übrigens vom Januar 2008.

Schon darin versuchte der palästinensische Gastautor, den Lesern zu vermitteln, dass es Israel und die EU-Sanktionen gewesen seien, die, bereits 2006 verhängt, die Hamas “radikalisiert” hätten. Dieselbe Hamas, die in ihrer Charta die Vernichtung der Juden zum Programm gemacht hat. Von Antar selbst seinerzeit noch als Illegal bezeichnet. Während er 2008 noch selbst zitierte:

Ein Menschenrechtler hat das einmal so beschrieben: Die Menschen in Gaza leben wie in einem großen Käfig, sie werden nur mit Lebensmitteln versorgt. Wie Tiere im Zoo.

Es gibt keinerlei Bewegungsfreiheit, keine freie Meinungsäußerung, keine Parteien. Wir haben es mit der Herrschaft einer einzigen Macht zu tun: der Hamas.

was noch sehr klar auf die Hamas hindeutet (von EU und Israel dazu gedrängt, versteht sich), liest sich der wiederaufgekochte Brei nun so:

Seit mehr als sieben Jahren leben die Palästinenser im Gazastreifen nun schon unter einer harten Blockade. Einfache Grundrechte wie Bewegungsfreiheit sind nicht vorhanden. Selbst die Einfuhr von Baumaterialen ist nicht gestattet, um die bombardierten Häuser wieder aufzubauen. Im Gazastreifen werden die Menschen nur mit den nötigen Lebensmitteln versorgt - Tieren im Zoo geht es besser. Mehr als die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung hat keinen Job. Die Armutsrate stieg auf über 70 Prozent.

Was selbstredend an niemand anderem liegt als an Israel. Nicht an der Hamas, die die Gelder, die von überall in den Gazastreifen gepumpt werden, lieber in Raketen und Tunneln für Anschläge investiert als für das Volk, für das sie gedacht waren.

Was sollen die Palästinenser in Anbetracht dieser bitteren Ausweglosigkeit nur machen?

Und die einzige Antwort sind offenbar Terrorakte durch “die” Palästinenser? Ausgeführt von Hamas-Terroristen. Das muss man nicht verstehen - und darum geht es auch nicht. Denn nichts ist zu blöd und zu krude, wenn es darum geht, den Juden als Sündenbock darzustellen.



Danke. Ich habe genug!!





Jaspis





[1] http://www.suedwatch.de/blog/?p=12239
[2] http://www.sueddeutsche.de/politik/leiden-der-palaestinenser-im-nahostkonflikt-tieren-im-zoo-geht-es-besser-als-den-menschen-in-gaza-1.2085047
[3] http://www.zeit.de/online/2007/39/interview-gaza-ansar/komplettansicht

Es ist gerade einmal ein Jahr her, da präsentierte uns die Süddeutsche Zeitung ungeniert ein vampirsgebissiges und ergo blutsaugendes Juden-Monster, mit gewetztem Messer und gezückter Gabel im Bett liegend, und einer Frau im Vordergrund, die dem Ungeheuer ein reich gedecktes Frühstückstablett servierte. Bildunterschrift dazu…

“Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefräßigen Moloch.

sz_judenmonster

Kollegin Jaspis hat das damals, im Juli 2013, in einem sorgfältig recherchierten Artikel aufs Korn genommen, der auch den Künstler, der das Werk geschaffen hatte, mit einem erstaunlichen Bekenntnis zu Wort kommen ließ. Und es wurde auch Franziska Augstein - die mutmaßliche Verursacherin - zitiert, die den tiefen Griff ins antsemitische Klo in ungetrübter Selbstüberschätzung verharmloste…

augsteinkomment

Ein blutsaugendes Monster hat also, selbst wenn es Israel darstellen soll, angeblich nichts mit antisemitischen Klischees zu tun. Wer nun in seiner Allgemeinbildung wühlt und sich darauf verwundert am Kopf kratzt, wie ein geradezu klassisches antisemitisches Klischee plötzlich nix mehr mit Antisemitismus zu tun haben kann und wie die EntscheiderInnen in der Reaktion zu diesem Geistesblitz kamen, der kann heute (Donnerstag, 24.07.2014) im Münchner Boulevardblatt tz (Printausgabe) vielleicht auf eine Spur zu Lösung des Rätsels stoßen. Ich sag es gleich - Achtung: Spekulation - vorweg:

Ich bin fast der Überzeugung, dass sich die seinerzeit über die Entscheidung zur Veröffentlichung entzweite Süddeutsche-Redaktion…

Manche meinten, das sei geschmacklos, antiisraelisch. Andere fanden daran nichts auszusetzen.

….bei Antisemitismus-”Forscher” Professor Wolfgang Benz Rat geholt hatte. Und dass der, als gelegentlicher SZ-Autor im Hause geschätzt, dem Kunstwerk zusammen mit der Bildunterschrift den Persilschein gab. Weil:

Der damals im Blatt abgebildete Blutsauger hatte keine Judennase!

Sie lesen richtig: Denn das, eine “riesige Hakennase”,  ist offensichtlich nach des Professors Erkenntnis das entscheidende “antisemitische Attribut”, das aus einer geschmacklosen Karikatur eine antisemitische Darstellung zu machen in der Lage ist.
Und wie komme ich nun darauf, dass ein Antisemitismus-Forscher so denkt? Da sind wir wieder bei der tz. Das Münchner Blattl, dass sich sonst - journalistisch gehoben - von den Pickeln am Arsch eines Models bis zum vermissten Michlingshünchen “Charly” um das besonders gewichtige Spektrum dessen kümmert, was die Welt bewegt, wollte offensichtlich auch seinen Senf zu den Übergriffen auf Juden in Deutschland in den letzten Tagen beitragen, weshalb es sich jenen Professor Wolfgang Benz, Antisemitismus-Forscher, zum Interview lud. Und Benz brillierte darin derart, dass suedwatch.de das seinen Lesern nicht vorenthalten möchte (zumal ja ein gewisser Zusammenhang zur Süddeutschen besteht):

benz-interview_500

(Anklicken des Bildes führt zu einem Abbild in hoher Auflösung und Größe beim suedwatch.de-Account bei directupload)


Frage tz (Klaus Rimpel):

…Auf einer Demonstration wurde eine Fotomontage mit Benjamin Netanjahu als blutsaugender Vampir gezeigt: Antisemitismus oder Kritik am israelischen Premier?

Antwort Benz:

Wenn Netanjahu hier mit eindeutig antisemitischen Attributen wie einer riesigen Hakennase gezeigt wird, ist das nicht nur Kritik an Netanjahu, sondern auch oder vor allem Antisemitismus. Aber: Den israelischen Premier für Handlungen zu kritisieren, die er gemacht hat, das ist der Sache nach nicht antisemitisch.

Bevor ich ihnen, liebe Leser, die Ungeheuerlichkeit dieses Statements von Benz nochmal ganz langsam zu Gemüte führe, hier zunächst die angesprochene Fotomontage:

netanjahu-kinderfresser

Und nun nochmal die Essenz aus des Antisemitismus-Forschers Professor Wolfgang Benz Behauptung:

Der (kinder-)blutsaugende israelische Ministerpräsident, hervorgehoben eindeutig als Jude durch den Davidstern auf der Stirn (also nicht als Israeli, ansonsten man die Fahne verwendet hätte) stellt…

1. KEIN antisemitisches Stereotyp dar.  Das wäre nur der Fall, hätte man Netanjahu auch noch eine “riesige Hakennase” verpasst.

2. Es ist dies, also der Jude Netanjahu, Kinder aussaugend/fressend, kein Antisemitismus, weil es “den israelischen Premier für Handlungen … kritisier[t], die er gemacht hat”.

Netanjahu saugt in des Antisemitismusforschers Augen also palästinensischen Kindern das Blut aus!!!

Und nein, das sagt keiner von der NPD oder von den Grüne/LINKEN, das sagt er: Professor Wolfgang Benz, der 21 [!] Jahre lang, von 1990 bis 2011, das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin leitete. Einundzwanzig Jahre, in denen mit ziemlicher Sicherheit Millionen von Steuergeldern in diese “Forschung” flossen. Und das Ergebnis ist, dass ein landesweit als Experte offensichtlich vollkommen überschätzter Altlinker mit der Narrenweisheit glänzen kann, die Darstellung eines Juden als Kinderblut saugendes Monster, sei nicht antisemitische, sondern in der Sache einfache Kritik, weil……der Abgebildete auf der genannten Fotomontage keine “riesige Hakennase” trage! DAS nämlich wäre das entscheidende - und hier fehlende - antisemitische Attribut.

Dass Juden nicht erst seit Simon von Trient des Kindermordes und des Trinkens von Kinderblut bezichtigt werden, dass seit Jahrhunderten kolportiert wird, sie verwendeten (überwiegend Kinder-)Blut für ihre Rituale und die Bereitung des Matze-Brotes, das belegen unzählige Dokumente und Werke, vom genannten Simon von Trient in der Schedelschen Weltchronik (Blatt 255) über den Kindlifresser in Bern, eine Brunnenfigur mit einem Judenhut…

simon-und-kindlifresser

…bis hin zu den, absolut mit der Fotomontage Netanjahus übereinstimmenden, Werken aus dem Hause Streicher (vor ‘45) …

stc3bcrmer-karikatur-streicher

..und palästinensischer Gegenwartskunst….

jew-eating-palestinian-cartoon

Alles das kennt man unzweifelhaft und zum Teil seit Jahrhunderten als Ausdruck puren Antisemitismus. Allein unser ehrenwerter Professor vermag - nach über zwanzig Jahren Forschung in der Materie - in der Darstellung Netanjahus auf einer Demo von überwiegend Muslimen in Deutschland keinen Judenhass zu erkennen. Weshalb er - unter anderem einen nicht genannten jüdischen Funktionär - auch davor warnt, den “in tiefstem Schrecken über die Vorgänge in Gaza” heute auf die Straße gehenden Pöbel mit dem zu vergleichen, der 1938 auf unseren Straßen Juden jagte.

Ganz ehrlich: Wenn so schon die Antisemitismus-Forscher denken und argumentieren, dann möchte man am liebsten garnicht wissen, was ihren Forschungsobjekten, den Antisemiten alles im Kopf rum schwirrt.



Peter Zangerl alias Moritatensaenger



Respekt!

Ehrlichen Respekt, liebe Süddeutsche.de, vor dieser Schlagzeile! [1]


respekt





Jaspis



[1] http://www.sueddeutsche.de/politik/eskalation-im-nahen-osten-hamas-nutzt-gaza-bewohner-als-menschliche-schutzschilde-1.2039824

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